"Suche Frau mit Down-Syndrom für Sex": So massiv werden Menschen mit Behinderung objektifiziert

Bremen - "Suche Frau mit Down-Syndrom für Sex" – unter diesem Titel geht eine neue "Y-Kollektiv"-Reportage systematischen Grenzüberschreitungen gegenüber Menschen mit Behinderung auf den Grund.

In einer neuen "Y-Kollektiv"-Reportage geht es um massive Grenzüberschreitungen gegenüber Menschen mit Behinderung.  © Radio Bremen

Virale TikTok-Videos, in denen Frauen mit vermeintlichem Down-Syndrom lasziv posieren, in Wahrheit aber nur einen KI-Filter verwenden, sind der Ausgangspunkt für Reporterin Carolin von der Groeben. Denn: Die Fake-Videos sorgen für echte Reaktionen. Männer kommentieren, begehren, fetischisieren.

Unter dem Namen "Lucy" meldet sich die Reporterin daraufhin auf einer speziellen Datingseite für Menschen mit Behinderung an. Sie gibt vor, eine Lernschwierigkeit zu haben. Die Reaktionen lassen nicht lange auf sich warten und "Lucy" bekommt zahlreiche Nachrichten.

Die Absender sind zu einem großen Teil Männer ohne Einschränkung, die schnell Grenzen überschreiten, übergriffig werden und ungefragt explizite Inhalte einbringen. Sie schicken intime Bilder oder fordern diese ein und äußern verstörende Fantasien. "Darf ich dich auch mal während der Menstruation ficken?", fragt einer.

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Schnell wird deutlich, dass einzelne Männer gezielt Frauen mit (möglichst stark ausgeprägter) Behinderung suchen, um ihren Fetisch zu bedienen. Dabei geht es vor allem auch um die Lust am Machtgefälle, wie von der Groeben feststellt.

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"Y-Kollektiv"-Reportage lässt auch Betroffene zu Wort kommen

Reporterin Carolin von der Groeben (r.) spricht mit Betroffenen, unter anderem mit der Mutter eines Jungen mit Down-Syndrom, der sexualisierte Gewalt erlebt hat.  © Radio Bremen

Um sich ein umfassenderes Bild zu machen, trifft sich die "Y-Kollektiv"-Reporterin auch mit Menschen mit Behinderung.

Unter anderem erzählt die Schauspielerin Carina Kühne (40), die das Down-Syndrom hat, von ihren Dating-Erfahrungen und Grenzüberschreitungen. "Ich leide nicht unter der Krankheit, ich leide nur unter den Mitmenschen", erklärt sie.

Von der Groeben trifft zudem die Mutter eines achtjährigen Jungen mit Down-Syndrom, der mutmaßlich sexualisierte Gewalt durch seinen Lehrer erlebt hat.

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Die Schule habe das Ganze heruntergespielt und sich auf die Unschuldsvermutung berufen, klagt die Mutter. Darüber hinaus sei es nie um den Täter, nur um die Aussagefähigkeit des Kindes gegangen, kritisiert sie.

Die neue "Y-Kollektiv"-Reportage ist jederzeit in der ARD-Mediathek abrufbar.

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