Heute vor 52 Jahren, am 18. April 1974, eskalierte ein Banküberfall in Hamburg zu einem dramatischen Geiseldrama. Ein bewaffneter Täter hielt mehrere Menschen in einer Filiale der Commerzbank stundenlang in seiner Gewalt - ein Polizeibeamter starb.
Aufsehenerregende Ereignisse und vieles mehr gibt es unter heute vor ... Jahren.
Kurz nach 12 Uhr betrat der kolumbianische Staatsbürger Emilio Humberto Martin-Gonzales die Commerzbank-Filiale am Steindamm im Hamburger Stadtteil St. Georg. Mit zwei Pistolen und einem Messer bewaffnet, versuchte er, Bargeld zu erbeuten.
Als der Überfall nicht wie geplant verlief, eskalierte die Situation: Der Täter nahm mehrere Angestellte und Kunden der Bank als Geiseln.
Nachdem zwei Beamte der nächstgelegenen Polizeiwache kurz vor 12.30 Uhr die Filiale betreten hatten, kam es zu Schüssen. Dabei wurde der 34-jährige Polizist und Familienvater Uwe Faden tödlich getroffen, sein Kollege wurde verletzt.
Anschließend verschanzte sich Gonzales in der Bank - mit sieben Geiseln in seiner Gewalt. Um 12.35 Uhr meldete er sich bei der Polizeizentrale unter der Notrufnummer 110. Seine Forderung: ein Fluchtfahrzeug.
Mehrstündige Geiselnahme und Polizeieinsatz
Die Polizei aus Hamburg leitete einen Großeinsatz ein und sperrte den Bereich rund um die Bank weiträumig ab. Spezialkräfte des Mobilen Einsatzkommandos (MEK) wurden hinzugezogen, um die Lage unter Kontrolle zu bringen. Über mehrere Stunden hinweg versuchten Einsatzkräfte, eine Lösung zu finden und die Geiseln möglichst unverletzt zu befreien.
Nach einem weiteren Drohanruf des Täters, in dem er mit der Tötung der Geiseln drohte, entschied die Hamburger Polizei, dass das MEK den finalen Rettungsschuss ausführen sollte.
Alle anderen Einsatzkräfte durften keine Waffen einsetzen, sobald der Täter die Bank verließ.
Schon gewusst? Die rechtliche Grundlage für diesen gezielten Eingriff war 1973 in Deutschland geschaffen worden. Beim sogenannten finalen Rettungsschuss handelt es sich um eine Maßnahme, bei der Polizeibeamte tödliche Gewalt bzw. Waffen einsetzen dürfen, um das Leben von Geiseln oder unbeteiligten Personen zu schützen.
Zugriff der Polizei
Im Verlauf der Verhandlungen versuchte der Täter schließlich, mit einer männlichen Geisel als Schutzschild das Gebäude zu verlassen, um mit einem Fahrzeug zu fliehen. Dabei hielt er ein Messer an den Hals der Geisel und führte gleichzeitig eine Schusswaffe mit sich.
Als sich der Täter mit der Geisel außerhalb der Bank befand, griffen die eingesetzten Spezialkräfte ein. Acht Schüsse aus kurzer Distanz trafen den Täter in Kopf und Brust, wobei auch die Geisel durch Gonzales verletzt wurde.
Alle anderen Geiseln konnten anschließend befreit werden. Der Geiselnehmer verstarb wenig später.
Originalaufnahme des Eingriffs der Spezialeinheit (ohne Ton)
Übrigens: Eine Dauerausstellung im Polizeimuseum Hamburg dokumentiert den Fall ausführlich und zeigt unter anderem Originalaufnahmen des Überfalls sowie verschiedenes Beweismaterial.
Der Banküberfall vom 18. April 1974 gehört bis heute zu den bekanntesten Geiseldramen Deutschlands und ging als einer der ersten dokumentierten Fälle eines finalen Rettungsschusses in die deutsche Polizeigeschichte ein.
Die Ereignisse führten später zu einer intensiveren Auseinandersetzung mit Einsatzstrategien bei Geiselnahmen und beeinflussten die Entwicklung polizeilicher Spezialeinheiten.