Bautzen, "das braune sächsische Nest"?

Von Björn Strauss 

Bautzen - Ab Montag wird die 1000-jährige Stadt beleuchtet. In zehn (!) Folgen lässt ARTE je eine halbe Stunde am frühen Abend Bautzener Bürger, Politiker und Gäste zu Wort kommen. Bautzen geriet weltweit in die Schlagzeilen... 

Bautzen auf ARTE: Zehn mal 30 Minuten lang wird die sächsische Stadt beleuchtet. Ab 28. September täglich um 19.40 Uhr.
Bautzen auf ARTE: Zehn mal 30 Minuten lang wird die sächsische Stadt beleuchtet. Ab 28. September täglich um 19.40 Uhr.  © ARTE

Seit 2016 hat die sächsische Stadt Bautzen "den Ruf als braunes Nest", so der Sender. Auslöser: die brennende Unterkunft für Asylbewerber. 

Die Regisseure Anne-Sophie Jakubetz und Mathias von der Heide schauen sich um in Bautzen. Kaum einer, der nicht zu Wort kommt. Die aktuelle Doku aus dem Jahr 2020 nimmt sich Zeit für die Bürger. Herausgekommen sind zehn ruhig erzählte Beiträge, die sich Zeit nehmen, zuhören. Und das ist gut so.

Aber, was macht ein solcher Ruf mit den Einwohnern, die größtenteils stolz auf ihre sorbische Heimat sind? 

Zu Wort kommt unter anderem Alexander Ahrens (seit 2015 Oberbürgermeister): "Viele Menschen in Bautzen empfinden die leichtfertige Etikettierung ihrer Heimatstadt" als rechte Hochburg als ungerecht.

Das sei eine unfaire Vereinfachung. Ganz unterschiedliche Bautzener Einwohner werden in ruhigen Interviews befragt, in ihrem Leben "zu Hause" in deren Stadt befragt.

Bautzener Bürger wehren sich - gegen das "rechte" Image

Annalena Schmidt (B90/Grüne): In der zweiten Folge beschreibt die Grünen-Politikerin ihre Sicht auf die Stadt Bautzen.
Annalena Schmidt (B90/Grüne): In der zweiten Folge beschreibt die Grünen-Politikerin ihre Sicht auf die Stadt Bautzen.  © ARTE

Der Disput zwischen Stadtführer Andreas Thronicker und der Historikerin Annalena Schmidt, die sich immer wieder in die Haare kriegen, wird gezeigt. 

Oder auch die alleinerziehende Mutter Nancy Grohmann und ihre Mutter (die AfD wählt, um denen "da oben einen Denkanstoß" zu geben. 

Türmer und Stadtführer Andreas Thronicker möchte den Touristen die Schönheit seiner Stadt näherbringen, Annalena Schmidt die Wahl gewinnen... Sie bekam Morddrohungen (TAG24 berichtete).

Bautzens Hauptfrage: "Wie kann man in dieser verfahrenen Situation, in der sich verschiedene Gruppen von Bürgern unversöhnlich gegenüberzustehen scheinen, wieder zu einem konstruktiven Dialog zwischen den Menschen kommen?"

Antworten geben auch Protagonist*innen wie die Gleichstellungs- und Frauenbeauftragte Andrea Spee-Keller, Journalisten oder Gymnasiasten. 

Hat die Presse das braune Image "hoch geschrieben"?

"Ich bin kein AfD-Fan, aber froh, dass es sie gibt", sagt Stadtführer Andreas Thronicker in Folge 3.
"Ich bin kein AfD-Fan, aber froh, dass es sie gibt", sagt Stadtführer Andreas Thronicker in Folge 3.  © ARTE

Intendant Lutz Hillmann sieht in dieser Situation "die wichtige Funktion des von ihm geleiteten Deutsch-Sorbischen Volkstheaters in Bautzen", Kultur verbindet. Auch er öffnet die Bühne für die wichtige politische Diskussion.

Die Kommunal-Wahl 2019 wird rückblickend gezeigt: Der Ton zwischen dem rechtsbürgerlichen Bürgerbündnis Bautzen und der Alternative für Deutschland wurde immer gereizter. AfD und das Bürgerbündnis wurden die "großen Wahlgewinner", aber auch Annalena Schmidt ist es knapp gelungen, für das Bündnis 90/Die Grünen in den Stadtrat von Bautzen einzuziehen.

In Folge sieben kommt Ruba Osman zu Wort, berichtet über die Aggressionen und den alltäglichen Rassismus gegenüber ihrer Familie. 

Im achten Teil kommt die "Wiedervereinigung" zur Sprache, die länger nachwirkte als gedacht. Obwohl Bautzen wirtschaftlich solide dasteht, sitzt vielen die Zeit der Treuhand noch in den Knochen.

Dann - am Ende der Dokumentation - die Landtagswahl: Wahlkampfstimmung - politische Bundesprominenz wie Robert Habeck von B'90/Grüne oder Alexander Gauland von der AfD kommen nach Bautzen. Alle Protagonisten kommen immer wieder zu Wort, auch nach Bekanntwerden des Wahlergebnisses: Fast ein Drittel der Bautzner hat das Kreuz bei der AfD gesetzt...

TIPP: Ab Montag (28. September) um 19.40 Uhr laufen die zehn Folgen bei ARTE. In der Mediathek sind diese bereits abrufbar. Lohnt sich, versprochen!

Titelfoto: ARTE

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