Peace, Love und ein Hauch von Gras: Bob Marleys Ex-Band bringt Stadtpark zum Grooven
Hamburg - "The Wailers" sind zurück in Deutschland. Mit ihrer "50 Years of Positive Vibrations"-Tour macht die ehemalige Band von Bob Marley (†36) in mehreren Städten Halt. Los ging es am Freitagabend beim Stadtpark Open Air in Hamburg. Ein kurzes, aber heftiges Unwetter sorgte jedoch zunächst für nasse Füße statt Reggae-Gefühle. Doch pünktlich zum Konzert war der Regen vergessen und den "positive Vibes", die die Band ihren Fans vorab auf Instagram versprochen hatten, stand nichts mehr im Weg.
Mehrere tausend Fans ließen sich rund eineinhalb Stunden lang von den bekannten Rhythmen mitreißen. Je später der Abend wurde, desto ausgelassener tanzte die Menge.
Auch wenn Bob Marley bereits 1981 starb, lebt seine Musik bis heute weiter. In der aktuellen Besetzung von "The Wailers" steht zwar niemand mehr auf der Bühne, der noch gemeinsam mit Marley gespielt hat, doch der Stimmung am Freitagabend tat das keinen Abbruch.
Im Mittelpunkt stand Sänger Mitchell Brunings. Der Niederländer wurde 2013 durch seine Teilnahme bei "The Voice of Holland" international bekannt. Er überzeugte damals vor allem wegen seiner verblüffenden stimmlichen Ähnlichkeit zu Bob Marley.
Brunings sprach immer wieder auf Deutsch mit dem Publikum, allerdings lieber kurz als lang. "Seid ihr bereit für Reggae-Musik?", rief er immer wieder über den Stadtpark. Oder: "Habt ihr die Botschaft verstanden?"
Um sicherzugehen, wiederholte er sie immer wieder: "Peace, Love und Unity (dt.: Frieden, Liebe und Einheit)". Reggae verbinde wie schon vor 50 Jahren Menschen überall auf der Welt: "Deswegen machen wir das!" Auch am Freitag gelang dies: Vor der Bühne feierten Jung und Alt gemeinsam.
Schon beim allerersten Lied - "Lively Up Yourself Dub" - suchte Brunings den direkten Kontakt zum Publikum, lief über den Steg und animierte die Fans zum Mitsingen und Mittanzen. Und dazu gab es bei den zahlreichen Klassikern wie "No Woman, No Cry", "Jammin'", "I Shot the Sheriff" und "One Love" auch zahlreiche Gelegenheiten.
Zur lockeren Atmosphäre gehörte auch der typische Gras-Geruch, der über der Menge lag, während zahlreiche Hände samt Joints in die Höhe gingen, fast so selbstverständlich wie die "Positive Vibrations", die den gesamten Abend prägten.
"The Wailers"-Gitarrist: Wir sprechen über unsere Musik
Natürlich war Bob Marley an diesem Abend allgegenwärtig. Brunings erinnerte daran, dass die Band nach dessen Tod beinahe verschwunden wäre.
Dass es nicht dazu kam, sei vor allem einem Mann zu verdanken: Bassist Aston "Familyman" Barrett. Er führte die Band nach Marleys Tod weiter und prägte sie über Jahrzehnte, bevor er die musikalische Leitung 2016 an seinen Sohn Aston Barrett Jr. übergab.
Der griff in Hamburg nicht nur wie einst sein Vater zum Bass, sondern auch selbst zum Mikrofon und präsentierte mit "Only in Jamaica" einen der neueren Songs der Band (2020).
Doch nicht nur Barrett Jr. durfte sich am Mikrofon beweisen. Auch Gitarrist Wendel "Junior Jazz" Ferraro übernahm den Gesang bei "Waiting in Vain" (1977) und "Night Shift" (1976).
"Wir kennen eure Sprache nicht. Wir sprechen über unsere Musik. Aber ich bin mir sicher: In einem sind wir uns einig – die Liebe zur Reggae-Musik", so der Musiker, der dafür lauten Jubel erntete.
Vier weitere Songs und "Could You Be Loved"-Finale
Was viele nicht wissen: The Wailers gab es bereits bevor Bob Marley zum Weltstar wurde. Anfang der 1960er-Jahre lernten sich Marley, Peter Tosh und Bunny Wailer über den jamaikanischen Musiker Joe Higgs kennen.
Gemeinsam schlossen sie sich einer Gesangsgruppe an, die zunächst unter verschiedenen Namen auftrat, bevor sich 1963 schließlich "The Wailers" etablierte.
Den weltweiten Durchbruch feierte die Band aus Jamaika allerdings erst in den 1970er-Jahren als "Bob Marley & The Wailers".
Vor allem Marleys außergewöhnliche Stimme und sein Songwriting machten die Formation zu einer der bekanntesten Reggae-Bands der Welt. Das Best-of-Album "Legend" (1984) verkaufte sich mehr als 25 Millionen Mal und gilt bis heute als erfolgreichstes Reggae-Album aller Zeiten.
Dass Bob Marley seine Musik immer auch mit politischen Botschaften verband, wurde auch am Freitag bei Hits wie "Buffalo Soldier" und "Get Up, Stand Up" einmal mehr deutlich. Nach letzterem verabschiedete sich die Band zunächst, nur um dann unter lautstarken "Zugabe"-Rufen noch vier weitere Songs zu spielen.
Darunter der "Redemption Song" – jenem Song, mit dem Brunings einst bei The Voice vorsang – und dem Finale "Could You Be Loved". Spätestens jetzt tanzte der gesamte Stadtpark noch einmal gemeinsam in den Hamburger Sommerabend. "Danke, dass ihr unsere Botschaft weitertragt!" Mit diesen Worten verabschiedeten sich The Wailers kurz vor 22 Uhr dann endgültig von der Bühne.
Nach Hamburg geht die Tour weiter nach Lübbenau, Dortmund und Bad Zwischenahn, bevor sie am 10. August im Amphitheater Hanau endet. Tickets unter eventim.de.
Titelfoto: Montage: Peter Detje, Frank Leonhardt/dpa

