Ex-"Tagesschau"-Sprecherin mit beunruhigender Prognose für die Nachrichtensendung

Von Ulrike Cordes

Hamburg - Als Dagmar Berghoff (83) am 16. Juni 1976 ihre erste Pressekonferenz gab, war die Resonanz von Radio, Fernsehen, Agenturen und Zeitungen riesig.

Dagmar Berghoff (83) gibt eine Prognose für die Zukunft der "Tagesschau" ab. (Archivfoto)  © Georg Wendt/dpa

Der Grund für den Medienrummel: Am selben Tag, also vor fast genau 50 Jahren, las die gelernte Schauspielerin, Moderatorin und Sprecherin um 16 Uhr die Nachrichten für die "Tagesschau" vor - als erste Frau in der Geschichte der seit 1952 laufenden Top-Nachrichtensendung der ARD.

"Man kann es sich heute gar nicht mehr vorstellen, aber damals war das ein absolutes, wirklich meldewürdiges Ereignis", sagt Berghoff der Deutschen Presse-Agentur in Hamburg. Noch immer hat die 83-Jährige die rauchig-erotisch klingende Stimme, die ihr schnell Markenzeichen wurde.

Dennoch fügt sie eine klare Prognose an: "Den Beruf des Tagesschau-Sprechers wird es in Zukunft nicht mehr geben", erklärt die up to date wirkende Mediendame der dpa, "sondern ausschließlich Journalisten, die als Moderatoren eingesetzt werden." Längst gebe es ja auch keine Off-Sprecher mehr.

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Dafür viel mehr Bilder, die zudem schneller geschnitten würden als früher – ganz den Vorlieben beim modernen Medienkonsum geschuldet.

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Dagmar Berghoff war die erste Frau als Sprecherin der "Tagesschau"

Damals war sie selbst Chefsprecherin der "Tagesschau". (Archivfoto)  © Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa

An ihre Anfänger erinnert sich Berghoff dennoch gut - vor allem an ihre erste Meldung: Ein US-Diplomat war im Libanon entführt worden. Und schon wenige Tage nach ihrem Nachmittags-Debüt, am 20. Juni, durfte die damals 33-Jährige die Abendnachrichten in der Hauptsendung um 20 Uhr vortragen.

"Das war ungewöhnlich, weil die Sprecher eigentlich erst zwei Jahre lang alle anderen "Tagesschau"-Ausgaben lesen sollten. Um sich einzugewöhnen - an die Live-Situation, die Studioatmosphäre und so etwas", erzählt die noch immer in der Hansestadt lebende TV-Ikone. 

Und fügt trocken hinzu: "Aber da ich die erste Frau war, konnte man mich nicht so lange sozusagen in der Versenkung verschwinden lassen. Deshalb war gleich meine dritte Ausgabe die um 20 Uhr." 

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Das Publikum, das seinerzeit ganze drei Fernsehkanäle zur Auswahl hatte, gewöhnte sich schnell an die Frau in der Männerdomäne des Ersten. Es gab kaum verärgerte Reaktionen. Und die junge Berghoff, bei aller Fachkompetenz auch blond, schick und sympathisch, avancierte bei Millionen Fans zur "Miss Tagesschau". 

Mehr als 20 Jahre blieb das so. Bis zur Silvesterausgabe 1999, in der sie sich aus persönlichen Gründen freiwillig verabschiedete. Heute würdigt Marcus Bornheim, Erster Chefredakteur ARD-aktuell, sie so: "Dagmar Berghoff ist ein wichtiger Teil der Tagesschau-Geschichte. Sie ist ein Vorbild für uns alle, egal ob Frauen oder Männer. Ohne sie wäre unser Erfolg nicht denkbar", sagt er im dpa-Gespräch.

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