Großrazzia bei eingeschleusten Vietnamesen: "Verstehen nicht, dass wir ihnen helfen wollen"

Leipzig/Berlin - Bis zu 20.000 Euro zahlen zum Beispiel Vietnamesen, um sich illegal nach Deutschland einschleusen zu lassen und hier ein vermutlich besseres Leben zu haben. Doch Menschenhandel, Prostitution und systematische Ausbeutung zu Hungerlöhnen ist oftmals die Realität, wogegen die Polizei immer wieder vorgeht.

Regelmäßig führt die Polizei Razzien durch. (Archivbild)
Regelmäßig führt die Polizei Razzien durch. (Archivbild)  © Paul Zinken/dpa

Um die unerlaubte Einwanderung zu unterbinden und bestenfalls an die Hinterleute zu gelangen, führen Bundespolizei und Zoll regelmäßig großangelegte Razzien durch.

Bei einer dieser am 21. Februar in Berlin war auch das Kamerateam der MDR-Sendung "Kripo live - Tätern auf der Spur" dabei. An jenem Dienstag sind mehr als 20 Zollermittler der Finanzkontrolle Schwarzarbeit im Einsatz, um sich zu einem vietnamesischen Restaurant nahe dem Kurfürstendamm aufzumachen.

Dessen Geschäftsführer soll Landsleute illegal nach Berlin einschleusen und sie mit 3 Euro pro Stunde abspeisen. Sollten es die Einwanderer nicht schaffen, die Schulden aus der Schleusung zu begleichen, sollen sie sogar beauftragt worden sein, Gleichgesinnte zu töten.

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Die Einsatzkräfte machen sich auf den Weg, nutzen das Überraschungsmoment und betreten zielstrebig das Lokal. Sie fordern die Küchenmitarbeiter auf, ihre Messer abzulegen und ihre Ausweise zu zeigen.

Da hier kaum jemand der Angestellten Deutsch spricht, ist es aufwändig, an die benötigten Infos zu kommen.

In vielen Fällen werden Personen - wie hier im August 2020 in Leipzig - vorläufig festgenommen und teilweise auch in ihr Heimatland abgeschoben. (Archivbild)
In vielen Fällen werden Personen - wie hier im August 2020 in Leipzig - vorläufig festgenommen und teilweise auch in ihr Heimatland abgeschoben. (Archivbild)  © Alexander Bischoff

Kripo live - Tätern auf der Spur: Täter beschäftigte mehr als ein Dutzend Prostituierte

Entscheidend für die Ermittler ist es, die Gebäude ausfindig zu machen, in denen die Vietnamesen untergebracht sind - sogenannte "Safe Houses". (Archivbild)
Entscheidend für die Ermittler ist es, die Gebäude ausfindig zu machen, in denen die Vietnamesen untergebracht sind - sogenannte "Safe Houses". (Archivbild)  © Citynewstv/dpa

Michael Unglaube vom Hauptzollamt Berlin erklärt in der TV-Sendung, wieso die Personen separiert werden: "Wir versuchen, jeden einzeln zu befragen. Er soll uns seine Sicht der Arbeitsverhältnisse geben und es sollen keine Zurufe untereinander möglich sein."

Kollege Ronny Tillmann gibt derweil an, dass die Identitäten von zwei bis drei Personen unklar sind. "Es ist zu vermuten, dass sie sich unerlaubt in Deutschland aufhalten."

Problem: "Die Menschen verstehen nicht, dass wir ihnen ja eigentlich helfen wollen, gerade im Bereich der Ausbeutung. Sie reden ganz selten mit uns." Für die vorläufig Festgenommenen geht es anschließend zur Wache am Bahnhof Zoo.

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Eine andere Täterin beutet eingeschleuste Vietnamesinnen mittels Prostitution aus. In den Hinterräumen eines Bistros an der Landsberger Allee und an weiteren Standorten in der Hauptstadt arbeiteten mindestens 13 Frauen ihre Schulden durch Sexarbeit ab.

Vorher mussten sie und mögliche Ehemänner pietätlose Knebelverträge unterschreiben. Alles, um in Deutschland das versprochen bessere Leben führen zu können.

Auch zur Prostitution werden illegal ins Land gebrachte Vietnamesinnen gezwungen. (Symbolbild)
Auch zur Prostitution werden illegal ins Land gebrachte Vietnamesinnen gezwungen. (Symbolbild)  © 123RF/dmitrimaruta

Die gesamte Doku von "Kripo live - Tätern auf der Spur" gibt's jederzeit in der ARD-Mediathek.

Titelfoto: Bildmontage: Paul Zinken/dpa, Alexander Bischoff

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