"Alle mitmachen, verdammich!": Knorkator feiern 30 Jahre Irrsinn in Leipzig
Leipzig - Metal-Bands sind immer bierernst, schlecht gelaunt und machen nur Krach? Falsch gedacht! Seit über 30 Jahren schon zeigen "Knorkator", dass zwischen all dem Lärm auch jede Menge Platz für Humor und ebenso viel Chaos vorhanden ist. Mit ihrer Jubiläumstour machten die Berliner am Samstag Halt im Leipziger Haus Auensee und zeigten, wie viel kreativer Wahnsinn nach drei Jahrzehnten Heavy Metal noch immer in ihnen steckt.
Der Irrsinn begann dabei bereits vor der eigentlichen Show. Denn statt Vorband hatten die Berliner Extrem-Rocker einen Fernseher mitgebracht, auf dem aberwitzige Werbeclips und unerwartete Cover-Versionen bekannter Hits gezeigt wurden.
Einer verzweifelten Hausfrau wird da ein neues Reinigungsmittel für ihre Toilette empfohlen, ein Mann aus Indien singt in tiefstem Dialekt Bon Jovis "It's my Life" und eine Power-Mama Sepulturas "Roots Bloody Roots".
Als "Deutschlands meiste Band der Welt" dann die Bühne betrat und die verzerrten Gitarren rausholte, war direkt Party angesagt. Sänger Gero Ivers (61) alias "Stumpen", gekleidet in einen getupften Anzug in Schwarz-Weiß, zappelte schnellen Schrittes von einer Seite der Bühne zur anderen und animierte in feinster Berliner Schnauze das Publikum: "Jetzt müsst ihr alle mitmachen, verdammich!", "Arme hoch, hab ich gesagt!"
Beim Song "Ich will meine Extrawurst" wurden zwei glücklichen Fans erst einmal auf der Bühne ein paar Eier zubereitet, zwischendurch saugte Stumpen auch mal die Bühne, weil da schon wieder jemand Konfetti verteilt hatte.
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Knorkator feiern Jubiläum: Vom Spiel mit den Gegensätzen
Währenddessen folgte ein Hit auf den anderen und die Texte schienen von Minute zu Minute irrsinniger zu werden. Da wurde aus dem Besuch eines Hardcore-Konzerts eine Ballade gedichtet ("Hardcore") und der Kampf gegen Unkraut zum Krieg im eigenen Garten stilisiert.
"Ich bin ein ganz besond'rer Mann, der mit dem Arschloch essen kann", hieß es denn auch noch in "Ein ganz besond'rer Mann".
Die Berliner schlugen jedoch auch ernstere Töne an. "Ich bin das Eigentum von meinem Eigentum. Bin allem hörig, was mir gehört", sang Keyboarder Alexander Thomas (60) alias "Alf Ator" in "Eigentum".
Es war schon immer das Spiel mit diesen Extremen und Gegensätzen, das "Knorkator" ausgemacht hat und in über 30 Jahren Geschichte zu einer festen Größe im deutschsprachigen Metal werden ließ.
Zum Abschluss bot die Band noch ihre Dauerbrenner "A" und "Wir werden alle sterben" dar, bevor sie ihre Anhänger nach über zwei Stunden Show mit "Zähne putzen, pullern und ab ins Bett" nach Hause schickte. Ein Abend, den viele so schnell nicht vergessen werden. Auf die nächsten 30 Jahre!
Titelfoto: Montage: Lutz Brose

