Heute vor 54 Jahren: 17-tägige Entführung von Aldi-Gründer beginnt

Heute vor 54 Jahren, am 29. November 1971, wurde Aldi-Mitgründer Theo Albrecht in Essen entführt. Das Ereignis entwickelte sich zu einem der bekanntesten Kriminalfälle der deutschen Wirtschaftsgeschichte.

Aufsehenerregende Ereignisse und vieles mehr gibt es unter Heute vor ... Jahren.

Theo Albrecht (1922 bis 2010) war ein deutscher Unternehmer und Gründer von Aldi Nord.
Theo Albrecht (1922 bis 2010) war ein deutscher Unternehmer und Gründer von Aldi Nord.  © Roland Scheidemann/dpa

Wie gewohnt verließ Theo Albrecht am 29. November 1971 seinen Arbeitsplatz in der damaligen Hauptverwaltung von Aldi-Nord in Herten bei Essen. Auf dem Weg zu seinem Auto wurde er jedoch überwältigt und in ein vorbereitetes Versteck in Düsseldorf entführt.

Deutschland befand sich mitten im wirtschaftlichen Aufschwung, und Aldi war bereits zu einer starken Marke geworden - ein Umstand, der die Albrecht-Geschwister Theo und Karl zur Zielscheibe machte. Die Wahl fiel letztlich auf den jüngeren der beiden Brüder.

Die Entführer: der verschuldete Rechtsanwalt Heinz-Joachim Ollenburg und der bereits vorbestrafte Paul Kron.

Heute vor 20 Jahren: Ein neues Gesicht dank Premiere in der Medizin
Heute vor ... Jahren Heute vor 20 Jahren: Ein neues Gesicht dank Premiere in der Medizin

Weil sich die Täter nicht sicher waren, ob es sich bei dem unscheinbar aussehenden Mann wirklich um den superreichen Unternehmer Theo Albrecht handelte, ließen sie sich angeblich erst den Personalausweis vorzeigen.

Lösegeldforderung und Freilassung

Kurz nach dem Verbrechen forderten die Entführer ein Lösegeld von 7 Millionen DM - eine der höchsten Forderungen in der Bundesrepublik zur damaligen Zeit.

Die Kommunikation mit den Tätern gestaltete sich allerdings schwierig, da diese sich nur per Brief oder Telefon meldeten. Polizei und Angehörige arbeiteten jedoch eng zusammen, um die Risiken für den entführten Aldi-Gründer gering zu halten.

Die Ermittler folgten dabei einer Strategie, die mögliche Eskalationen vermeiden sollte.

Nach 17 Tagen kam Theo Albrecht am 16. Dezember 1971 frei, nachdem das Lösegeld übergeben worden war. Dazu hatte sich der Essener Bischof Franz Hengsbach bereit erklärt. Gemäß Vereinbarung blieb Albrecht noch 24 Stunden in der Obhut des Geistlichen, bevor er am 17. Dezember zu seiner Familie zurückkehren durfte.

Die Entführer wurden nur wenige Tage später gefasst und vom Essener Landgericht 1973 zu einer Freiheitsstrafe von jeweils achteinhalb Jahren verurteilt.

Etwa die Hälfte der Lösegeldsumme konnte nicht sichergestellt werden und gilt bis heute als verschwunden - ein Detail, das die Aldi-Entführung bis dato mysteriös macht.

Hintergrundwissen: 1979 klagte Theo Albrecht vor dem Finanzgericht Münster, um das Lösegeld steuerlich geltend zu machen, hatte damit jedoch nur teilweise Erfolg. Die Richter werteten die Entführung als Privatsache, gestanden ihm aber zu, den verschwundenen Teil des Lösegelds als außergewöhnliche Belastung abzusetzen.

Bedeutung für Öffentlichkeit und die Aldi-Familie

Der Fall führte bei Unternehmen und privaten Unternehmerfamilien in Deutschland zu verstärkten Sicherheitsmaßnahmen. Für Aldi selbst blieb die Entführung ein einschneidendes Ereignis, das die ohnehin zurückhaltende Kommunikationsstrategie weiter festigte.

Theo Albrecht sprach zeit seines Lebens kaum über die Entführung. Die Erfahrung prägte jedoch seine noch stärkere Rückzugshaltung.

Titelfoto: Roland Scheidemann/dpa

Mehr zum Thema Heute vor ... Jahren: