Harte Prozesse zum Jahresstart: Mörder und Terroristen vor Gericht

Dresden/Cottbus - Die Justiz startet das neue Jahr gleich mit mehreren Großprozessen. Die Fälle sorgten in den vergangenen Monaten bundesweit für Trauer und Entsetzen. Jetzt stehen die mutmaßlichen Täter vor Gericht. Nicht jeder muss mit Strafe rechnen.

Auf der Party-Wiese wurde kurz nach der Tat eine kleine Gedenkstelle für Emma (†21) eingerichtet.  © Steffen Füssel

Ab kommenden Mittwoch beschäftigt sich die Große Jugendkammer am Landgericht Dresden mit Bela L. (16). Dem Schüler wirft der Staatsanwalt Mord vor. Im Mai soll er am Rande einer illegalen Techno-Party in der Laußnitzer Heide seine Freundin Emma (†21) mit zahlreichen Messerstichen getötet haben.

Damals löste die Polizei die Party gerade auf, als der blutverschmierte Bela ihnen völlig verwirrt entgegenkam. Wenig später wurde der Leichnam von Emma entdeckt.

Ihr gewaltsamer Tod wühlte die Szene auf, die sogar ihre Scheu gegenüber der Polizei aufgab: Zahlreiche Hinweise und Aussagen halfen, den Fall aufzuklären. Bela, der sich an nichts erinnert, ist seither in der Psychiatrie untergebracht.

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Er leidet an einer schweren psychischen Krankheit, soll laut Antragsschrift damals massiv unter Drogen gestanden haben. Daher geht der Staatsanwalt von einer Schuldunfähigkeit aus. Nun soll er dauerhaft eingewiesen werden. Die Kammer will sieben Tage nicht öffentlich verhandeln, ehe das Urteil Ende Februar fällt.

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27-Jährigem wird Mord an Oberkommissar Maximilian Stoppa (†32) vorgeworfen

Weit über tausend Kollegen kamen zum Trauermarsch in Gedenken an Oberkommissar Maximilian Stoppa (†32) nach Dresden.  © Robert Michael/dpa

Am 14. Januar wenden nicht nur Sachsens Polizisten den Blick nach Cottbus. Am dortigen Landgericht beginnt dann der Prozess gegen einen 27-jährigen Autodieb. Der hatte vor einem Jahr in Lauchhammer Oberkommissar Maximilian Stoppa (†32) überfahren. Die Anklage lautet auf Mord.

Der erfahrene und engagierte Ermittler der Gemeinsamen Fahndungsgruppe Dresden (GFG) rollte gerade einen "Stopp-Stick" aus, um den geklauten Volkswagen auszubremsen. Doch der Wagen erfasste den Beamten, der noch am Unfallort starb.

Laut Anklage beging der Todesfahrer den Mord in Verdeckungsabsicht. Er wollte verhindern, dass seine Beteiligung an einer Autoknacker-Bande bekannt wird. Der Angeklagte ist aber kein Unbekannter für die Justiz. Er ist wegen Autodiebstahl bereits vorbestraft.

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Der Tod Stoppas bewegt seine Kollegen bis heute. Damals nahmen über 1000 Polizisten am Trauermarsch teil, wurden mehr als 215.000 Euro Spenden für seine Hinterbliebenen gesammelt. Auf dem Gelände der Polizei wurde ihm zu Ehren eine Amerikanische Roteiche gepflanzt.

Zahlreiche Mitstreiter seiner Einheit wollen zum Prozess kommen. Ein Urteil soll im März ergehen.

Monatelanger Prozess gegen "Sächsische Separatisten" erwartet

Die beschuldigten mutmaßlichen Mitglieder der "Sächsischen Separatisten" befinden sich in U-Haft.  © Rene Priebe/dpa

Im Februar will das Oberlandesgericht Dresden den Prozess gegen acht mutmaßliche Mitglieder der militanten Neonazi-Gruppe "Sächsische Separatisten" beginnen.

Die Männer (alle in U-Haft), sollen sich "wegen Beteiligung an einer terroristischen Vereinigung und Vorbereitung eines hochverräterischen Unternehmens" verantworten.

Laut Anklage wurde die Gruppe 2020 gegründet. Überzeugt davon, dass ein "Tag X" bevorstehe, an dem der Zusammenbruch Deutschlands erfolge. Dann hätten sie einen großen Teil Sachsens erobern und einen an der Ideologie des Nationalsozialismus ausgerichteten Staat errichten wollen.

Der Prozess dürfte sich über Monate ziehen.

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