Sensible Infos öffentlich zugänglich: So leicht haben es potenzielle Angreifer der Stromversorgung

Leipzig/Pößneck - Nach einem mutmaßlichen linksextremistischen Anschlag auf eine Kabelbrücke in Berlin waren knapp 45.000 Haushalte im Südwesten der Hauptstadt tagelang bei bitterer Kälte von der Stromversorgung abgeschnitten. Seitdem wird in der Bundesrepublik ein weiteres Mal darüber diskutiert, wie kritische Infrastruktur besser geschützt werden kann. Die MDR-Umschau hat sich des Themas angenommen und dabei anhand der Leipziger Stadtwerke gezeigt, wie erschreckend leicht es für potenzielle Täter sein kann, an sensible Informationen zu gelangen.

Eine Brandstiftung im Umspannwerk von Pößneck hatte im Mai 2024 für einen regionalen Stromausfall gesorgt. Im Bild ein Umspannwerk in der Nähe Leipzigs. (Archivfoto)  © Jan Woitas/dpa

Der Elektroingenieur Wolfgang Kleindienst war im Jahr 1976 selbst am Bau des Umspannwerkes in seiner Heimatstadt Pößneck (Saale-Orla-Kreis) beteiligt. Später hatte er jahrzehntelang in der Thüringer Netzlastzentrale gearbeitet.

Auch das Umspannwerk in Pößneck war im Mai 2024 von Unbekannten angegriffen worden. Die Täter hatten einen Verteilerschrank in Brand gesetzt und damit die Stromversorgung der ganzen Region lahmgelegt.

Zwar war die Anlage bereits mit einem Zaun und einer Videoüberwachung gesichert, die Angreifer schreckte dies jedoch nicht ab. "Die brauchen sich nur eine Maske über den Kopf ziehen und über den Zaun klettern, da nutzt mir die Kamera gar nichts", sagt Kleindienst im Gespräch mit dem MDR-Magazin.

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Angesichts der Geschehnisse in Berlin sei er hingegen zunächst überrascht gewesen, dass es flächendeckend zu so einem Stromausfall gekommen ist. Erst später hatte er durch Kollegen erfahren, wie veraltet die Infrastruktur in der Hauptstadt mancherorts ist. Schnell sei dem Rentner jedoch klar gewesen, dass die Täter des Anschlags auf die Kabelbrücke besondere Kenntnisse gehabt haben müssen. Durch frei zugängliche Netzpläne würden die Versorger jedoch zum Teil unfreiwillig bei der Planung solcher Anschläge behilflich sein. Wie leicht man an die sensiblen Informationen kommt, zeigt der Fachmann beispielhaft anhand der Leipziger Stadtwerke.

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Leipziger Leitungspläne durch ein paar Klicks heruntergeladen

Im Südwesten der Hauptstadt hatten Zehntausende Haushalte nach einem Anschlag auf eine zentrale Kabelbrücke mehrere Tage keinen Strom. (Archivfoto)  © Christophe Gateau/dpa

Nach einer problemlosen Registrierung auf der Internetseite der Stadtwerke kann Kleindienst innerhalb weniger Minuten detaillierte Leitungspläne der Messestadt herunterladen.

"Anhand des Querschnittes kann man herausfinden, welche Leistung da übertragen werden kann und welche Anlagen und Stadtteile versorgt werden", erklärt der Elektroingenieur. "Ich bin erschrocken."

Die Pläne für Wasser-, Fernwärme- und Telekommunikationsanschlüsse wurden gleichsam mitgeliefert. Das Portal der Stadtwerke richtet sich dabei eigentlich an Baufirmen, damit diese bei Erdarbeiten wissen, wo Leitungen verlaufen. Unabsichtliche Beschädigungen sollen so vermieden werden.

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Früher habe es die Pläne nur auf Antrag und nach einer genauen Prüfung gegeben, durch die Digitalisierung seien sie nun jedoch für jedermann zugänglich, berichtet das MDR-Magazin. "Ich kann das nicht befürworten", sagt Kleindienst. "Das muss jetzt auf den Tisch, das muss überprüft werden. Die Pläne dürfen nicht öffentlich sein."

Leipziger Stadtwerke weisen Kritik zurück

"Für eine solche Leistungsauskunft ist eine Registrierung notwendig, außerdem überprüfen wir das berechtigte Interesse und überwachen die Nutzung", teilen die Leipziger Stadtwerke auf MDR-Anfrage mit. Bei der Anfrage von Kleindienst habe eine solche Prüfung laut dem Magazin jedoch nicht stattgefunden, beziehungsweise sei sie vergessen worden.

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