Trauriger Trend in Baden-Württemberg: Zahl der Kindesmissbrauchs-Fälle wächst
Von Nico Pointner
Stuttgart - Die sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche im Südwesten nimmt weiter zu. Die Zahl der Missbrauchsfälle wuchs im vergangenen Jahr laut Kriminalstatistik von 1719 auf 1775 Delikte an.
Dieser Trend werde sich auch 2026 fortsetzen, teilte das Landeskriminalamt der Deutschen Presse-Agentur auf Anfrage mit. Die Tendenz zeige weiterhin nach oben.
Seit 2020 steigt diese Zahl der Missbrauchsfälle in Baden-Württemberg mit jedem Jahr weiter in die Höhe. Vor zehn Jahren, 2016, wurden noch 1174 Delikte erfasst. Seither nahm die Zahl um rund 51 Prozent zu.
Auch beim Missbrauch von Jugendlichen registriert die Polizei mehr Fälle. Im vergangenen Jahr stieg die Zahl im Vergleich zum Vorjahr um rund 17 Prozent auf 88 Delikte. Nach Einschätzung des Landeskriminalamts werden auch diese Fallzahlen im laufenden Jahr weiter zunehmen.
Eine gegenläufige Entwicklung zeigt sich dagegen bei der Herstellung, Verbreitung und dem Erwerb kinderpornografischer Darstellungen. Die Zahl der registrierten Fälle sank im vergangenen Jahr um 15,6 Prozent auf 4186. Auch für das laufende Jahr rechnen die Ermittler mit einem weiteren Rückgang.
Sprunghaft gestiegen sind hingegen die Fälle sexueller Ausbeutung von Minderjährigen. So registrierte das Landeskriminalamt 2025 insgesamt 47 Delikte des schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern in Verbindung mit der Herstellung und Verbreitung pornografischer Inhalte. Im Vorjahr waren es in diesem Bereich noch acht Fälle gewesen.
Fast täglich Fälle in den Schlagzeilen
Nachrichten über Missbrauchsfälle sind auch im Südwesten beinahe täglich zu lesen. Erst vor wenigen Tagen wurde ein 33-jähriger Mann aus der Nähe von Heidelberg zu fast vier Jahren Haft verurteilt, weil er über das Internet mehr als 20 Mädchen sexuell missbraucht haben soll.
Anfang Juli wurde ein 53 Jahre alter Tagesvater aus dem Rems-Murr-Kreis in Stuttgart zu neuneinhalb Jahren Haft verurteilt. Er soll ihm anvertraute Kinder über Jahre hinweg vielfach schwer sexuell missbraucht haben.
Digitale Tatformen und Künstliche Intelligenz hätten laut Bundeskriminalamt zunehmend Einfluss auf den sexuellen Missbrauch an Minderjährigen. Immer mehr Delikte würden online und ohne körperlichen Kontakt begangen.
Vom BKA hieß es, Künstliche Intelligenz eröffne neue Tatmöglichkeiten oder erleichtere sie. Reale Inhalte könnten ohne besonderes Fachwissen manipuliert oder neue Darstellungen vollständig künstlich erzeugt werden.
Titelfoto: Bildmontage: Julian Stratenschulte/dpa, Annette Riedl/dpa

