Alles total unrealistisch? Arzt schätzt medizinische Verfahren bei "In aller Freundschaft" ein
Leipzig - Seit mehr als 25 Jahren flackert die Kult-Arzt-Soap "In aller Freundschaft" schon über die Fernsehbildschirme in Deutschland. Die TV-Ärzte retten Leben und führen teilweise riskante Operationen. Erst kürzlich wurde beispielsweise das Herz der hirntoten Dr. Maria Weber (gespielt von Annett Renneberg, 48) transplantiert. Der Empfänger, Jakob Heilmann (Karsten Kühn, 37), ist kein Unbekannter in der Sachsenklinik.
Doch wie realistisch war diese Transplantation überhaupt?
Die Rheinische Post hat bei einem echten Herzchirurgen nachgefragt und ihn gebeten, sich die Serie einmal genauer anzuschauen.
"Einiges ist korrekt recherchiert, vieles aber auch falsch und total unrealistisch", erklärte Professor Udo Boeken, Oberarzt und Bereichsleiter "Herztransplantation/Herzinsuffizienz" der Klinik für Herzchirurgie am Universitätsklinikum Düsseldorf.
Dass Jakob Heilmann durch die Infektion in der linken Herzkammer bereits nach wenigen Stunden sterben würde, hält der Herzchirurg für unrealistisch. "In der Regel führt sie nicht zum Tod in wenigen Stunden oder auch Tagen. Das lässt sich mit Antibiotika und auch Blutverdünnung meist gut unter Kontrolle halten", so sein Fazit.
In der Realität könne man auch nicht einfach per Telefon anfordern, dass ein Patient mit höherer Priorität auf die Warteliste kommen soll, wie es in der Serie der Fall war.
Für diesen Prozess müsste man laut dem Arzt viele Parameter in eine Datenbank eingeben und es gäbe mehrstündige Begutachtungen.
Das Herz von Dr. Maria Weber wäre in der Realität wohl zu klein
Professor Udo Boeken ist sich zudem sicher, dass man in der Realität nicht das Herz von Dr. Maria Weber in die Brust von Jakob Heilmann transplantieren würde.
"Normalerweise würde man für einen großen kräftigen männlichen Empfänger niemals ein Spenderherz einer zierlichen weiblichen Spenderin nehmen. Dabei handelt es sich um ein sogenanntes Größen-Mismatch, das geht meist schief", erklärte der Herzchirurg.
Außerdem kritisierte er, dass viele Abläufe zu schnell dargestellt würden. Bei einer echten Transplantation würden die Ärzte sich gründlich vorbereiten und die Situation vorher genau studieren. Das lässt sich in einer 45-minütigen Folge so allerdings nicht darstellen.
Die Autoren von Arzt-Serien wie "In aller Freundschaft" werden meistens von echten Medizinern beraten. Am Ende sind sie aber ein fiktives Produkt und so werden einige Dinge teilweise so erzählt, dass sie in die Geschichte passen.
"In aller Freundschaft" seht ihr jeden Dienstag um 21 Uhr in der ARD oder zum Streamen in der ARD Mediathek.
Titelfoto: MDR/Sebastian Kiss

