Leipzig - Überall auf der Welt häufen sich Waldbrände. In Deutschland war 2025 das verheerendste Waldbrand-Jahr der letzten 50 Jahre. Doch was passiert nach den Feuern im Wald? Und wie groß ist die Gefahr von Waldbränden wirklich? Eine neue MDR-Doku gibt Einblicke.
Im mediterranen Raum, so erklärt Prof. Ioannis Gitas von der Aristoteles-Universität in Thessaloniki in der Doku, seien Brände sogar wichtig und gehören zum natürlichen Prozess der Waldentwicklung. Einige Pinienarten brauchen demnach das Feuer sogar. "Wenn sie 80 oder 100 Jahre kein Feuer sehen, wird ihr Ökosystem zu alt, um sich zu regenerieren", erklärt der Wissenschaftler.
Pinienwälder brauchen gleichzeitig jedoch sehr lang für ihre Regeneration, weshalb die Wissenschaftler besorgt sind über die kurzen Abstände der Brände. "Wenn wir immer wieder alle fünf bis zehn Jahre Brände haben, dann gibt es nicht genug Piniensamen. Dann kann der Wald sich nicht mehr selbst reproduzieren."
Für "Aus der Asche - Was kommt nach dem Waldbrand?" reiste Filmemacher Uwe Müller an verschiedenste Orte der Welt, die in den vergangenen Jahren von Feuern betroffen waren, sprach dort mit Forschern und warf einen Blick auf das, was aus den Wäldern wurde.
Intakte Wälder seien dabei enorm wichtig, heißt es in der Doku. Sie entziehen ihrer Umwelt Kohlendioxid, speichern den Kohlenstoff und geben Sauerstoff ab.
Brände beeinflussen den Klimawandel: "Eins führt zum anderen"
Doch wenn der Wald in Flammen aufgeht, werde der Klimaretter zum Klimakiller. 2025 wurden durch brennende Wälder in Europa 38 Millionen Tonnen CO2 freigesetzt.
Mithilfe von Satellitenbildern sollen Prof. Gitas und seine Kollegen inzwischen einen Kreislauf erkannt haben.
"Wir haben längere Sommer mit sehr hohen Temperaturen, viel Trockenheit und keinen Regen, was zu mehr Bränden und größeren Brandflächen führt. Das Ergebnis sind höhere CO2-Emissionen, insgesamt höhere Emissionen in der Atmosphäre", erklärt er. "Brände sind also Teil des Klimawandels. Er wird durch Brände beeinflusst. Eins führt zum anderen."
Die Feuer hätten dabei selten einen natürlichen Ursprung. Erst bei etwa 300 Grad entzünde sich Holz. Unter anderem bei den Bränden im Großraum Los Angeles werde noch immer untersucht, ob diese von Menschen verursacht wurden.
Das erste richtige Grün erscheint bereits eine Woche nach dem Brand
Ein Waldbrand zerstört in Tagen, manchmal nur Stunden, was Jahrhunderte zum Wachsen brauchte. Und doch endet selbst so eine Katastrophe nie im Nichts.
Wie lang die Regeneration brauche, hänge davon ab, wie tief das Feuer in den Boden reicht. Ameisen und andere Tiere sowie die Wurzeln von Flammen überleben in der Tiefe. Der in Deutschland heimische schwarze Kiefernprachtkäfer benötige zudem die verkohlten, sterilen Flächen nach einem Waldbrand für seine Fortpflanzung. "Er haucht als einer der ersten der toten Welt wieder Leben ein", heißt es während der Doku. "Im frisch verkohlten, noch warmen Holz legt er seine Eier ab, wo sich die Larven unter der Rinde ungestört von Fressfeinden entwickeln können."
Pilze wie der Pyronema beginnen, die verkohlte Materie zu recyceln und für andere Organismen zu erschließen. Gleichzeitig würden sie die Bodenstruktur wieder verfestigen. Sporen des rotrandigen Baumschwamms dienen neben der Fortpflanzung auch zurückgekehrten Insekten als Nahrungsquelle im noch nährstoffarmen Brandgebiet und treiben so das Rad der Renaturierung weiter an. Ein kleines Eckchen unverbranntes Moos beginnt mit geringster Feuchtigkeit sofort wieder zu sprießen.
Das erste richtige Grün erscheine bereits eine Woche nach dem Brand. Der Adlerfarn sei so tief im Boden verankert, dass seine Wurzeln das Feuer überleben. Manchmal profitiere er auch vom Löschwasser. Nur drei Wochen nach dem Brand bedecken bereits Farmfelder den schwarzen Boden, schützen ihn vor Austrocknung und speichern Feuchtigkeit.
"Aus der Asche - Was kommt nach dem Waldbrand?" läuft am morgigen Montag um 22.25 Uhr im Ersten, am 23. August um 20.15 Uhr im MDR und ist ab sofort als Video-on-Demand in der ARD-Mediathek verfügbar.