Stephanie (†10) tot unter Brücke gefunden: "Standen dem Mann gegenüber, den wir 27 Jahre gesucht haben"

Weimar - Im Jahr 1991 ist die damals erst zehn Jahre alte Stephanie Drews aus Weimar unter einer Brücke gefunden worden - das Mädchen war tot. Der rätselhafte Fall um den Mord an dem Kind sollte 27 Jahre lang ungelöst bleiben...

Stephanie Drews (†10) wurde tot unter der Teufelstalbrücke gefunden.
Stephanie Drews (†10) wurde tot unter der Teufelstalbrücke gefunden.  © Jan-Peter Kasper/dpa-Zentralbild/dpa

"Mord verjährt nicht", stellt Ermittler Dirk Stiebitz in der aktuellen Folge der MDR-Sendung "Kripo live - Tätern auf der Spur" klar. Der Kriminalhauptkommissar war von Anfang an in die Arbeit an dem Fall involviert. "Das ging einem als Polizist auch schon recht nah."

In den Sommerferien, am 24. August 1991, machte sich Stephanie mit ihren Geschwistern und einer Freundin auf den Weg in den Ilmpark. Was zu diesem Zeitpunkt keines der Kinder ahnen konnte: Die Zehnjährige sollte nie wieder nach Hause zurückkehren.

An einer Grotte wurde die spielende Gruppe von einem Mann angesprochen. Schließlich bot der Unbekannte den Mädchen Geld an, um ihn zum Schloss Belvedere zu bringen. Stephanie ging mit, ihre Freundin blieb bei ihren Geschwistern.

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"Er hat auch versprochen, Stephanie gegen 16 Uhr wieder zurückzubringen", weiß Stiebitz. "Stephanie kam aus einer relativ sozial schwachen Familie, 50 Mark waren für das Mädchen viel Geld und deshalb, auch weil der Mann vertrauenswürdig wirkte auf sie, schlug sie wohl die Warnung, dass sie nicht mit Fremden mitgehen soll, in den Wind."

Als die Zehnjährige nicht wiederkam, gab die Freundin Stephanies Eltern Bescheid, die sich erst selbst auf die Suche nach ihrer Tochter machten und später die Polizei alarmierten. Doch das Mädchen blieb verschwunden.

Zwei Tage später dann die schreckliche Gewissheit: Spielende Kinder entdecken Stephanies Leiche am Nachmittag des 26. August 1991 unter der Teufelstalbrücke an der A4 nahe Jena.

"Es ist also auf jeden Fall der Schlüpfer einmal ausgezogen worden"

Der Tod des kleinen Mädchens beschäftigte die Polizei viele Jahre lang.
Der Tod des kleinen Mädchens beschäftigte die Polizei viele Jahre lang.  © Bodo Schackow/dpa-Zentralbild/dpa

"Die Obduktion ergab schwere Verletzungen, die mit einem Sturz aus großer Höhe zu vereinbaren waren. Die Verletzungen waren alle unterblutet, das heißt zu Lebzeiten entstanden und von ihrer Schwere her auch todesursächlich gewesen", so Gerichtsmediziner Sascha Rommeiß. Das Kind war also offenbar von der 54 Meter hohen Brücke in die Tiefe gefallen.

Neben Beruhigungsmitteln im Körper des Mädchens bemerkten die Ärzte noch ein weiteres Detail: "Was auffällig war, dass der Slip linksherum getragen worden ist. Und es wurde dann auch später festgestellt, dass Faser-Spuren auf der Haut, also im Bereich des Gesäßes unter dem Schlüpfer gewesen sind, die also von irgendeiner Decke stammen sollten." Fest stand: "Es ist also auf jeden Fall der Schlüpfer einmal ausgezogen worden."

Doch die intensiven Ermittlungen liefen ins Leere, das Verfahren wurde eingestellt - bis im Jahr 2016 die SOKO "Altfälle" ins Leben gerufen wurde.

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Gemeinsam mit dem LKA Nordrhein-Westfalen wurde die Hypothese aufgestellt, der Täter habe das Mädchen missbrauchen und wieder zurückbringen wollen - aber etwas sei schiefgelaufen.

"Eine Ursache dafür war aus unserer Sicht die Überdosierung von Medikamenten des Opfers. Also der Täter hat ja dem Opfer Schlaf- und Beruhigungsmittel verabreicht und hier in einer Dosis, die für ein Kind einfach nicht zu vertragen ist. Es dürfte Stress und Hektik bei ihm aufgekommen sein und unter Umständen auch Panik", sagt Kriminalhauptkommissar Stefan Franke.

Hielt der Mann das Mädchen für tot? Wollte er das Kind verschwinden lassen und warf es von der Brücke? Eine heiße Spur zum Täter blieb weiter aus.

"Sonst hätte er den Gerichtssaal als freier Mann verlassen"

Hans-Joachim G. wurde vor Gericht gestellt.
Hans-Joachim G. wurde vor Gericht gestellt.  © Kathleen Sturm/dpa-Zentralbild/dpa

Den entscheidenden Wendepunkt brachte schließlich eine Entdeckung zu einem Verdächtigen aus einem anderen Fall - der Sexualstraftäter hatte eine ganz spezielle Masche, die auch zum Vorgehen bei dem Mädchen aus Weimar passte.

"Er hat Kindern Medikamente verabreicht und er hat auch eine Belohnung in Aussicht gestellt und betrachtet man dies zu der Fallcharakteristik von Stephanie, dann landete er bei uns im Fokus der Ermittlungen", so Kriminalhauptkommissarin Carolin Böhme.

Der Mann im Fadenkreuz der Polizei: der ebenfalls aus Weimar stammende und in Berlin lebende Lkw-Fahrer Hans-Joachim G. Die Indizien stimmten, endlich war die langersehnte heiße Spur da. Am 3. März 2018 wurde seine Wohnung gestürmt.

Stiebitz erinnert sich: "Der Tag der Festnahme war für uns alle in der SOKO etwas ganz Besonderes, wir standen nun dem Mann gegenüber, den wir 27 Jahre lang gesucht haben. Er selbst wirkte von der Situation überrascht, sagte dann aber auch, dass er gewusst hat, dass dieser Tag für ihn eines Tages kommen wird."

In der Vernehmung kam es zu einem schockierenden Geständnis, Hans-Joachim G. wurde verhaftet.

Allerdings gab es ein Problem, wie Böhme schildert: "Er war noch nicht verurteilt und das muss man hier wirklich betonen, denn der sexuelle Missbrauch an Kindern oder auch Totschlag oder auch Kindesentführung wären in diesem Fall schon verjährt gewesen. Und es galt natürlich trotz Geständnis, ihm nachzuweisen, dass er Stephanie ermordet hat, denn sonst hätte er den Gerichtssaal als freier Mann verlassen."

Was genau Hans-Joachim G. gestanden hat und ob er letztendlich verurteilt werden konnte, erfahrt Ihr am heutigen Mittwochabend ab 21.15 Uhr bei "Kripo live - Tätern auf der Spur" im MDR oder schon jetzt in der Mediathek.

Titelfoto: Montage: Jan-Peter Kasper/dpa-Zentralbild/dpa; Kathleen Sturm/dpa-Zentralbild/dpa; Bodo Schackow/dpa-Zentralbild/dpa

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