Borris und Hilbert sauer: OB-Aufstand gegen geplantes Krimi-Aus im Osten
Dresden/Magdeburg - Die dreijährige Zwangspause für die Krimi-Serie "Polizeiruf 110" und den Dresdner "Tatort" wird jetzt zum Politikum. Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert (54, FDP) und die Magdeburger Amtsinhaberin Simone Borris (63, parteilos) haben sich in einem offenen Brief mit einer klaren Botschaft an den Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) gewandt.
"Als Oberbürgermeisterin der Landeshauptstadt Magdeburg und Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Dresden sprechen wir uns entschieden gegen die geplante Beendigung der Dreharbeiten des 'Polizeiruf 110' in Magdeburg und des 'Tatort' in Dresden aus", ließ das OB-Duo am Mittwoch verlauten.
Wenn die Dreharbeiten für die beliebten Krimi-Streifen aus finanziellen Gründen für die nächsten drei Jahre ausgesetzt werden, hätte das weitreichende negative Folgen, wie Borris und Hilbert – ganz nebenbei ein klasse Name für eine eigene Krimi-Serie – anhand von vier Beispielen zu verdeutlichen versuchten.
So würden etwa "regionale Identität und kulturelle Sichtbarkeit" verloren gehen, führten die beiden an. "Polizeiruf 110" und "Tatort" seien immerhin weit mehr als bloß einfache Fernsehserien, die über die Glotze flimmern: "Sie vermitteln bundesweit Bilder unserer Städte, unserer Geschichten und unserer Lebenswirklichkeit."
Zudem kritisierten die zwei Stadthäuptlinge, dass wieder einmal der Osten von Einschnitten betroffen sei: "Dies erweckt den Eindruck eines schrittweisen Rückzugs traditionsreicher ostdeutscher Formate und schwächt die mediale Präsenz der neuen Bundesländer im öffentlich-rechtlichen Rundfunk." Damit würden zugleich die Film- und Fernsehproduktionsstandorte in den beiden Landeshauptstädten wirtschaftlich geschwächt werden.
MDR in Not: Dresdner "Tatort" und Magdeburger "Polizeiruf 110" vor dem Aus
"Sherlock" Hilbert und "Watson" Borris zeigten jedoch auch in "Guter Cop, böser Cop"-Manier Verständnis für die Notlage des MDR, der aufgrund einer ausbleibenden Erhöhung des Rundfunkbeitrags sicher zum Notgroschen greifen muss.
"Als Oberbürgermeister zweier Landeshauptstädte kennen wir die aktuelle Notwendigkeit, mit enormen finanziellen Nöten umzugehen, aus unserer tagtäglichen Arbeit. [...] Vor diesem Hintergrund können wir nachvollziehen, dass auch der Mitteldeutsche Rundfunk vor schwierigen finanziellen und strukturellen Entscheidungen steht."
Dies sei jedoch noch lange kein Grund, den Dresdnern und Magdeburgern ihre Krimis wegzunehmen.
Borris und Hilbert forderten den MDR deshalb dazu auf, die Entscheidung zur Einstellung der beiden TV-Formate zu überprüfen, ostdeutsche Ermittlerteams im öffentlich-rechtlichen Rundfunk dauerhaft zu sichern und sowohl den Dresdner "Tatort" als auch den Magdeburger "Polizeiruf" letztlich fortzuführen.
Titelfoto: Bildmontage: Steffen Junghans/MDR Mitteldeutscher Rundfunk/obs, Eric Münch, Peter Gercke/dpa

