Ingrid Seele fährt mit 88 Jahren immer noch Taxi: "Ich bin ein ganz schrecklicher Beifahrer"

Hamburg - Am Freitag war Ingrid Seele zu Gast in der NDR Talk Show und erzählte im Gespräch mit Barbara Schöneberger (51) aus einem bewegten Leben hinterm Steuer. Mit 88 Jahren gilt sie als älteste aktive Taxifahrerin Hamburgs und als eine der ältesten in Deutschland. Selbstständig ist sie schon seit September 1968.

Ingrid Seele (88) war am Freitag zu Gast in der NDR Talk Show.  © IMAGO / APress

Ihren Führerschein machte sie 1959, nur ein Jahr nachdem in Westdeutschland das Gleichberechtigungsgesetz in Kraft getreten war.

Seit dem 1. Juli 1958 durften Frauen den Führerschein eigenständig erwerben, ohne die Erlaubnis von Ehemann oder Vater. Ingrid Seele war eine derjenigen, die diese neue Freiheit ganz selbstverständlich nutzten.

Acht Fahrstunden inklusive Prüfung reichten ihr. Ihr Fahrlehrer habe schon nach der dritten Stunde gefragt: "Wo sehen wir uns wieder – als Kollegen oder auf der Taxe?" Damals habe sie empört abgewinkt: "Doch nicht auf der Taxe!" Dass es dann doch so kam, kommentiert sie am Freitag trocken: "Manchmal kommt es anders, als man denkt."

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Nach der Trennung von ihrem ersten Mann, mit dem sie auf einem Rheintanker unterwegs gewesen war, ging sie als ihr Sohn eingeschult wurde an Land und baute sich in Hamburg eine eigene Existenz auf.

Heute umfasst ihr kleiner Betrieb sieben Fahrzeuge. Viele Fahrerinnen und Fahrer gehören selbst seit Jahrzehnten zum Team. Gefahren werden überwiegend Krankentransporte, dabei sei für viele Stammgäste die Verlässlichkeit entscheidend. Freundlichkeit versteht Seele in ihrem Beruf als Pflicht: "Wenn jemand einsteigt, wird erst einmal Guten Tag gesagt. Und dann wird geredet, wenn er möchte."

Privat sitzt sie ebenfalls lieber selbst am Steuer. "Ich bin ein ganz schrecklicher Beifahrer", gesteht die 88-Jährige. Ihr passe oft nicht die Art, wie andere Leute Auto fahren oder wie es sie es ausdrückte: "Wenn der andere nicht so fährt wie ich."

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Älteste Taxifahrerin über die Staus in Hamburg: "Eine Grande Katastrophe"

Trotz der vielen Baustellen wie aktuell am Elbtunnel ist Hamburg für Taxifahrerin Ingrid Seele die schönste Stadt.  © Georg Wendt/dpa

Hamburg kennt Ingrid Seele wie kaum eine andere. Wenn wie im diesjährigen Winter die Straßen in Bergedorf oder in den Vier- und Marschlanden vereist sind, kämpft sie sich notfalls bis zur letzten erreichbaren Kreuzung vor. "Für unsere Kranken ist das besonders schwierig", sagt sie.

Gleichzeitig ärgert sie sich über Dauerbaustellen und Staus in der Hansestadt. "Eine Grande Katastrophe", so ihr Urteil.

Nichtsdestotrotz liebe sie ihren Beruf und verschwende an den Ruhestand keinen Gedanken. "Solange ich fit bin, fahre ich", betont Seele.

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Dafür sorgt sie konsequent vor: Alle fünf Jahre wird ihr Personenbeförderungsschein verlängert, inklusive umfassender medizinischer Untersuchungen und Reaktionstest. Zusätzlich lässt sie jedes Jahr ein großes Blutbild machen: "Man muss doch wissen, ob alles in Ordnung ist."

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