Electric Callboy rocken Leipzig: Wir wollen beim ESC gewinnen? Dann braucht es diese Band!
Leipzig - Seien wir ehrlich: Mit unserer Teilnahme beim Eurovision Song Contest lief es in den vergangenen Jahren wenig rosig. Gerade mal für die mittleren Plätze hat es zuletzt gereicht! Dabei füllt bereits seit Jahren eine Deutsche Band, die den ESC lebt wie kaum eine andere, Konzerthallen überall auf der Welt. Und genau diese Jungs haben am Samstagabend in Leipzig Halt gemacht. Die Rede ist von "Electric Callboy".
Frage vorweg: Wofür steht denn der ESC? Vielfalt, Offenheit, Verständnis und gegenseitigen Respekt, so ein Artikel des "Tagesspiegel". Die deutschen Anwärter der vergangenen Jahre konnten vor diesem Hintergrund nur bedingt überzeugen.
"Abor & Tynna" schafften es 2025 gerade einmal auf einen mittelmäßigen Platz 15, "Isaak" ein Jahr zuvor auf Platz 12. "Lord of the Lost" landeten 2023 sogar auf dem letzten Platz.
Statt Lebensfreude findet sich hierzulande beim Gedanke an den ESC offenbar eher Ratlosigkeit.
"Electric Callboy" zeigten am Samstagabend, wie es richtig geht - und das beeindruckende zwei Stunden lang.
Als Teil ihrer aktuellen "Tanzneid"-Tour hatte das Sextett aus Castrop-Rauxel bei Recklinghausen kurzerhand die Quarterback Immobilien Arena gefüllt, um gemeinsam mit ihren Fans eine riesige Party zu feiern.
Bereits beim gleichnamigen Opener wurde alles aufgefahren, was moderne Pyrotechnik zu bieten hat. Die beiden Sänger Nico und Kevin sprangen in einer Tour über die Bühne und die Bassdrum von Schlagzeuger Frank Zummo pumpte mit unnachgiebiger Power durch die Halle.
Die Musik der Band bewegt sich irgendwo zwischen Techno und Metal und auch Schlager sowie Rap finden sich schon einmal dazwischen. Offenheit und Vielfalt also da. Ohnehin scheinen die Jungs ihre Songs eher nach dem Prinzip zu schreiben: "Wenn's Spaß macht, warum nicht?"
Wichtig scheint nur eines: Die Lieder müssen vor Energie nur so strotzen! Ruhige Momente finden sich nur selten, stattdessen rollt der "Tekkno Train" mit Vollgas weiter. "Habt ihr Bock auf Party!?", will Sänger Nico irgendwann während der Show von den Fans wissen und ihm brandet sofort Euphorie entgegen.
Band bewarb sich bereits 2022 für den Musikwettbewerb
Immer wieder nutzte das Duo die Gelegenheit, um mit den Zuschauern zu interagieren.
Als sie eine Regenbogenflagge entdeckten, die einige junge Frauen mitgebracht hatten und welche die Bandkollegen beim Knutschen zeigt (etwas, womit die Sänger immer wieder spielen), zeigten sich die beiden sofort gerührt und zelebrierten den Moment.
Keine Frage, einen stärkeren ESC-Anwärter hätte Deutschland derzeit kaum zu bieten.
Songs wie "Spaceman", "We Got The Moves" und das zuletzt veröffentlichte "Tanzneid" wirken bereits wie geschaffen für den Musikwettbewerb. Mit "Ratatata" leisteten die Jungs vergangenes Jahr sogar ihren Beitrag zur Völkerverständigung, arbeiteten für den Track mit den Japanerinnen von "Babymetal" zusammen.
Tatsächlich hatten sich "Electric Callboy" 2022 sogar schon einmal für den ESC beworben, wurden dann jedoch abgelehnt, weil das Komitee ihre Musik nicht für radiotauglich genug hielt. Inzwischen soll die Band dieses Projekt nicht weiter verfolgen wollen.
Fans dürften sich freuen, immerhin kann das Sextett so ununterbrochen touren und die Songs jeden Abend performen. In Leipzig gaben die Jungs unter anderem auch "MC Thunder" und "Elevator Operator" zum besten und sorgten mit einer Akustik-Version von "FCKBOI" sowie "Everytime We Touch" von Sängerin Maggie Reilly (69) für große Momente.
Schade ist das Ganze derweil für die deutschen ESC-Ambitionen. Ein Kommentar unter dem Musikvideo zu "We Got The Moves" fasst die Tragödie passend zusammen: "Die würden den ESC komplett abreißen mit so'nem Banger!"
Titelfoto: Montage: Christian Grube

