Heute vor 160 Jahren, am 29. Juni 1866, wurde ein Zirkuselefant während des Gastspiels eines US-amerikanischen Wanderzirkus mit einer Kanone getötet. Was wie eine Legende klingt, passierte damals tatsächlich in der Kleinstadt Murten (Schweiz).
Kuriose sowie bewegende Ereignisse aus der Vergangenheit gibt es hier: heute vor ... Jahren.
Im Juni 1866 gastierte der amerikanische Wanderzirkus Bell & Myers in Murten. Zu den Attraktionen gehörte ein asiatischer Elefantenbulle.
Während des Aufenthalts soll das Tier zunehmend aggressives Verhalten gezeigt haben, bis die Situation eskalierte: Der Elefant befreite sich von seinen Fesseln, tötete seinen langjährigen Pfleger, verließ seine Unterkunft und sorgte anschließend für Panik in der Stadt.
Berichte aus jener Zeit beschreiben, dass die Einwohner kaum Möglichkeiten hatten, sich vor dem mehrere Tonnen schweren Wildtier zu schützen, geschweige denn es zu beruhigen. Betäubungsgewehre oder moderne Sicherheitskonzepte existierten damals noch nicht.
Erst nach geraumer Zeit gelang es, das Tier bei der Verfolgungsjagd durch die Stadt wieder einzufangen. Schließlich entschied der Gemeinderat gemeinsam mit den Verantwortlichen des Zirkus, den Elefanten zu töten.
Zunächst wurden eine Liquidierung durch das Gewehr oder eine Vergiftung in Betracht gezogen - diese Methoden versprachen jedoch wenig Erfolg.
Stattdessen kam eine sogenannte Sechspfünder-Kanone zum Einsatz, die man Hals über Kopf im naheliegenden Freiburg angefordert hatte. Erst der Kanonenschuss stoppte den Elefanten, und er starb.
Warum geriet der Elefant derart außer Kontrolle?
Warum der Elefant seinen Wärter tötete, ist nicht vollständig geklärt. Historiker und Tierexpertinnen vermuten heute, dass das Tier möglicherweise in der sogenannten Musth war.
Dabei handelt es sich um eine hormonelle Phase bei männlichen Elefanten, die mit stark erhöhtem Testosteronspiegel und aggressivem Verhalten verbunden sein kann. In dieser Zeit gelten selbst normalerweise ruhige Tiere als schwer kontrollierbar.
Sicher belegt ist diese Ursache allerdings nicht.
Nach dem Vorfall wurde das Tier verwertet - ein im 19. Jahrhundert üblicher Vorgang. Das Fleisch wurde zum Verzehr an die Bevölkerung verkauft. Haut und Knochen wurden präpariert, um den Elefanten später gewinnbringend ausstellen zu können.
Teile des Skeletts befinden sich bis heute im Naturhistorisches Museum Bern. In Murten selbst erinnert unter anderem die sogenannte Elefantengasse an den Vorfall von 1866.