Coronavirus in NRW: Bund will schneller reagieren und mehr testen

Köln – In NRW konnten einige Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus Covid-19 zuletzt wieder gelockert werden. Wir geben einen Überblick auf die aktuellen Entwicklungen in der Corona-Krise in NRW.

In NRW sind Hochzeiten mit bis zu 150 Gästen wieder erlaubt.
In NRW sind Hochzeiten mit bis zu 150 Gästen wieder erlaubt.  © Uwe Anspach/dpa

Ab diesem Mittwoch (15. Juli) treten in NRW weitere Lockerungen in Kraft. Zum einen werden Hochzeiten mit bis zu 150 Gästen wieder erlaubt.

Bei Kultur- und sonstigen Veranstaltungen wird der Schwellenwert, ab dem ein Hygienekonzept notwendig ist, von 100 auf 300 Personen angehoben. Die Personenbegrenzung beim Kontaktsport in der Halle wird von zehn auf 30 Personen erhöht. Auch die zulässige Zuschauerzahl wird von 100 auf 300 erhöht.

Änderungen gibt es den Angaben nach auch zur Einreise aus Corona-Risikogebieten: Beschäftigte aus kritischen Infrastrukturen würden nach der Rückreise vom Sommerurlaub oder Verwandtenbesuch aus einem Risikogebiet nicht mehr automatisch von der Quarantänepflicht ausgenommen, sondern nur nach einem negativen Test. Damit werde ausreichenden Testkapazitäten Rechnung getragen.

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Update, 14. Juli, 12.45 Uhr: Mit "Corona-Masche" 27.000 Euro von älterem Ehepaar ergaunert

Mit einer erfundenen Geschichte vom angeblich am Coronavirus erkrankten Sohn ist ein älteres Ehepaar in Ratingen bei Düsseldorf um 27.000 Euro gebracht worden. 

Nach Polizeiangaben von Dienstag hatte sich bei dem 85 und 80 Jahre alten Paar eine Anruferin als Schwiegertochter ausgegeben und behauptet, der Sohn liege im Krankenhaus und brauche für die Behandlung eine teure Spritze. 

Auch sie - die angebliche Schwiegertochter - solle sich spritzen lassen. Das betagte Paar ging zur Bank und hob das Geld ab. Eine Frau, die sich als Geldbotin der Klinik ausgab, holte die 27.000 Euro dann bei den Senioren ab. 

Erst als der echte Sohn später anrief, flog der Betrug auf. Die Polizei sucht nach Zeugen und warnt vor der neuen "Corona-Masche" der Trickbetrüger.

Update, 14. Juli, 12.35 Uhr: Corona-Hilfsprogramm der NRW.Bank für soziale Betriebe startet

Ob Krankenhäuser, Kitas oder Pflegeheime: Damit die systemrelevanten Einrichtungen die wirtschaftlichen Herausforderungen der Corona-Krise abfedern können, bietet die landeseigene NRW.Bank ab Mittwoch spezielles Kredite an. 

"Krankenhäuser, Kitas, Häfen oder Altenheime und Pflegezentren – dies sind Beispiele für Strukturen, die Wirtschaft und Gesellschaft tragen und infolge der Pandemie gerade jetzt Unterstützung brauchen", sagte der Vorstandsvorsitzende der NRW.Bank, Eckhard Forst, am Dienstag laut einer Mitteilung.

Einrichtungen dieser Art können ab dem 15. Juli Darlehen bis maximal 150 Millionen Euro beantragen, um ihre Betriebsmittel zu finanzieren, wenn es ihnen an Liquidität mangelt. Die jeweiligen Hausbanken erhalten dabei eine Haftungsfreistellung von 80 Prozent. Das Darlehen ist bis Ende 2020 befristet.

Förderberechtigt sind Unternehmen, die mindestens zur Hälfte von öffentlichen Gesellschaftern getragen werden - etwa Flughäfen oder Verkehrsgesellschaften oder Pflegedienste.

Update, 13. Juli, 21.36 Uhr: Bund will zielgenaueres Vorgehen bei regionalen Corona-Ausbrüchen

Helge Braun (CDU), Chef des Bundeskanzleramts und Bundesminister für besondere Aufgaben.
Helge Braun (CDU), Chef des Bundeskanzleramts und Bundesminister für besondere Aufgaben.  © Kay Nietfeld/dpa

Die Bundesregierung plant ein zielgenaueres Durchgreifen bei regionalen Corona-Ausbrüchen. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Montag nach einer Video-Schalte von Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) mit den Staatskanzlei-Chefs der Bundesländer.

Ziel sei es, schneller zu reagieren, mehr zu testen, auch solle es Ausreisebeschränkungen geben. Hintergrund sei, dass sich die Bundesländer untereinander mehr vertrauen sollen. Zuvor hatte die "Bild" über die Schalte zwischen Braun und den Staatskanzleien der Länder berichtet.

Nach dpa-Informationen hat es sich um einen ergebnisoffenen Meinungsaustausch über technische Anpassungen bestehender Regelungen gehandelt, es habe keine Beschlüsse gegeben.

In den nächsten Tagen dürfte es weitere Gespräche geben. Es wird aber voraussichtlich keine neue Runde zwischen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Ministerpräsidenten der Länder geben.

Zuletzt hatten mehr als 1000 positiv getestete Mitarbeiter des Fleischverarbeiters Tönnies in Nordrhein-Westfalen zu regionalen Einschränkungen im öffentlichen Leben in den Kreisen Gütersloh und Warendorf geführt.

Betroffen waren zeitweise rund 640 000 Einwohner. Mehrere Bundesländer verhängten Beherbergungsverbote für Menschen aus beiden Kreisen. Inzwischen sind die Auflagen in beiden Kreisen wieder aufgehoben.

Bund und Länder hatten Anfang Mai in der Corona-Krise vereinbart, dass Beschränkungen erlassen werden, wenn in einem Kreis die Anzahl der Corona-Neuinfektionen den Grenzwert von 50 pro 100 000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen übersteigt.

Update, 13. Juli, 19.53 Uhr: Moerser Betrieb darf Dönerproduktion wieder aufnehmen

Bei der Öztas Dönerfleischproduktion hatte es im Juni einen Corona-Ausbruch gegeben.
Bei der Öztas Dönerfleischproduktion hatte es im Juni einen Corona-Ausbruch gegeben.  © Fabian Strauch/dpa

Der Moerser Dönerfleischhersteller Öztas am Niederrhein darf nach einem Corona-Ausbruch und einer rund zweiwöchigen Schließung die Produktion wieder starten.

Dem Betrieb werde ab Dienstag unter strengen Auflagen die Wiederaufnahme der Produktion gestattet, teilte der Kreis Wesel am Montagabend mit. Die Auflagen durch die Behörden beziehen sich demnach auf "organisatorische Aspekte" und vor allem auf den Arbeitsschutz.

Zudem seien Vorgaben zum Einsatz der Beschäftigten gemacht worden: Die Mitarbeiterzahl in der Produktion werde sukzessive aufgestockt beginnend mit maximal je 50 Beschäftigten in zwei Schichten.

Vor Aufnahme der Arbeit müsse ein negatives Testergebnis vorliegen. Entsprechend der Landesverordnung für die Fleischindustrie werde das Unternehmen alle Beschäftigten zwei Mal pro Woche testen lassen.

Das Unternehmen Öztas hatte am 24. Juni nach dem Bekanntwerden der ersten 17 positiven Tests den Betrieb im Moerser Werk weitgehend eingestellt. Wenige Tage später begann nach früheren Angaben des Unternehmens die vorübergehende Werksschließung.

Wie der Kreis Wesel zwischenzeitlich mitgeteilt hatte, waren insgesamt 82 Mitarbeiter nachweislich infiziert. Die Belegschaft umfasst rund 275 Mitarbeiter.

Bei einer erneuten Reihentestung bisher negativ getesteter Mitarbeiter des Unternehmens am vergangenen Donnerstag fielen sechs Testergebnisse positiv aus, wie der Kreis am Montagabend weiter mitteilte.

Sie werden auf Ansteckungen vor der Betriebsschließung zurückgeführt. Die Mitarbeiter sind nach früheren Angaben beim Unternehmen fest angestellt und wohnten nicht in Massenunterkünften.

Update, 13. Juli, 15.16 Uhr: Hygiene-Experten testen neue Filtertechnik bei Tönnies

Tönnies-Werk in Rheda-Wiedenbrück. (Archivfoto)
Tönnies-Werk in Rheda-Wiedenbrück. (Archivfoto)  © Guido Kirchner/dpa

Am Tönnies-Stammwerk in Rheda-Wiedenbrück haben Hygiene-Experten der Uni Bonn eine neue Filtertechnik der Klimaanlage getestet.

Die Wissenschaftler machten dabei am Montag den von einer Umluftanlage gekühlten Luftstrom in der Zerlegung von Deutschlands größtem Schlachtbetrieb mit Rauch sichtbar. Behördenmitarbeiter begleiteten den Test der Anlage.

Am Wochenende war die neue Technik, mit der eine Ausbreitung des Coronavirus verhindert werden soll, eingebaut worden. Ein Ergebnis lag nach Angaben des Kreises Gütersloh am Montag noch nicht vor.

Bei Tönnies hatten sich rund 1400 Arbeiter nachweislich mit dem Virus infiziert. Bei der Suche nach der Ursache hatte eine erste Analyse den Verdacht auf die Umluftanlage gelenkt.

Mit deren Hilfe wird die wärmere Atemluft der körperlich hart arbeitenden Beschäftigten abgesaugt, auf 6 bis 10 Grad gekühlt und bislang ohne Filter zurück in die Produktion geführt.

Der Bonner Wissenschaftler Martin Exner hatte die Luftumwälzung in dem noch vorläufig bis zum 17. Juli geschlossenen Werk als einen möglichen Faktor für die Virus-Ausbreitung benannt.

Update, 13. Juli, 14.12 Uhr: Sondersitzung im Landtag zu "Schweine-Stau" nach Schlachthof-Pause

Der "Schweine-Stau" in den Mastbetrieben nach Corona-bedingten Schließungen von Schlachthöfen beschäftigt am Freitag den nordrhein-westfälischen Landtag.

In einer Sondersitzung des Landwirtschaftsausschusses will die SPD-Opposition Antworten von der Landesregierung, was nun mit den Tieren geschehen solle.

Die Landtagsverwaltung bestätigte auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur in Düsseldorf am Montag den außerordentlichen Termin.

Die zunehmende Enge in den Ställen führe dazu, dass das Tierwohl Tausender Schweine immer stärker eingeschränkt werde, hatte die SPD in der vergangenen Woche ihren Antrag begründet.

"Die Landwirte haben Klarheit und Antworten verdient, wie es in den kommenden Wochen weiter gehen soll", forderte der umweltpolitische Sprecher der Fraktion, André Stinka.

Der Engpass spitzt sich zu seit am 20. Juni am Hauptsitz des Branchen-Riesen Tönnies im ostwestfälischen Rheda-Wiedenbrück der Schlachtbetrieb nach massenhaften Corona-Infektionen Beschäftiger stillgelegt worden war.

Update, 13. Juli, 10.38 Uhr: Freiwilligenregister für Corona-Notlage startet

Ein Freiwilligenregister soll in einer Corona-Notlage viele Helfer aus Gesundheitsberufen in Nordrhein-Westfalen mobilisieren. 

Auf einem neuen Internetportal könnten sich Fachkräfte nun registrieren und Unterstützung für einen Corona-Versorgungsengpass anbieten, teilte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) am Montag in Düsseldorf mit. Der Appell richte sich etwa an Ärzte, Pfleger, medizinische Fachangestellte, aber auch an Verwaltungskräfte aus der Branche.

"Wichtig ist: Mit der Registrierung ist keine Verpflichtung verbunden", unterstrich Laumann. "Es geht zunächst nur um eine grundsätzliche Bereitschaft zur Unterstützung."

Der Präsident der Ärztekammer Nordrhein, Rudolf Henke, versicherte: "Unsere medizinischen Versorgungsstrukturen in Nordrhein-Westfalen sind aktuell nicht überfordert. Kein Patient muss auf akut notwendige Versorgung warten." Lokale Ausbrüche wie in Coesfeld oder Rheda-Wiedenbrück zeigten aber, dass in den kommenden Monaten immer wieder Unterstützung von freiwilligen medizinischen und pflegerischen Fachkräften vor Ort nötig werden könnte.

Hilfsbereitschaft komme durch das Freiwilligenregister genau da an, wo sie gebraucht werde, betonte auch der Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, Hans-Albert Gehle. Es sei wichtig, im Gesundheitswesen zusätzliche Versorgungsstrukturen zu sichern, um auch perspektivisch eine Überlastung des Gesundheits- und Pflegesystems durch die Corona-Pandemie zu verhindern.

Update, 13. Juli, 8.15 Uhr: 99 Prozent weniger Passagiere an NRW-Flughäfen im Mai 2020

Die Folgen der Corona-Krise haben auch an den NRW-Flughäfen deutliche Spuren hinterlassen. Wie das Statistische Landesamt am Montag mitteilte, flogen im Mai 2020 von den sechs größten Airports in NRW insgesamt nur 19.790 Passagiere ab. Das bedeutet im Vergleich zum Vorjahr einen Rückgang von 99 Prozent.

Etwa zwei Drittel der Fluggäste reisten ins Ausland.

Update, 13. Juli, 6.07 Uhr: Größere Hochzeitsfeiern wieder möglich

In NRW sind Hochzeiten mit bis zu 150 Gästen wieder erlaubt.
In NRW sind Hochzeiten mit bis zu 150 Gästen wieder erlaubt.  © Uwe Anspach/dpa

Hochzeiten in Nordrhein-Westfalen dürfen trotz Corona wieder in größeren Gesellschaften gefeiert werden: Statt bisher 50 dürfen frisch vermählte Paare mit bis zu 150 Gästen feiern. 

Das ist eine Änderung, die das nordrhein-westfälische Kabinett am Sonntag für die bis zum 11. August verlängerte Coronaschutzverordnung beschlossen hat. Diese neue Regelung gilt demnach auch für andere Feste aus besonderem Anlass wie Jubiläen, Tauf-, Geburtstags- oder Abschlussfeiern, wenn die Kontaktnachverfolgung sichergestellt wird, wie die Landesregierung mitteilte.

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) stellte fest: "Die nach wie vor positive landesweite Entwicklung der Zahlen eröffnet uns kleinere Spielräume, die wir für mehr Freiheiten verantwortungsvoll nutzen wollen." 

Er mahnte aber zu Wachsamkeit und verantwortungsvollem Verhalten. Die Pandemie sei noch nicht vorbei. Abstandsgebot, das Tragen einer Mund-Nase-Bedeckung und die Sicherstellung der Nachverfolgbarkeit der Infektionsketten seien weiterhin unerlässlich.

Bei Kultur- und sonstigen Veranstaltungen wird der Schwellenwert, ab dem ein Hygienekonzept notwendig ist, von 100 auf 300 Personen angehoben. Die Personenbegrenzung beim Kontaktsport in der Halle wird von zehn auf 30 Personen erhöht. Auch die zulässige Zuschauerzahl wird von 100 auf 300 erhöht.

Änderungen gibt es den Angaben nach auch zur Einreise aus Corona-Risikogebieten: Beschäftigte aus kritischen Infrastrukturen würden nach der Rückreise vom Sommerurlaub oder Verwandtenbesuch aus einem Risikogebiet nicht mehr automatisch von der Quarantänepflicht ausgenommen, sondern nur nach einem negativen Test. Damit werde ausreichenden Testkapazitäten Rechnung getragen.

Minister Laumann erklärte dazu: "Je mehr Freiheiten möglich sind, desto wichtiger ist es, dass wir infizierte Personen so schnell wie möglich durch Testungen erkannt und gegebenenfalls kurze Kontaktbeschränkungen aussprechen werden. Das gilt gerade bei größeren Infektionsrisiken wie dem Aufenthalt in einem Risikogebiet, was gerade jetzt in der Ferienzeit von besonderer Bedeutung ist."

Update, 12. Juli, 16.18 Uhr: Stadt Köln kontrolliert Gaststätten und Plätze

Sperrstunden ignoriert, überfüllte Bereiche vor den Gaststätten, schlechte Luft in den Gasträumen - Kölner Ordnungskräfte haben am Wochenende in Kölns großer Studentenmeile "Kwartier Latäng" bei Verstößen gegen die Corona-Regeln durchgegriffen.

Zahlreiche Gaststättenbetreiber hätten die Hygiene-Vorgaben missachtet, teilte die Stadt Köln am Sonntag mit. 

Titelfoto: Kay Nietfeld/dpa

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