Expertin bei Caren Miosga: "Dann sind wir nicht verteidigungsfähig"

Berlin - Der Krieg zwischen Iran und den USA entwickelt sich zunehmend zum globalen Problem. Bei "Caren Miosga" wurde deutlich, wie stark die wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Folgen bereits jetzt spürbar sind.

Claudia Major (50) betonte, dass nicht nur Armeen, sondern auch die Industrie über den Ausgang von Konflikten entscheide.  © NDR/Claudius Pflug

Steigende Energiepreise, gedämpfte Wachstumsaussichten und wachsende Unsicherheit in gleich mehreren Bereichen: Während sich die USA und der Iran bekriegen, hoffen die Europäer auf sinnvolle Reaktionen ihrer Regierungen.

Sicherheitsexpertin Claudia Major (50) vom German Marshall Fund sprach von einer "Impotenz der Macht" - die USA seien zwar militärisch stark, könnten ihre Ziele aber nicht durchsetzen.

"Die Schwächung der Amerikaner, die wir da gerade sehen, wirkt sich direkt indirekt auch auf uns aus", urteilte sie. In Europa müsse man gut überlegen, wie sich Munition und komplizierte Waffensysteme schneller und günstiger produzieren ließen.

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Solange man auf diese Fragen keine Antworten finde, "dann sind wir nicht wirklich verteidigungsfähig", sagte Major. "Armeen gewinnen Schlachten, die Industrie gewinnt Kriege", lautete ihr Fazit.

Einig war man sich in der Runde darüber, dass Teheran einen langen Abnutzungskampf bevorzugt. Ziel sei es, den Konflikt politisch zu drehen und durch Ausdauer zu gewinnen, etwa durch Druck auf die Weltwirtschaft. "Länger durchhalten ist das neue Siegen", so Major.

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In der ARD-Talkshow wurde deutlich, dass die Auswirkungen des Iran-Krieges weit über die Region hinausreichen.  © NDR/Claudius Pflug

Europas Dilemma zwischen Aufrüstung und Energiekrise

Für Europa ergibt sich aus dem Konflikt ein doppeltes Problem. Einerseits wächst der Druck, die eigene Verteidigungsfähigkeit zu stärken. Andererseits rückt die Energiepolitik in den Fokus. SPD-Politiker Hubertus Heil (53) plädierte für mehr Unabhängigkeit von fossilen Energien und einen beschleunigten Ausbau erneuerbarer Quellen.

Nahost-Experte Daniel Gerlach (49) verwies zudem auf die angespannte Lage im Iran selbst. Das Regime befinde sich in einer existenziellen Krise, agiere aber weiterhin strategisch und sei durchaus in der Lage, einen langwierigen Konflikt durchzustehen.

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