Heute vor 82 Jahren, am 10. Juni 1944, wurde das französische Dorf Oradour-sur-Glane zum Schauplatz eines der schwersten Kriegsverbrechen in Westeuropa während des Zweiten Weltkrieges. Innerhalb weniger Stunden töteten Soldaten der Waffen-SS mehr als 600 Menschen, darunter viele Frauen und Kinder.
Welche historischen Momente sich außerdem jähren, erfährst Du hier: heute vor ... Jahren.
Das Ereignis passierte wenige Tage nach der alliierten Landung in der Normandie. Deutsche Truppen bewegten sich durch Frankreich und gingen verstärkt gegen Widerstandskämpfer vor.
Die 2. SS-Panzerdivision "Das Reich" war dabei für zahlreiche Gewaltmaßnahmen und Kriegsverbrechen gegen die Zivilbevölkerung verantwortlich.
Bereits einen Tag zuvor, am 9. Juni, hatten die Soldaten in der Stadt Tulle 99 willkürlich ausgewählte Zivilisten als Racheaktion auf einen vorangegangenen militärischen Erfolg französischer Widerstandskämpfer erhängt.
Am 10. Juni 1944 erreichten die SS-Männer das Dorf Oradour-sur-Glane, das von ihnen umstellt und abgeriegelt wurde.
Alle Bewohner sowie aufgespürte Menschen aus der Umgebung wurden auf dem Marktplatz zusammen getrieben.
Das Massaker an den Männern, Frauen und Kindern
Die Männer wurden von den Frauen und Kindern getrennt und in mehrere Scheunen gebracht. Kurz darauf fielen Schüsse - die versammelten Männer wurden getötet, Überlebende aus nächster Nähe erschossen. Um spätere Identifizierungen unmöglich zu machen, verbrannten die SS-Soldaten anschließend die Körper.
Frauen und Kinder waren derweil in der Dorfkirche eingesperrt. Dort wurde eine Rauchbombe gezündet, wodurch sich erstickender Qualm und starke Hitze entwickelten. Gleichzeitig schossen die SS-Männer auf fliehende Personen und warfen Handgranaten in das Gebäude. Schließlich wurde die Kirche in Brand gesteckt, wobei fast alle Eingeschlossenen starben.
Nach dem Massaker an den Einwohnern plünderten die Täter sämtliche Häuser und brannten das Dorf daraufhin nieder. Letztlich wurden in Oradour 642 Menschen ermordet, darunter mehr als 200 Kinder.
Unzureichende Strafverfolgung
Für das Massaker von Oradour wurden nur wenige Täter bestraft. 1953 verurteilte ein Militärgericht in Bordeaux zwar 21 SS-Angehörige, doch viele - vor allem zwangsrekrutierte Elsässer - wurden kurz darauf von ihrer Schuld befreit, andere bis 1959 aus der Haft entlassen.
Zentrale Verantwortliche entgingen der Justiz: Adolf Diekmann, Befehlsgeber der Mordaktion, fiel 1944 im Krieg. Heinz Lammerding, Generalleutnant der SS-Division, wurde zwar in Frankreich verurteilt, aber nie ausgeliefert und lebte unbehelligt in Deutschland.
Spätere Abkommen ermöglichten zwar weitere Verfahren, kamen für die Haupttäter jedoch zu spät.
Ein Verbrechen im Kontext des Krieges
Als mögliches Motiv wird eine Vergeltungsmaßnahme im Zusammenhang mit Aktivitäten französischer Widerstandskämpfer diskutiert. Ein eindeutiger direkter Anlass in Oradour-sur-Glane selbst ist jedoch historisch nicht belegt. Die Tat wird im Zusammenhang von Unterdrückung und Abschreckung durch deutsche Besatzungstruppen eingeordnet.
Das Massaker von Oradour steht bis heute für die Gewalt gegen Zivilisten im Zweiten Weltkrieg und für die Folgen von Krieg, die ganze Orte auslöschen können. Die Ruinen sind immer noch erhalten. Das zerstörte Dorf wurde nicht wieder aufgebaut, sondern dient als Gedenkstätte. Ein neues Oradour entstand in unmittelbarer Nähe.