Soest - In einer Mainacht 1987 endet das Leben von Ursula S. (†26) auf brutale Weise. Dass ihr Mörder ein angesehener Dorfbewohner des nordrhein-westfälischen Ostönnen ist, schockiert seinerzeit alle.
Weil die zweite Herrenmannschaft von Grün-Weiß Ostönnen überraschend den Aufstieg in Kreisliga B gepackt hatte, wird am 27. Mai 1987 ausgelassen gefeiert. Neben den Fußballern sowie deren Familien und Freunden sind auch Hans Helmut Basner, sein älterer Bruder und dessen Verlobte, das spätere Opfer Ursula "Ulla" S., dort.
Gegen 3 Uhr verlässt die 26-Jährige die Örtlichkeit und läuft nach Hause. Etwa eine halbe Stunde später klingelt es und sie öffnet, da sie ihren Partner erwartet, der keinen eigenen Schlüssel zur gemeinsamen Wohnung besitzt.
Doch in ihre vier Wände tritt ihr Mörder, der sie schlägt, würgt und mit mindestens 74 (!) Messerstichen bestialisch umbringt.
"Das Opfer lag blutüberströmt vor dem Bett, der Kopf auf dem Bett abgelegt. Der ganze Oberkörper war mit Messerstichen übersät", berichtet der Dortmunder Kriminalhauptkommissar Gregor Schmidt in der Kabel-Eins-Serie "Mord im Dorf".
Mord im Dorf (Kabel Eins): Verlobter lange Zeit fälschlicherweise Hauptverdächtiger
Obwohl Ullas Jogginghose bis zu den Knöcheln heruntergezogen und sie ansonsten unbekleidet war, lassen sich keine Spuren einer Vergewaltigung feststellen.
Die Ermittler merken schnell: Der Täter muss selbst bei der Feier gewesen sein. Andernfalls hätte er nicht gewusst, dass die junge Frau allein zu Hause ist.
Ihr Verlobter gilt zunächst als tatverdächtig, denn viele Tötungsdelikte spielen sich im engsten familiären Umfeld ab. Stutzig macht die Polizei, dass er die Tote erst am Abend, viele Stunden nach der Tat, fand. Eben weil er keinen Schlüssel hatte und erst durch einen Hausbewohner hineingelassen wurde.
Das Dorf ist in Aufruhr. Es gibt die wildesten Spekulationen und Gerüchte, jeder glaubt, etwas zu wissen.
Mord im Dorf (Kabel Eins): Fußball-Talent wird 21 Jahre später überführt
In einer seiner stundenlangen Vernehmungen erzählt Hans Helmut Basner schließlich, dass sein bester Kumpel Jörg B. die Party zwischenzeitlich verlassen hatte und mit anderen Klamotten wieder erschienen war. Dass ausgerechnet das hoffnungsvolle Fußballtalent der Killer sein soll, schließt die Dorfgemeinschaft aus.
Der Durchbruch in diesem Kriminalfall bleibt aus. Erst 21 Jahre später klärt er sich auf. Kommissar Gregor Schmidt, früher selbst Fußballer in Ostönnen, kann Jörg B. dank neuester Technik überführen. Seine DNA-Spuren werden an der Jogginghose des Opfers und einer Decke festgestellt.
Am 22. Juni 2010, 23 Jahre nach dem Mord, wird B. nach Jugendstrafrecht zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt. Ein mildes Urteil für den Mann, der vor und nach der Tat nie wieder strafrechtlich in Erscheinung getreten und mittlerweile wieder auf freiem Fuß ist.
Kabel Eins zeigt "Mord im Dorf" zum vorerst letzten Mal am Freitag (24. April) ab 20.15 Uhr. Bei Joyn stehen alle Folgen als Stream bereit.