Taxi-Alternative für Chemnitz: Uber zufrieden mit Start, doch Debatten gehen weiter
Chemnitz - Uber sorgt weiterhin für reichlich Gesprächsstoff in Chemnitz. Nach Preisdebatten, Warnungen vor einem Preiskrieg und einem viel beachteten Selbstversuch meldet sich der Fahrdienst jetzt selbst zu Wort. Die erste Bilanz nach dem Start im vergangenen Herbst: positiv - aber die Kritik bleibt.
"Wir sind mit dem Start von Uber in Chemnitz zufrieden", sagt Sprecherin Larissa Schröder. Nutzung und Feedback entwickelten sich gut.
Vor allem die Arbeitsbedingungen stehen weiterhin in der Kritik. Uber hält dagegen: "Alle Fahrer sind sozialversicherungspflichtig angestellt und verdienen mindestens den gesetzlichen Mindestlohn."
Auch Zweifel an der Wirtschaftlichkeit weist das Unternehmen zurück. Der zweiwöchige Selbstversuch von Unternehmer Martin König (35) sei "unzureichend". Stattdessen setzt Uber auf sein flexibles Preismodell mit schwankenden Tarifen je nach Nachfrage.
Im Stadtrat gehen die Meinungen auseinander. Ronny Licht (48, AfD) sagt: "Man mag das Geschäftsmodell verwerflich finden, aber es ist eine Alternative zum Taxi. Die Fahrgäste haben eine Auswahl."
Dietmar Berger (75, Linke): "Die Entscheidung für Uber war falsch"
Dietmar Berger (75, Linke) widerspricht scharf: "Die Entscheidung für Uber war falsch. Der Dienst wird die Ausbeutung seiner Fahrer gnadenlos durchziehen." Zudem sieht er eine "völlig widersinnige Wettbewerbsverzerrung".
Auch rechtlich sieht Berger Probleme: "Wenn Uber fünf Jahre Genehmigung bekommt und Taxis nur zwei, dann ist etwas faul im Staate Dänemark."
Detlef Wuttke (67, CDU) fordert: "Es gibt keinen echten Wettbewerb, der Bund muss das Personenbeförderungsgesetz ändern."
Detlef Müller (61, SPD) kritisiert Regelverstöße: "Uber muss sich an die Vorschriften halten. Dieses Heranwinken ist verboten." Sein Fazit: "Uber kann jederzeit gehen - die Taxen nicht."
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König Kunde entscheidet
Kommentar von Raik Bartnik
Der Fahrdienst Uber fährt seit vorigem Herbst auch auf Chemnitzer Straßen. Das Unternehmen redet von einem gelungenen Start, im Chemnitzer Stadtrat knirscht es aber weiter gewaltig.
Die einen warnen vor Lohndumping, die anderen feiern den neuen Wettbewerb. Doch bei aller politischen Aufregung wird am Ende nicht im Ratssaal entschieden, sondern im Alltag. Und da gilt eine einfache Wahrheit: Der Otto Normalchemnitzer schaut zuerst aufs Portemonnaie.
Wer jeden Euro zweimal umdrehen muss, fragt nicht als Erstes nach ideologischer Verkehrspolitik. Er fragt: Was kostet mich die Fahrt? Wie schnell bin ich da? Und bekomme ich überhaupt ein Auto, wenn ich eins brauche? Genau da punktet Uber. Nicht, weil das Unternehmen ein Wohlfahrtsverein wäre, sondern weil es ein Angebot macht, das für viele praktisch und oft günstiger wirkt als das klassische Taxi.
Dass man als Kunde dann noch hören muss, man darf ein Auto nicht einfach heranwinken oder einsteigen, sondern nur über die App bestellen, wirkt auf normale Menschen reichlich absurd. Für Juristen und Behörden mag das sauber getrennt sein. Für den Bürger ist es vor allem eines: typisch Deutsch.
Natürlich darf man die Kritik an Arbeitsbedingungen und fairem Wettbewerb nicht wegwischen. Doch es betrifft alle Branchen, nicht nur den Transport.
Am Ende ist die Sache ziemlich simpel: Der Bürger steigt dort ein, wo Preis, Verfügbarkeit und Komfort stimmen. Und nicht dort, wo die deutsche Regelwut am schönsten formuliert ist.
Titelfoto: Sven Gleisberg

