Romy liebt das Plattenbau-Wohnen: "Das ist hier nicht das Assi-Viertel!"

Bitterfeld-Wolfen - In der zweiten Folge der MDR-Doku-Reihe "Wir aus der Platte - Wolfen-Nord im Wandel" begleiten wir weiterhin die Pahlkes, die 2018 in die Siedlung gezogen sind und sich hier total wohlfühlen. Und auch die Inhaberin der "Eisperle" erzählt interessante Geschichten.

Romy Pahlke und ihr Mann Stephan fühlen sich mit den drei Kindern pudelwohl in der Plattenbausiedlung in Wolfen-Nord.
Romy Pahlke und ihr Mann Stephan fühlen sich mit den drei Kindern pudelwohl in der Plattenbausiedlung in Wolfen-Nord.  © MDR/Mia Media/Leo Hingst

Zu DDR-Zeiten entstand im heutigen Bitterfelder Ortsteil Wolfen-Nord eine riesige Plattenbausiedlung, vor allem für Chemie-Arbeiter. 35.000 Menschen fanden hier einen Job und eine neue Heimat.

Nach der Wende war von dem einstigen Boom nichts mehr übrig, Firmen zogen ab und die Einwohner weg. Nur noch knapp über 6000 leben heute noch hier in den noch vorhandenen Blöcken, die weiterhin verschwinden.

Regelmäßig wird in öffentlichen Beiratssitzungen der Rückbau und die Umgestaltung des Stadtteils erklärt. Diesmal vom Geschäftsführer der Stadtentwicklungsgesellschaft, Heiko Kaden.

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Zu den teilweise leer stehenden Blöcken sagt er: "Wenn das Umfeld schlecht aussieht, ziehen die Leute weg. Wenn ein Wohnblock zur Hälfte oder zu einem Drittel leer steht, ist er nicht mehr wirtschaftlich von den Wohnungsunternehmen zu betreiben."

Die Unternehmen hätten aber nicht das Ziel, "die Einwohner, die noch in ihren Blöcken wohnen, nach Leipzig zu verjagen, sondern sie bringen sie in anderen Beständen bei sich selbst unter, um dort den Leerstand zu mindern."

Auch Familie Pahlke zählt zu Wolfen-Nords Einwohnern. "Es ist wichtig zu erkennen, dass das hier nicht das Assi-Viertel ist", sagt Mama Romy. "Die Menschen, die hier wohnen, sind sehr offen, und ich kenne ganz viele, die sozial aktiv sind, ganz tolle Ideen haben und viel zusammen machen."

Noch immer werden leerstehende Blöcke in Wolfen-Nord abgerissen.
Noch immer werden leerstehende Blöcke in Wolfen-Nord abgerissen.  © Screenshot/ARD-Mediathek

Beatrix & Alfons Kracht betreiben die beliebte "Eisperle"

Wo früher zahlreiche Plattenbauten standen, ist heute ein Naherholungsgebiet entstanden. Unten im Bild lädt die "Eisperle" zum Essen und Trinken ein.
Wo früher zahlreiche Plattenbauten standen, ist heute ein Naherholungsgebiet entstanden. Unten im Bild lädt die "Eisperle" zum Essen und Trinken ein.  © Screenshot/ARD-Mediathek

1981 lernten sich Beatrix und Alfons Kracht kennen. Schon zu DDR-Zeiten betrieben sie im Stadtteil die "Eisperle", versorgten die Bewohner mit Eis. Mittlerweile gibt es hier auch Würstchen, Getränke und Softeis.

Da die alte "Eisperle" nicht mehr ansehnlich und schon gar nicht zeitgemäß war, wollten die Krachts ein schöneres Geschäft haben. "Dann haben wir bei der Stadt angefragt, ob es die Möglichkeit gibt, dass wir ein Grundstück erwerben und wir ein kleines Café bauen können", erzählt Beatrix.

1996 war es so weit, der schmucke Laden eröffnete. Natürlich weiterhin unter dem Namen "Eisperle". Doch nach der Jahrtausendwende und mit Einführung des Euro ging es langsam bergab. Immer weniger Menschen lebten in Wolfen-Nord, immer mehr von ihnen bezogen Hartz IV.

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"Die haben den Leuten immer ein Stückchen mehr Geld weggenommen und zusätzlich die Blöcke abgerissen. Es sind immer mehr Leute weggegangen. Das haben wir und alle anderen Selbstständigen hart gemerkt", berichtet Beatrix Kracht.

Auch heute werden noch Blöcke zurückgebaut oder ganz abgerissen. Immerhin hat die Natur dadurch aber mehr Platz und auch Freizeitmöglichkeiten im Grünen ergeben sich. "In Wolfen-Nord wohnen die glücklichsten Kinder", weiß die "Eisperle"-Chefin. "Die haben den schönsten und längsten Spielplatz Deutschlands und die Eisperle vor der Nase. Besser kann man es nicht haben."

Diese und weitere Geschichten seht Ihr in der vierteiligen Doku "Wir aus der Platte - Wolfen-Nord im Wandel" immer donnerstags ab 19.50 Uhr im MDR-Fernsehen und schon jetzt komplett in der Mediathek.

Titelfoto: MDR/Mia Media/Leo Hingst

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