Chemnitz - Nächste Woche ist im Stadtrat Showdown zum umstrittenen Gewerbegebiet Rabenstein-Ost an der A 72. Dann muss die Kommunalpolitik Farbe bekennen, was sie von den Argumenten der Anwohner hält, die in einer Petition knapp 1400 Unterschriften gegen den geplanten "Innovationscampus" Nähe Kalkstraße gesammelt haben. Unterdessen holte das BSW Gegner und Befürworter noch einmal zum Informationsaustausch an einen Tisch im Rathaus.
Einer der größten Kritiker ist Wirtschaftsprüfer Sven Schreiber, der an der Rabensteiner Kieselhausenstraße wohnt. "Aus unserer Sicht gibt es nach wie vor keinen einzigen Investor", sagt er.
Es gebe genug andere Flächen in der Stadt, auch private. Schreiber erinnert daran, dass die ursprüngliche Idee deutlich kleiner gewesen sei. Erst mit dem Neustart 2025 sei das Projekt als "Innovationscampus Rabenstein" neu aufgeladen und auf rund 13 Hektar erweitert worden.
Gedacht ist die Fläche auf der grünen Wiese Nähe Kalkstraße für größere verarbeitende Unternehmen. Mit viel Grün, Regenwassermanagement und Pufferzonen zur Wohnbebauung sollen die Pläne den Anwohnern schmackhaft gemacht werden.
Für sie klingt das trotzdem nicht nach Zukunft, sondern nach mehr Lärm, mehr Verkehr und weniger Heimatgefühl.
Die Stadt will das Vorhaben durchziehen
Auf der anderen Seite wird ebenso entschlossen dagegengehalten. Steffi Schönherr von der Handwerkskammer sagt vehement: "Wir brauchen dieses Gewerbegebiet. 89 Prozent der städtischen Flächen sind bereits belegt."
Auf private Eigentümer habe die Stadt keinen Einfluss. Hier könne "ein Musterbeispiel eines ökologisch orientierten Gewerbegebietes mit wenigen versiegelten Flächen" entstehen.
Außerdem müsse sich die Stadt schon im Genehmigungsverfahren daran halten, dass Anwohner nicht belästigt werden.
Die Stadt selbst will das Vorhaben durchziehen. Würde man den Innovationscampus auf Eis legen, verliere die Stadt nach eigener Lesart nicht nur eine der letzten großen Gewerbeflächen, sondern auch die Chance auf neue Firmen, Jobs und künftige Steuereinnahmen.