Von Andreas Hummel
Chemnitz - Lara Mandoki (36) war als Kommissarin Karina Szabo von Anfang an beim "Erzgebirgskrimi" dabei, doch ihr Abschied ist besiegelt. In der Folge "Mordholz" geht sie zum vorletzten Mal auf Mörderjagd im Erzgebirge.
Im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur verrät sie, warum sie geht, wo sie demnächst zu sehen ist und wie sie auf die Entwicklungen in ihrer zweiten Heimat Ungarn blickt.
Die letzte Folge des "Erzgebirgskrimis" mit Ihnen ist gedreht und soll dieses Jahr gesendet werden. Damit ist für Sie Schluss nach sieben Jahren. Was bleibt Ihnen besonders in Erinnerung?
Mandoki: Als ich damals angefangen habe, empfand ich es als ein ganz tolles Privileg, in den Osten gehen zu dürfen, weil ich ja nun einmal auch Ungarin bin. In mir schlägt noch ein weiteres emotionales Herz für den Osten, als wenn ich nur in Bayern aufgewachsen wäre. Ich habe die Sachsen als sehr offenherzig, herzlich, warm und liebevoll erlebt. Ich bin dankbar dafür, dass ich auch für diese Region stehen durfte.
Sie sind mit Ihrer Rolle als Karina Szabo von Anfang an dabei - länger als Ihr Kollege Kai Scheve. Warum der Ausstieg?
Mandoki: Es ist so, dass das ZDF jetzt drei Folgen pro Jahr in Auftrag gegeben hat. Weil vor allem in der Sommer-Saison gedreht wird, würde das bedeuten, dass ich kaum andere Projekte annehmen kann. Da es für mich aber wichtig ist, auch andere Projekte zu drehen, bin ich diesen Schritt schweren Herzens gegangen.
"Erzgebirgskrimi" immer mit gesellschaftlich wichtigen Themen: "Das macht diesen Stoff sehr relevant"
Ohnehin gibt es im deutschen Fernsehen eine Krimi-Schwemme. Denken Sie auch manchmal: "Nein, bitte nicht noch einen Krimi"?
Mandoki: Na ja, wir Filmemacher denken uns das manchmal. Aber wenn die Zuschauer und Zuschauerinnen so wahnsinnig gern Krimis schauen, dann reagiert die Branche und es gibt weitere Krimis, die aber ja auch durchaus gut gemachte und relevante Filme sein können.
Immerhin kann man darin für ein Millionenpublikum gesellschaftlich wichtige Themen aufgreifen.
Mandoki: Absolut. Das haben wir im "Erzgebirgskrimi" immer wieder getan. So gibt es in der neuen Folge "Mordholz" einen aktuellen Bezug zum Krieg in der Ukraine, was ich sehr spannend finde. Das macht diesen Stoff sehr relevant. Ich fände es nur grundsätzlich auch gut, wenn man in den Filmen die etwas jüngeren und auch progressiven Frauen mehr in den Mittelpunkt stellen würde. Gerade im Osten gibt es im Mittelstand Frauen, die sehr erfolgreich sind. Das finde ich bemerkenswert. Da stehen Frauen noch einmal ganz anders im Fokus als Unternehmerinnen, von denen ein Zukunftsgeist ausgeht. Davon sollten mehr Geschichten erzählt werden.
Sie wollen sich nun intensiver anderen Projekten widmen. Welchen?
Mandoki: Ich habe gerade einen Kinofilm gedreht und arbeite an zwei weiteren Projekten, über die ich leider noch nicht reden darf. Aber ich kann auf jeden Fall sagen, dass ich ab August mit "Steckerlfischfiasko" aus der Eberhofer-Reihe im Kino zu sehen bin. Darin spiele ich eine Hauptrolle, eine Ungarin.
Mit Blick auf die Herkunft: "Ich wünsche mir, dass Ungarn in der EU solidarischer agiert"
Sie sind in Bayern aufgewachsen, haben aber ungarische Wurzeln, sprechen fließend Ungarisch. Wie sehr sind Sie dem Land verbunden?
Mandoki: Ungarisch ist meine Muttersprache. Mein Vater ist 1976 von dort geflohen, meine Großeltern mütterlicherseits schon 1956 nach der Revolution. Ich fühle mich zu 80 Prozent als Ungarin und vielleicht zu 20 Prozent als Bayerin. Deutsch habe ich mich nie gefühlt, aber zu 100 Prozent als Europäerin.
Unter Viktor Orbán hat sich Ungarn in eine stark nationalistische Richtung entwickelt. Wie nehmen Sie das Geschehen wahr?
Mandoki: Ich verfolge die politische Entwicklung und bin auch viel in Budapest. Ich denke, dass die einzige Antwort auf die Zukunft für Europa mehr Europa sein kann. Denn gemeinsam sind wir viel stärker als allein. Da wünsche ich mir, dass Ungarn in der EU solidarischer agiert. Mitte April gibt es Neuwahlen und ich denke, das wird einen spannenden Ausgang haben.
Ihr Vater ist Musiker und Musikproduzent, Sie hatten im Studium Gesangsunterricht. Viele Schauspieler treten auch mit Musikprogrammen auf - Sie bald auch?
Mandoki: Nein, ich kann nicht singen. Deswegen bin ich Schauspielerin geworden. Von mir wird es auf gar keinen Fall ein Konzertprogramm geben. (lacht)
"Erzgebirgskrimi" war Mandokis wichtigstes Projekt
Sie haben in zahlreichen Film- und Theaterproduktionen mitgewirkt. Der Erzgebirgskrimi am Samstagabend hat eine enorme Reichweite. Dadurch haben Sie noch einmal stark an Präsenz gewonnen.
Mandoki: Absolut. Der Erzgebirgskrimi war bisher mein wichtigstes Projekt, auch weil er mich so lange begleitet hat. Ich habe das Gefühl, dass ich erwachsen werden durfte in diesem Projekt, mit dieser Figur. Deswegen ist auch mein Gehen jetzt konsequent.
Wie der Auszug bei den Eltern?
Mandoki: So fühlt sich es an, ja.
Lara Mandoki ist von Anfang an beim ZDF-Erzgebirgskrimi dabei gewesen. Sie hat in München und Los Angeles Schauspiel studiert. Die 36-Jährige stand für zahlreiche Film- und Fernsehprojekte vor der Kamera: im Mehrteiler "Die Holzbaronin", in der Komödie "Gut zu Vögeln" ebenso wie in der Serie "Das Boot". Sie lebt in München.