Tierheim-Chef nach Tiger-Angriff bei Leipzig außer sich: "Kein Mensch braucht diese Tiere zu Hause"
Dölzig - Der Tiger-Angriff in der Nähe von Leipzig ist weiterhin ein Thema, denn die Meinungen gehen weit auseinander. Tierhalter wie die "Tiger-Queen" Carmen Zander (52) wollen ihre Lieblinge unbedingt behalten, Tierschützer wollen sie aus falscher Haltung retten, aber dann stellt sich die Frage: Wohin mit den Wildtieren und wie sollten wir die zukünftig halten?
In der MDR-Sendung "Fakt ist!" wurde genau dieser Frage auf den Grund gegangen.
Für Carmen Zander gab es keine Zweifel: "Das ist mein Eigentum", stellte sie klar und sagte weiter, dass es so wäre, als würde man ihr die Kinder wegnehmen.
Zu dem Angriff sagte sie: "Sandokan ist nicht durch einen Sicherheitsmangel herausgekommen, sondern er wurde herausgelassen. Es wurden Schieber und Türen geöffnet." Von wem, wisse sie nicht. Das könnte eventuell der 72-jährige Helfer aufklären, der durch den Angriff schwer verletzt wurde und immer noch im Krankenhaus liegt.
Stattdessen wünschte sie sich mehr Unterstützung. Ihr Traum ist ein eigener kleiner Tiger-Park. Dazu fehlen entsprechende Genehmigungen.
"Meine Tiere haben alles, was Pflicht ist", erklärte die 52-Jährige. Die Behörden machen ihrer Meinung nach einen Fehler.
Der Chef des Leipziger Tierheims Chef Michael Sperlich widersprach. "Kein Mensch braucht diese Tiere zu Hause", sagte er. In den vergangenen Jahre habe er oft Haltungsformen gesehen, die für die Tiere nicht zumutbar waren.
Eine Tierschutz-Organisation könnte die Tiger aufnehmen
Ob und welche Wildtiere man zu Hause halten darf, hängt in Deutschland von den Bundesländern ab. Tierheim-Chef Sperlich kritisierte, dass es in Sachsen wenig Einschränkungen gibt. Jedes Jahr kommen zahlreiche wilde Tiere als Fundtiere in das Leipziger Tierheim. Viele von ihnen müssen ein Leben lang bleiben.
Trotzdem sind unzählige Wildtiere ja bereits in Deutschland wie beispielsweise die Tiger von Carmen Zander. Wohin also mit denen?
Patrick Müller von der Tierschutz-Organisation "AAP" erklärte, wie es in anderen europäischen Ländern gehandhabt wurde. In vielen Nachbarländern sind Wildtiere in Zirkussen und privater Haltung verboten. "Die Tiere, die dort sind, bleiben meistens bei den Haltern oder es gibt ein großzügiges Zeitfenster, um ein neues Zuhause zu finden."
"AAP" hat in Spanien eine Rettungsstation, wo solche Tiere aufgenommen werden und in geräumigen Gehegen ihren Lebensabend verbringen dürfen. 35 Raubkatzen leben dort schon. Auch die acht Tiger von Zander könnte die Organisation kostenfrei aufnehmen.
Für die 52-Jährige kam das nicht infrage. "In Spanien schon gar nicht", stellte sie klar und verwies auf die klimatischen Bedingungen.
Kann man die Tiere nicht einfach auswildern? "Das wäre das Todesurteil für diese Tiere", sagte Sperlich. Die Tiger wurden in Gefangenschaft großgezogen und kämen in der Natur nicht zurecht.
Die ganze Folge MDR "Fakt ist!" könnt Ihr in der ARD Mediathek streamen.
Titelfoto: Bildmontage: Heiko Rebsch/dpa; MDR

