"Man fühlt sich verloren": Wenn Kinder ihre Angehörigen pflegen

Leipzig - Rund eine halbe Million Minderjährige pflegen in ganz Deutschland ihre Angehörigen. Von ihren Schicksalen wissen häufig die wenigsten. Die MDR-Sendung "exactly" berichtet von der Verantwortung und den Folgen, die Kinder und Jugendliche auf sich nehmen.

Während der Schulzeit kümmerte sich Nico aus Erfurt um seine an Krebs erkrankte Mutter.
Während der Schulzeit kümmerte sich Nico aus Erfurt um seine an Krebs erkrankte Mutter.  © MDR/David Bochmann

"Man fühlt sich überfordert und man fühlt sich einfach nur verloren", erzählte Nico gegenüber der MDR-Sendung "exactly".

Der Student aus Erfurt übernahm schon früh Aufgaben wie einkaufen gehen oder Medikamente bereitstellen für seinen kranken Opa.

Während der Corona-Pandemie erhielt seine Mutter die Diagnose Krebs im Endstadium.

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Aufgrund des Online-Unterrichts war es für den damals 18-Jährigen einfacher, sich um seine Mutter zu kümmern, als für seinen berufstätigen Bruder und Vater.

"Also der Laptop war an, aber ich halt nicht da", erinnert er sich.

"Für meinen Bruder und meinen Papa wär's halt bisschen schwieriger gewesen. Die mussten ja arbeiten und ich konnte einfach sagen 'Abitur machen wir bisschen Freestyle. Krieg ich hin.'"

Young Carer: Wenn Kinder Angehörige pflegen

Auch die 13-jährige Ronja griff ihrer Familie unter die Arme.
Auch die 13-jährige Ronja griff ihrer Familie unter die Arme.  © MDR/Maximilian Elske, honorarfrei

Auch die 13-jährige Ronja aus Staßfurt und die Berlinerin Rojin Zine Tekin mussten als Jugendliche ihre Familie unterstützen und erzählen in der Sendung von ihren Erfahrungen.

Arbeiten im Haushalt zu übernehmen oder sich um ihre Angehörigen zu kümmern, war für die beiden selbstverständlich.

Young Carers nennt man Kinder und Jugendliche, die pflegen.

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Wie sie mit der Verantwortung umgehen, wer für sie da ist und was diejenigen, die sie in ihrer Jugend gepflegt haben, heute machen, beantwortet die Sendung "Wenn Kinder und Jugendliche pflegen".

Aber auch der Sicht der Fachkräfte geht "exactly" auf den Grund. Denn aus Angst vor den Konsequenzen wollen die Betroffen häufig nicht mit Ämtern über ihre Situation sprechen.

Die komplette Folge steht ab sofort in der ARD-Mediathek als Stream zur Verfügung und läuft am Mittwoch, dem 28. Februar, um 20.45 Uhr im MDR-Fernsehen.

Titelfoto: © MDR/David Bochmann

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