Berlinale reagiert auf Israel-Hass: Staatsanwaltschaft ermittelt!

Berlin - Nach antisemitischen Beiträgen auf dem Instagram-Kanal der Berlinale beteuerte das Festival, gehackt worden zu sein. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft.

Die diesjährige Berlinale wird von einem Antisemitismus-Skandal überschattet.
Die diesjährige Berlinale wird von einem Antisemitismus-Skandal überschattet.  © Jens Kalaene/dpa

Am Sonntag waren auf dem Kanal der Berlinale Sektion "Panorama" Bild-Text-Beiträge mit dem Berlinale-Logo zum Gaza-Krieg erschienen. Unter anderem war die Parole "Free Palestine - From the River to the Sea" ("Befreie Palästina - vom Fluss bis zum Meer") zu lesen, die das Existenzrecht des Staates Israel infrage stellt.

Das Filmfestival distanzierte sich von dem Beitrag, doch die Debatte um die Haltung der deutschen Kulturszene zum Nahostkonflikt nahm weiter Fahrt auf. Am Montagabend legte die Berlinale schließlich nach.

"Diese Statements stammen nicht vom Festival und repräsentieren nicht die Haltung des Festivals. Die Posts wurden sofort gelöscht und eine Untersuchung angestoßen, wie es zu diesem Vorfall kommen konnte", hieß es in einer Mitteilung. Die Berlinale verurteile "diesen kriminellen Akt aufs Schärfste".

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Mit dem Löschen der Posts will sich das Festival nicht zufriedengeben. So teilte die Berlinale mit, Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt zu haben. Inzwischen habe das LKA die Ermittlungen aufgenommen.

Neben dem infrage stehenden Social-Media-Beitrag war nach der Bären-Verleihung am Samstagabend eine Diskussion entbrannt, nachdem sich mehrere Preisträger zum Gaza-Krieg positioniert hatten.

So war nicht nur die Forderung nach einem Waffenstillstand zu hören, der US-amerikanische Regisseur Ben Russell (48) warf Israel etwa vor, einen Völkermord zu begehen. Der israelische Journalist Yuval Abraham (28) sprach von Apartheid im Westjordanland.

Kritik vom Zentralrat der Juden

Carlo Chatrian (52), künstlerischer Direktor der Berlinale, und Mariette Rissenbeek (68), Geschäftsführerin, gerieten ebenfalls in die Kritik.
Carlo Chatrian (52), künstlerischer Direktor der Berlinale, und Mariette Rissenbeek (68), Geschäftsführerin, gerieten ebenfalls in die Kritik.  © Sören Stache/dpa

Kritiker wie der Zentralrat der Juden prangerten an, dass einseitig Vorwürfe gegen Israel erhoben würden, der Terrorangriff der islamistischen Hamas vom 7. Oktober 2023 hingegen kaum erwähnt werde.

Die Berlinale-Leitung erklärte, die Äußerungen gäben "in keiner Form die Haltung des Festivals wieder". Geschäftsführerin Mariette Rissenbeek (68) hatte in ihrer Rede den Hamas-Terror klar verurteilt und die Freilassung der Geiseln gefordert.

"Die Berlinale versteht sich als Plattform für einen offenen kultur- und länderübergreifenden Dialog. Wir müssen daher auch Meinungen und Statements aushalten, die unseren eigenen Meinungen widersprechen", sagte Rissenbeek. Die Berlinale stehe für "Demokratie und Offenheit".

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Auch Claudia Roth (68, Grüne), Staatsministerin für Kultur und Medien, verurteilte die Äußerungen scharf und sprach von einem "tiefgehenden Israel-Hass".

Titelfoto: Jens Kalaene/dpa

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