Düsseldorf - Diese Kehrtwende dürfte kaum jemand erwartet haben! Nur einen Tag nachdem Star-Anwalt Christian Schertz (60) eine Klage gegen Wim Wenders (80) angekündigt hatte, zieht der Regisseur jetzt überraschend die Reißleine.
In einer Stellungnahme der Wim Wenders Stiftung bittet der Filmemacher Nastassja Kinski (65) erstmals ausdrücklich um Entschuldigung. "Als einziger der damals für 'Falsche Bewegung' handelnden Verantwortlichen, der noch da ist, sehe ich, dass Nastassja Kinski damals hätte besser beschützt werden müssen. Dafür bitte ich Dich um Entschuldigung, Nastassja, ohne Wenn und Aber."
Damit vollzieht Wenders eine bemerkenswerte Wende. Noch beim Deutschen Filmpreis hatte er vor einem "Präzedenzfall" gewarnt und eine Debatte darüber gefordert, ob Filme Jahrzehnte später verändert werden dürfen.
Jetzt folgt der nächste Schritt: Die Wim Wenders Stiftung zieht den Film "Falsche Bewegung" vollständig aus allen aktuellen Auswertungsformen zurück. Streaming-Anbieter, Fernsehsender und Vertriebspartner sollen den Film vorerst nicht mehr öffentlich zugänglich machen.
Im Mittelpunkt des Streits steht eine Szene aus dem Jahr 1975. Darin ist die damals 13-jährige Kinski mit entblößtem Oberkörper zu sehen. Die Schauspielerin hatte zuletzt in der "Süddeutschen Zeitung" erklärt, sie habe schon damals gespürt, "dass das nicht in Ordnung war".
Seit Jahren versuche sie vergeblich, mit Wenders über ihre Erfahrungen zu sprechen.
Regisseur gibt Stimmungswandel bekannt
In seinem neuen Statement räumt der Regisseur nun ein, dass die Diskussionen der vergangenen Tage seinen Blick auf die damaligen Ereignisse verändert hätten. Erst nach weiteren Gesprächen mit Filmerbe-Institutionen und einer einvernehmlichen Lösung mit Kinski soll der Film wieder freigegeben werden.
Ob die angekündigte Klage von Kinskis Anwalt damit noch vom Tisch ist, bleibt zunächst offen.