Pietätlos! Wie Impfgegner vom Suizid des Chemnitzer Klinikum-Chefs profitieren wollen

Chemnitz - Wie pietätlos! Der Tod des Chemnitzer Klinikums-Chefs Thomas Jendges (†55) wird von Impfgegnern für Falschnachrichten missbraucht - mittlerweile in ganz Europa. Die unfassbare Unterstellung: Sein Suizid stehe in Zusammenhang mit einer vermeintlichen Ablehnung gegen das Impfen.

Dr. Thomas Jendges starb am 2. November im Alter von 55 Jahren auf dem Gelände des Chemnitzer Klinikums. Noch am selben Tag benutzte die rechtsextreme Gruppierung Pro Chemnitz/Freie Sachsen sein Ableben, um Hass zu verbreiten.  © Klinikum Chemnitz

Die Falschmeldung verbreitet sich seit Tagen wie ein Lauffeuer im Internet. Eine treibende Kraft beim Ent- und Anfachen: die rechtsextreme Gruppierung Pro Chemnitz/Freie Sachsen. Schon am Todestag brachte diese auf ihrem Telegram-Kanal das Ableben des Klinikums-Chefs in Zusammenhang mit einem "Corona-Telefonat mit Oberbürgermeister Schulze" - und erreichte damit circa eine halbe Million Menschen.

Kurz darauf wurde von den Rechtsextremisten ein Beitrag des russischen Senders "RT" (bis 2009 "Russia Today") geteilt, einer der wichtigsten Quellen für Corona-Leugner und "Querdenker".

Der Artikel des deutschen Auslandskanals des russischen Staatsfernsehens bezieht sich auf "Spekulationen in Online-Portalen", in denen von einem Abschiedsbrief die Rede ist, dessen Inhalt aber nur in Teilen an die Öffentlichkeit gelangt sei.

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Plötzlich schossen europaweit Beiträge wie Pilze aus dem Boden, berichteten über die Mär vom Abschiedsbrief. Polizeisprecherin Jana Ulbricht (43) stellt auf TAG24-Anfrage klar: "Uns liegt kein Abschiedsbrief vor!"

Die Einsatzkräfte rückten am 2. November zum Chemnitzer Klinikum aus. Dr. Thomas Jendges war zu diesem Zeitpunkt bereits tot.  © Ralph Kunz
Mittlerweile geistert die Mär um einen Abschiedsbrief durchs internationale Netz - wie hier in zwei Beiträgen, die sich auf einen polnischen und einen spanischen Text beziehen.  © Screenshots: Twitter

Stadt bestätigt: Anfeindungen und Falschbehauptungen nehmen zu

Ein Stadtsprecher bestätigte, dass es seit Wochen vermehrt zu Anfeindungen und Falschbehauptungen in den Kommentarspalten der sozialen Kanäle der Verwaltung komme.

Für die Mitarbeiter der Pressestelle bedeutet das: "Es müssen mehr Kommentare gesichtet und auf die Einhaltung der Netiquette überprüft werden."

Hasssprache, Verschwörungstheorien und Corona-Leugnung: "Natürlich ist es eine Herausforderung", so der Sprecher. Das Social-Media-Team versuche, diese aber trotzdem stets professionell zu meistern.

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