Dresden - Samstag, kurz vor 10 Uhr: Vor dem Stadtforum wartet eine kleine Gruppe Bürger. Die Türen bewachen Security-Männer, draußen stehen Terrorsperren - Oberbürgermeister Dirk Hilbert (54, FDP) hatte zum "Offenen Rathaus" geladen.
"Die Stadt hat zu wenig Werbung gemacht, deswegen gibt es kaum Andrang", ärgerte sich Stadtrat Heiko Müller (61, AfD) am Vormittag. Letztes Jahr war das neue Stadtforum geradezu von Neugierigen überrannt worden. Damals hatten die Dresdner zum ersten Mal einen Blick hineinwerfen dürfen, gab es kostenlos Bier und Bratwürste.
Diesmal verteilten wenigstens die Stadtratsfraktionen Werbegeschenke. Darunter Fächer gegen Überhitzung (Grüne), Windräder für Kinder (AfD) oder Hilbert-Karikaturen (PVP-Fraktion). "Die kommen besonders gut an", lachte Fraktionsmitarbeiter Manuel Wolf (35).
Die meisten Besucher zog es zu den Brückenentwürfen - die Stadt hatte Schautafeln und Modelle aufgebaut, am Rand standen Mitarbeiter. Im Laufe des Tages wurde es hier voll, die Luft stickig.
Auch die Fraktionen suchten das Gespräch. "Ein heißes Thema ist natürlich die Carolabrücke", sagte Grünen-Fraktionschefin Agnes Scharnetzky (38).
OB Hilbert ist nicht allzu lange vor Ort
Stadträtin Bettina Kempe-Gebert (61, CDU): "Wir trommeln für den besten Entwurf, nämlich den von FHECOR/TSSB."
Der Brücken-Debatte etwas überdrüssig war Stadtrat Maurice Devantier (46, BSW): "So sehr unterscheiden sich die Entwürfe ja auch nicht."
Während einfache Stadtangestellte stundenlang vor Ort waren, ließ sich so mancher Bürgermeister nur zwischenzeitlich blicken. OB Dirk Hilbert verwies auf andere Veranstaltungen, die er ebenfalls wahrnehmen müsse.
Zum Beispiel die Kürung von Dresdens schönster Gartensparte. Baubürgermeister Stephan Kühn (46, Grüne) kam um 14 Uhr: "Die Bürger stellen gute und berechtigte Fragen zur Brücke. Wir wollen wirklich ein breites Meinungsbild bekommen."