Leipzig - Den Lebensunterhalt verdienen, indem man auf Katzen aufpasst? Was für viele nach Wunschdenken klingt, hat Kristin Vogel (40) Realität werden lassen: Mit ihrem "Tatzendienst" betreut die Leipzigerin seit drei Jahren die Katzen anderer. Das läuft inzwischen so erfolgreich, dass sie sogar über Mitarbeiter nachdenkt.
Jeden Abend plant Kristin Vogel die Route, auf der sie am nächsten Tag ihre Kunden betreut. "Ich fange morgens immer bei den Älteren an und denjenigen, die Medikamente benötigen, falls sie doch mal zum Arzt müssen. Danach kommen diejenigen, die nur einmal täglich besucht werden müssen, bei denen abends gegebenenfalls die Mutti oder jemand anderes nach dem Rechten schaut. Später folgt noch meine Abendrunde. Und sobald ich dann die Tür bei meinen Schützlingen öffne, ist das ganz individuell."
Was zunächst nach einem mobilen Pflegedienst klingt, ist tatsächlich etwas ganz Besonderes: Kristin Vogel hat in Leipzig eine mobile Katzenbetreuung ins Leben gerufen und verdient damit inzwischen ihren Lebensunterhalt. "Ich bin Katzensitterin aus Leidenschaft und habe den Tatzendienst gegründet", erklärt sie stolz.
Die Idee dazu sei ihr bereits vor einigen Jahren gekommen. Vogel, ursprünglich aus dem Erzgebirge und selbst Katzenbesitzerin, habe damals noch als Leiterin im Operativen Controlling für ein mittelständisches Unternehmen gearbeitet, Dienstreisen inklusive. "Ich hatte selber immer das Problem: Was mache ich mit meinen Katzen, wenn ich mal auf Dienstreise muss oder in den Urlaub will? Ich komme nicht aus Leipzig, da geht man ja nicht einfach zum Nachbarn."
Katzenpensionen und andere Angebote hätten ihren Samtpfoten nicht zugesagt. Gleichzeitig wuchs in der Tierfreundin, die sich auch ehrenamtlich engagiert, das Bedürfnis, etwas zu tun, womit sie anderen helfen kann. Als eines Tages Vogels Nachbarin ihre Hilfe anbot, die Katzen zu Hause zu betreuen, war die Idee geboren.
"Da habe ich gemerkt, wie entspannt meine Katzen waren, weil sie zu Hause bleiben konnten. All das hat schließlich dazu geführt, dass ich mir gesagt hab, ich muss das gründen."
400 Kunden betreut Kristin Vogel inzwischen pro Jahr
2023 startete Kristin Vogel den Tatzendienst zunächst als Nebenjob. "Ich wollte erstmal schauen, ob überhaupt der Bedarf da ist. Tatsächlich hätte ich im Leben nicht gedacht, dass es möglich wäre, daraus mal mein Standbein aufzubauen."
Die Katzensitterin aus Leidenschaft verteilte einige selbst gedruckte Flyer in ihrer Nachbarschaft. "Mein Mann fragte mich noch, wie ich mich melde, wenn jemand anruft. Da sagte ich, das wird vielleicht mal in ein paar Monaten passieren. Aber tatsächlich kam noch am selben Tag die erste Anfrage."
Von da an sei alles ziemlich schnell gegangen. "Innerhalb eines Jahres war ich hauptberuflich Katzensitterin."
Rund 400 Kunden betreue sie inzwischen, etwa wenn ihre Besitzer in den Urlaub fahren, auf Dienstreisen sind, ins Krankenhaus oder auch mal längere Schichten übernehmen müssen. "Ich zähle meine Kunden in Tatzen, und der Blumenstrauß ist da kunterbunt, was die Aufgaben und Bedürfnisse angeht."
Für Kristin Vogel dabei wichtig: einen guten Draht zueinander zu haben. "Ich treffe mich mit neuen Kunden immer auch erst mal zu einem unverbindlichen Kennenlernen, damit sie ein Gesicht haben. Sie vertrauen mir ja am Ende sowohl ihr Familienmitglied als auch ihr Zuhause an. Und die Katzen müssen sich schließlich auch wohl mit mir fühlen."
"Es gibt ganz viel, was noch darüber hinaus möglich ist"
Für die Katzensitterin hat sich mit dem Beruf ein Traum erfüllt. "Ich liebe es, und es ist für mich auch ein Stück Selbstverwirklichung. Ich mache das mit Herz und wenn ich dann noch sehe, wie die Leute mir vertrauen, das ist ein unglaubliches Glück!"
Inzwischen engagiert sich Kristin Vogel auch in der Initiative für die sächsische Katzenschutzverordnung und hilft bei der Aufklärung. Bei einer Spendenaktion für ein Katzengehege, die sie ins Leben gerufen hat, seien somit bereits rund 1000 Euro zusammengekommen.
Gleichzeitig wolle sie auch ihr Angebot weiter ausbauen. So wolle sie künftig auch Fotobücher von ihren Schützlingen anbieten. Zudem hätten Kunden, die sie besuchten, bereits nach dem Katzengehege auf ihrer Terrasse gefragt. "Jetzt fängt mein Mann an, Katzengehege zu bauen."
Mehr Infos zu Kristin Vogel und ihrer Arbeit gibt es unter tatzendienst.de sowie auf Instagram @tatzendienst_kristin_vogel.