Hantavirus versus Corona: Steht uns jetzt wieder eine Pandemie bevor?

Berlin/Südargentinien - Vor über einer Woche sorgte der Ausbruch des Hantavirus auf dem Kreuzfahrtschiff "MV Hondius" für Angst und Schrecken: Ein niederländisches Ehepaar (†69, †70) steckte sich offenbar bei einer Reise durch Südargentinien bei infizierten Ratten an. Bislang gibt es elf bekannte Fälle, davon drei Todesfälle. Deutsche Schiffspassagiere sind inzwischen in Deutschland in Quarantäne - droht uns jetzt wieder eine Pandemie wie zu Corona-Zeiten?

Gegen das Coronavirus gibt es im Gegensatz zum Hantavirus bereits eine Impfung.  © Owen Humphreys/PA Wire/dpa

Infektionen, Todesfälle, Schutzanzüge, Quarantäne und Masken - all diese Dinge wecken dunkle Erinnerungen an eine längst vergessene Zeit, in der die Welt kopfstand.

Doch keine Panik: Eine Pandemie wie damals zu Corona steht uns laut WHO-Epidemiespezialistin Dr. Maria Van Kerkhove nicht bevor.

Die ersten bestätigten Corona-Fälle wurden Ende Januar 2020 in Bayern bekannt. Damals infizierte eine Mitarbeiterin eines chinesischen Unternehmens aus Shanghai mehrere Mitarbeiter. Im Februar kamen immer mehr Infizierte hinzu, vor allem aus Norditalien und dem österreichischen Skiurlaubsgebiet Ischgl.

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Weil das sehr ansteckende Virus anfangs unterschätzt wurde, es in Europa keine breite Teststrategie gab und die Übertragung recht schnell von Mensch zu Mensch über Aerosole und Tröpfchen stattfindet, konnte sich Covid-19 unkontrolliert ausbreiten.

Ganz im Gegensatz zum Hantavirus: Seit dem Ausbruch auf dem Schiff wird das Geschehen durch WHO und die Behörden strengstens kontrolliert.

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Corona verbreitet sich hauptsächlich von Mensch zu Mensch über die Atemluft durch Tröpfchen und Aerosole. Diese werden beim Atmen, Sprechen, Husten oder Niesen freigesetzt.  © Niaid/Europa Press/dpa

BMG: Kontaktpersonen werden strengstens überwacht

Menschen in Schutzanzügen und Masken - ein Anblick, den man noch aus Corona-Zeiten kennt.  © Christoph Reichwein/dpa

"Alle elf Fälle traten bei Passagieren oder Besatzungsmitgliedern des Schiffes auf", teilte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus (61) auf einer Pressekonferenz mit. Nach aktuellem Stand gebe es keine Verbreitung über das Schiff hinaus.

Aufgrund der langen Inkubationszeit von bis zu sechs Wochen könnte die Fallzahl allerdings steigen. Deshalb empfiehlt die WHO eine Überwachung der Menschen vom Schiff bis zum 21. Juni.

Von den am Montag nach Frankfurt gebrachten deutschen Passagieren habe noch keiner Symptome, heißt es. Alle seien unter strengen Hygieneregeln in ihr jeweiliges Bundesland gebracht worden. Dort befinden sie sich für rund sechs Wochen entweder in Quarantäne in einer Klinik oder in häuslicher Isolation.

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"Während der nächsten Wochen werden die Kontaktpersonen kontinuierlich und engmaschig auf Symptome überwacht", so das Bundesgesundheitsministerium.

Die "MV Hondius" hat inzwischen in Teneriffa angelegt. Alle Passagiere sind inzwischen unter strengsten Hygieneregeln in ihr Heimatland gebracht worden.  © Europa Press Canarias/EUROPA PRESS/dpa

Hantavirus-Risiko für Allgemeinbevölkerung weiter "sehr gering"

Passagiere und Crew-Mitglieder der "MV Hondius" werden im Hafen von Granadilla auf Teneriffa ausgeschifft. Viele Kontaktpersonen sind bereits wieder in ihren Heimatländern in Quarantäne.  © AP/DPA

Schon vor dem Ausbruch auf dem Schiff hat es Hantaviren in Europa und Deutschland gegeben. "Das Risiko entsteht vor allem durch den Kontakt mit Ausscheidungen infizierter Kleinsäuger, also mit Urin, Kot oder Speichel", schreibt das Friedrich-Loeffler-Institut.

Hierzulande sei das Puumala-Virus relevant, das insbesondere durch die Rötelmaus übertragen wird. Weitere Hantavirus-Varianten sind ebenfalls im Zusammenhang mit Nagetieren bekannt. "Infektionsketten von Mensch zu Mensch treten nicht auf", so das Institut.

Das auf der Hondius übertragene Andesvirus komme in Europa nicht natürlich vor. In seltenen Fällen und bei sehr engem Kontakt könne hier aber eine Ansteckung von Mensch zu Mensch stattfinden.

Laut dem Robert Koch-Institut unterscheiden sich Infektionen mit den südamerikanischen Hantaviren deutlich von den in Deutschland vorkommenden Spezies.

"Während hierzulande überwiegend mildere Verläufe mit Nierenbeteiligung auftreten, können die südamerikanischen Hantaviren ein schweres pulmonales Krankheitsbild mit rascher Ver­schlechterung und hoher Letalität verursachen", heißt es.

Dennoch sei das Risiko für die Allgemeinbevölkerung in Europa durch das vom Kreuzfahrtschiff ausgehende Hantavirus "sehr gering", betont das RKI weiterhin.

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