Ein schlafender Kaiser im Berg, ein Monument der Macht und eine Einweihung heute vor 130 Jahren, am 18. Juni 1896: Das Kyffhäuser-Denkmal verbindet Geschichte und Sage wie kaum ein anderer Ort in Deutschland.
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Das Kyffhäuser-Denkmal (offiziell: Kaiser-Wilhelm-Nationaldenkmal) wurde am 18. Juni 1896 feierlich eingeweiht. Es entstand im Zuge eines Denkmalkults, der nach dem Tod von Kaiser Wilhelm I. im Jahr 1888 im gesamten Deutschen Kaiserreich einsetzte.
Ziel war es, zentrale Orte der Erinnerung zu schaffen, die die politische Einheit des 1871 gegründeten Nationalstaats sichtbar machten.
Das Denkmal verbindet bewusst zwei Epochen deutscher Geschichte. Während das Reiterstandbild von Wilhelm I. (1797 bis 1888) im eigentlichen Denkmalsturm das neue Kaiserreich repräsentiert, verweist die im Sockelbereich in einem grottenähnlichen Innenhof befindliche Figur von Friedrich I. (um 1122 bis 1190), auch Barbarossa (ital. Rotbart) genannt, auf das mittelalterliche Heilige Römische Reich.
Die Gestaltung der Anlage greift bewusst die mittelalterliche Kyffhäusersage auf: Barbarossa soll im Berg schlafen und erst zurückkehren, wenn Deutschland wieder geeint ist. Im Denkmal ist er als ruhende Figur mit langem Bart dargestellt. Diese Legende wurde im 19. Jahrhundert gezielt genutzt, um eine Verbindung zwischen dem mittelalterlichen Reich und dem damaligen Nationalstaat herzustellen.
Kaiser Wilhelm I. wird sozusagen als Nachfolger von Friedrich Barbarossa dargestellt, der die lange erwartete Einigung des Reiches vollendet und somit die Barbarossasage erfüllt und Rotbart erlöst hatte.
Architektur zwischen Burg und Nationaldenkmal
Das Monument wurde auf den Ruinen der ehemaligen Reichsburg Kyffhausen im Kyffhäusergebirge (Thüringen) errichtet. Mit einer Höhe von rund 81 Metern zählt es zu den größten Denkmälern seiner Zeit. Die Bauweise verbindet Elemente einer mittelalterlichen Burg mit der monumentalen Architektur des späten 19. Jahrhunderts. Als Baumaterial kam der regional vorkommende rote Kyffhäuser-Sandstein zum Einsatz. Die hervorgehobene Lage verstärkt die visuelle Wirkung zusätzlich.
Das Kyffhäuser-Denkmal ist nach dem Völkerschlachtdenkmal in Leipzig das zweitgrößte Nationaldenkmal Deutschlands und nur noch eins der wenigen von ursprünglich über 300 erbauten Kaiser-Wilhelm-Denkmälern.
Heute ist das Kyffhäuser-Denkmal ein bedeutendes Kulturdenkmal und vor allem auch ein beliebtes Ausflugsziel. Besucher und Besucherinnen können die Anlage besichtigen und den Turm besteigen. Die Mischung aus Geschichte und Sage machte den Ort im Laufe der Zeit zu einem bekannten Wahrzeichen in Thüringen.