Immer weniger Taufen: So reagieren die Kirchen
Von Ute Wessels und Kathrin Zeilmann
München - Ein Baby im Festtagskleid von Paten über den Taufstein gehalten, der Pfarrer benetzt die Stirn des Täuflings, daneben stehen die Eltern. Für Christen ein feierlicher Moment – den es so immer seltener in Bayern gibt. Das zeigen die Statistiken von evangelischer und katholischer Kirche. Ähnlich sieht es bei Kommunion und Konfirmation aus.
Und wie reagieren die Kirchen? Befinden sich zwischen Ursachenforschung und der Suche nach Lösungen.
Die Mitgliederzahlen der beiden großen Kirchen sinken seit Jahren - auch in Bayern. Die evangelisch-lutherische Landeskirche (ELKB) verzeichnet auch einen deutlichen Rückgang bei Taufen – konkret um fast 50 Prozent in den vergangenen Jahrzehnten, wie eine Sprecherin mitteilte.
Während zwischen 1970 und 2000 die Zahl der Taufen pro Jahr zwischen 30.000 und 23.000 lag, ging sie seit der Jahrtausendwende stark zurück.
2025 wurden laut ELKB-Mitteilung 12.562 Menschen getauft, 2024 waren es immer noch über 1000 mehr gewesen, nämlich 13.633.
Hier spielt nicht nur die Demografie eine Rolle: "Die häufigste Begründung ist, dass Eltern die Entscheidung den Kindern überlassen wollen und eine Taufe nicht für sie entscheiden wollen", sagt die ELKB-Sprecherin.
Auch beim Alter der Täuflinge gibt es eine Verschiebung. Bis 1990 hätten mehr als 90 Prozent der evangelischen Taufen im ersten Lebensjahr stattgefunden. Seither gehe diese Zahl stetig zurück.
Wie geht's weiter nach der Taufe? Konfirmation, Kommunion
2010 seien es rund 75 Prozent gewesen und 2024 lediglich noch 64 Prozent. Die Zahl der Taufen ab dem zweiten und bis zum 14. Lebensjahr habe dagegen stark zugenommen: von 0,3 Prozent im Jahr 1970 auf 35 Prozent 2024.
In den katholischen bayerischen Bistümern sieht die Lage so aus: 36.129 Taufen gab es laut Statistik der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) im vergangenen Jahr.
2023 waren es noch 42.560 gewesen und 2019 mehr als 49.000. 2018 lag der Wert mit 52.748 sogar noch deutlich über der 50.000er-Marke.
Die evangelische Landeskirche hat im Jahr 2025 das Projekt "Segen für Babys" gestartet – eben aus der Erfahrung, dass die Taufe immer später oder gar nicht mehr durchgeführt wird.
Familien mit Neugeborenen würden zu Segensfeiern für die Babys und die gesamte Familie eingeladen. So kämen sie mit der Kirche niedrigschwellig in Kontakt und könnten durch die Gemeinschaft und den Segenszuspruch die Kirche als stärkend empfinden, sagt die Sprecherin.
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