Holtgast - In der vergangenen Woche hatte ein mysteriöser Polizeieinsatz in Ostfriesland für Aufsehen gesorgt. Dabei sollen auch Leichenteile gefunden worden sein. Nun brachte die Polizei ein bisschen Licht ins Dunkle.
Wie aus einer Mitteilung der Polizei und der Staatsanwaltschaft vom Dienstag hervorgeht, wird gegen eine 60 Jahre alte Frau sowie deren beiden Söhne (30 und 34) wegen des Verdachts eines Tötungsdeliktes ermittelt. Bei dem Opfer soll es sich um einen 59-Jährigen aus Weißrussland handeln.
Fast zeitgleich hatten Angehörige aus dem Sauerland wie auch die Frau und die Tochter des Mannes bei der Polizei eine Vermisstenanzeige aufgegeben. Weil er in Lüdenscheid gemeldet war, hatte die dort ansässige Polizei zunächst die Ermittlungen übernommen.
Wie sich herausstellte, war der Vermisste Ende Januar von Minsk aus über Vilnius, Warschau und Hamburg nach Ostfriesland zu einer Familie in Holtgast gereist. Über den gleichen Weg wollte er wenige Tage später, am 31. Januar, nach Weißrussland zu seiner Familie zurückreisen.
Laut Sprecher fanden die Bundespolizei und die Behörden in Minsk aber heraus, dass er die geplante Rückreise nicht angetreten hatte. Zunächst hatte es auch keinerlei Hinweise auf seinen Aufenthaltsort gegeben.
Im Zuge der Ermittlungen kamen aber Zweifel an den Darstellungen einer Familie aus Holtgast auf. Das Opfer und die Tatverdächtigen kannten sich aus früheren Zeiten aus dem Sauerland, daher hatte er sie bei familiären Angelegenheiten unterstützt und war Betreuer des 34-jährigen Sohnes.
Bei dieser Betreuung soll es allerdings zu einer Veruntreuung von Geldern gekommen sein, was auch zu strafrechtlichen Ermittlungen gegen den Vermissten geführt hatte. Daher war das spätere Opfer sogar zur Festnahme ausgeschrieben.
59-Jährige wird durch massive Gewalteinwirkung getötet
Aufgrund dieser Erkenntnisse war gegen die Familie ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts eines Tötungsdelikts eingeleitet worden. Zudem war im September 2025 in Aurich/Wittmund eine Mordkommission eingerichtet worden.
Im Zuge der monatelangen Ermittlungen erhärtete sich der Verdacht gegen die Frau und die zwei Männer. Daher wurden in der vergangenen Woche über mehrere Tage hinweg vier Grundstücke in der Gemeinde Holtgast durchsucht. Unterstützt wurden die deutschen Beamten dabei von niederländischen Kollegen, die auf Bodenuntersuchungen spezialisiert waren. Auch Leichenspürhunde waren zum Einsatz gekommen.
Schließlich konnten die Spezialisten auf einem Grundstück in Fulkum eine Auffälligkeit im Erdreich feststellen. Nach ersten Grabungen schlugen die Spürhunde an, woraufhin die Grabungen fortgesetzt worden. Dabei wurde eine männliche Leiche entdeckt. Die Bergung war sehr aufwendig und dauerte bis in die Nacht an.
Über die Ostertage wurde der Leichnam in der Rechtsmedizin untersucht. Mit dem Ergebnis, dass es sich dabei um den 59-Jährigen handelte. Die Angehörigen wurden über den Fund informiert und erlangten traurige Gewissheit.
Laut Obduktion soll der Mann durch massive Gewalteinwirkung gestorben sein. Bei den Durchsuchungen der Objekte stellte die Polizei zahlreiche Spurenträger und Gegenstände sicher.
Die drei Tatverdächtigen wurden vorläufig festgenommen. Während der 30-Jährige wegen des Verdacht des Mordes in U-Haft sitzt, wurden sein Bruder und seine Mutter weiter entlassen. Die Ermittlungen zu dem komplexen Fall dauern weiterhin an.