Rechtsextreme "Freie Sachsen"-Demo überschattet Chemnitzer Friedenstag

Chemnitz - Der 5. März ist ein bitterer Tag für die Chemnitzer Stadtgeschichte. Vor genau 77 Jahren zerstörten unzählige Bomben die Stadt, forderten mehr als 2100 Menschenleben. Daher fand am Samstag der 21. Chemnitzer Friedenstag statt - doch die Friedenswünsche, das Trauern und Innehalten wurden durch laute Pfiffe und Trommeln gestört. Die rechtsextremen "Freien Sachsen" riefen wieder zu Demos gegen die Corona-Maßnahmen auf.

Gegner der Corona-Maßnahmen protestierten am Chemnitzer Friedenstag in der Innenstadt. Die rechtsextremen "Freien Sachsen" hatten zur Demo aufgerufen.
Gegner der Corona-Maßnahmen protestierten am Chemnitzer Friedenstag in der Innenstadt. Die rechtsextremen "Freien Sachsen" hatten zur Demo aufgerufen.  © Haertelpress

Gegen 15 Uhr trafen sich Hunderte Corona-Maßnahmen-Gegner vor dem Chemnitzer Hauptbahnhof. Mit Fahnen, Trillerpfeifen und Trommeln ging es in Richtung Innenstadt. Die Polizei sprach von etwa 1500 Demonstranten.

"Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Freiheit klaut", brüllen die Teilnehmer, währenddessen auf dem Chemnitzer Neumarkt der 21. Chemnitzer Friedenstag in vollem Gange ist.

Der Demo-Zug wurde von der Polizei durch Innenstadt begleitet. Dort versammelte sich auch ein Gegenprotest der in Teilen linksextremen Antifa. Trotz der gegensätzlichen Ansichten blieb der Demo-Nachmittag laut ersten Informationen friedlich.

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Der Corona-Protest endete mit einer Kundgebung vor dem Hauptbahnhof. Stadtrat Martin Kohlmann (44, Pro Chemnitz/Freie Sachsen) kam zu Wort, gab sich als Putin-Versteher und rechnete mit der Politik des Westens ab: "Ich will diesen Krieg mit gar keinen Worten gut reden. Aber hier wurde ordentlich gezündelt, provoziert und gelogen."

Anschließend ging es dann aber doch um das Corona-Thema: "Während Russland Krieg gegen die Ukraine führt, führt unsere Regierung Krieg gegen uns", brüllte Kohlmann ins Mikro. Es folgte die übliche Impf-Kritik.

Polizisten sicherten den Protest in der Chemnitzer Innenstadt ab.
Polizisten sicherten den Protest in der Chemnitzer Innenstadt ab.  © Haertelpress
Gleichzeitig fand auf dem Chemnitzer Neumarkt der 21. Chemnitzer Friedenstag statt.
Gleichzeitig fand auf dem Chemnitzer Neumarkt der 21. Chemnitzer Friedenstag statt.  © Uwe Meinhold
Vor dem Chemnitzer Rathaus fanden verschiedene Ausstellungen statt. Etliche Bilder zeigen Friedensbotschaften.
Vor dem Chemnitzer Rathaus fanden verschiedene Ausstellungen statt. Etliche Bilder zeigen Friedensbotschaften.  © Uwe Meinhold
Teilnehmer eines Friedensgottesdienstes versammeln sich zum Abschluss des 21. Chemnitzer Friedenstages um ein Friedenskreuz auf dem Neumarkt.
Teilnehmer eines Friedensgottesdienstes versammeln sich zum Abschluss des 21. Chemnitzer Friedenstages um ein Friedenskreuz auf dem Neumarkt.  © Kristin Schmidt

OB Schulze: "Wir müssen Frieden halten"

Am Chemnitzer Nischel fand am Samstagnachmittag eine Friedensdemo statt.
Am Chemnitzer Nischel fand am Samstagnachmittag eine Friedensdemo statt.  © Uwe Meinhold

Am Nachmittag fand am Chemnitzer Karl-Marx-Kopf eine große Friedensdemo statt. Neben Politikerin waren auch viele Familien mit Kindern gekommen. Auch hier gab es eine Kundgebung.

Um 18 Uhr hielt Oberbürgermeister Sven Schulze (50, SPD) eine Rede vor dem Rathaus. Laut Stadt waren etwa 1500 Menschen dabei. Schulze ging dabei auf den aktuellen Ukraine-Krieg ein: "Das ist nicht nur ein Angriff auf die Ukraine, sondern auf ganz Europa. Eine Attacke auf die Demokratie und den Frieden in Europa. Dieses demokratische Gut gilt es zu schützen. Wir müssen für die Demokratie eintreten und gegen ihre Feinde verteidigen. Das müssen wir nicht irgendwann tun. Sondern jetzt."

Der OB weiter: "Wir müssen Frieden halten. Das gilt nicht nur für Chemnitz, sondern für Deutschland, Europa und die ganze Welt."

Oberbürgermeister Sven Schulze (50, SPD) verurteilte den Angriff auf die Ukraine.
Oberbürgermeister Sven Schulze (50, SPD) verurteilte den Angriff auf die Ukraine.  © Kristin Schmidt

Um 20 Uhr fand in der Jakobikirche ein Friedens-Gottesdienst statt. Um 20.45 Uhr läuteten alle Kirchenglocken zum Gedenken an die schreckliche Bombennacht in Chemnitz - diesmal ohne Trillerpfeifen und Trommeln!

Aktualisiert: 5. März, 21.04 Uhr.

Titelfoto: Haertelpress

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