Leipziger Amokfahrt: Richter schickt 33-Jährigen in Psychiatrie!

Leipzig - Am Tag nach der mutmaßlichen Amokfahrt durch die Innenstadt in Leipzig herrscht große Bestürzung.

Ein Großaufgebot der Polizei ist auch am Dienstag noch in der Leipziger Innenstadt vor Ort.  © EHL Media

Ein 33-jähriger Deutscher war am Montag gegen 16.45 Uhr am Augustusplatz mit seinem Wagen in die Grimmaische Straße eingebogen und mit hoher Geschwindigkeit durch eine Menschenmenge gefahren.

Zwei Personen wurden dabei so schwer verletzt, dass sie noch vor Ort beziehungsweise kurze Zeit später verstarben. Laut Polizeiangaben handelt es sich dabei um eine 63-jährige Frau und einen 77-jährigen Mann.

Der Tatverdächtige konnte unmittelbar nach der grausamen Tat festgenommen werden.

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5. Mai, 21.17 Uhr: Gedenkandacht in der Nikolaikirche

Am frühen Dienstagabend fand in Leipzig eine Gedenkandacht in der Nikolaikirche statt. Unter anderem Oberbürgermeister Burkhard Jung (68, SPD) richtete einige Worte an die Anwesenden.

Ein ausführlicher Bericht dazu findet sich hier.

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Jung zusammen mit Sachsens Innenminister Armin Schuster (64, CDU, l.), Ministerpräsident Michael Kretschmer (50, CDU, 2.v.l.) sowie Ehefrau Ayleena Jung.  © EHL Media

5. Mai, 20.47 Uhr: Boxverein des Beschuldigten äußert sich öffentlich

Der 33-jährige Amokfahrer war nach bisherigem Kenntnisstand Mitglied des Leipziger Vereins "Boxring Atlas". Auf Instagram hat hat sich der Sportverein nun öffentlich zu den Ereignissen vom Montag geäußert.

In der Mitteilung heißt es: "Unsere Gedanken und unser tiefes Mitgefühl gelten den Opfern, ihren Angehörigen und allen Betroffenen dieser schrecklichen Gewalttat. Der Verein verurteilt Gewalt in jeglicher Form aufs Schärfste. Die Tat steht in keinerlei Zusammenhang mit der Vereinstätigkeit, unseren Werten oder unserem Vereinsleben. Dem Verein lagen keine Hinweise auf eine Radikalisierung oder Gewaltbereitschaft vor. Wir stehen den ermittelnden Behörden uneingeschränkt zur Verfügung und unterstützen die Aufklärung, soweit es in unserem Verantwortungsbereich liegt. Aus Respekt gegenüber den Opfern und laufenden Ermittlungen werden wir uns vorerst nicht weiter äußern."

5. Mai, 18.07 Uhr: Beschuldigter wird in psychiatrischem Krankenhaus untergebracht

Der Ermittlungsrichter beim Amtsgericht Leipzig hat am Dienstag die einstweilige Unterbringung des 33-jährigen Mannes aus Leipzig in ein psychiatrisches Krankenhaus angeordnet. Dies geschah auf Antrag der Staatsanwaltschaft Leipzig wegen des dringenden Tatverdachts des Mordes in zwei Fällen sowie des versuchten Mordes in vier Fällen.

Das teilte die Leipziger Polizei am Dienstagabend mit. "Der gerichtliche Unterbringungsbefehl geht im Ergebnis einer Gesamtschau der Tatumstände davon aus, dass der Beschuldigte mit seinem Fahrzeug in Tötungsabsicht handelnd möglichst viele Menschen töten und schwer verletzen wollte und mit seiner Tat die Mordmerkmale der Heimtücke und der niedrigen Beweggründe erfüllt hat", heißt es in der Pressemeldung weiter. Er habe die Tat aber "im Zustand der zumindest erheblich verminderten Schuldfähigkeit begangen", heißt es.

Der Beschuldigte wurde nach Erlass des Unterbringungsbefehls direkt in ein psychiatrisches Krankenhaus verbracht.

5. Mai, 16.15 Uhr: Kretschmer besucht Gedenkort

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (50, CDU) hat am Dienstagnachmittag den Gedenkort am Paulinum der Universität Leipzig besucht. Um 17 Uhr wird er auch an der Gedenkandacht in der Nikolaikirche teilnehmen.

Kretschmer warnte nach der Amokfahrt in Leipzig vor falschen Erwartungen an absoluter Sicherheit. "Es gibt keinen hundertprozentigen Schutz." Der Vorfall sei "ein furchtbarer" gewesen. "Wir können uns vor vielen Dingen schützen." Polizei und Kommunen täten bereits viel. Doch eine absolute Sicherheit werde es nicht geben. "Es hätte jede andere Stelle sein können. Das ist eben auch eine bittere Erkenntnis."

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (50, CDU) hat am Dienstagnachmittag den Gedenkort am Paulinum der Universität Leipzig besucht.  © EHL Media

5. Mai, 15.55 Uhr: Grimmaische Straße wieder offen, Geschäfte nur teilweise

Am Dienstagnachmittag wurde die Grimmaische Straße wieder für Passanten freigegeben. Die Fußgängerzone kann demnach wieder betreten werden.

Die meisten Geschäfte entlang der Straße blieben laut dpa jedoch zunächst geschlossen. Filialen großer Ketten wie Cafés, Drogerien und Bekleidungsläden öffneten am Dienstag nicht.

Die ersten Passanten gehen durch die wieder freigegebene Grimmaische Strasse.  © Jan Woitas/dpa

5. Mai, 14.22 Uhr: Staatskanzlei ordnet Trauerbeflaggung an

Sachsens Staatsregierung hat im Gedenken an die Opfer der Amokfahrt die Trauerbeflaggung an öffentlichen Gebäuden angeordnet.

Die Flaggen sollen demnach an allen sächsischen Behörden und Dienststellen auf halbmast hängen.

5. Mai, 13.42 Uhr: Mehr als 1000 Menschen nehmen an Uni-Andacht teil

Knapp 700 Menschen haben in der Universitätskirche St. Pauli den Opfern der Amokfahrt gedacht, Hunderte weitere standen vor den geöffneten Toren und lauschten von den Fluren.

Die "martialische Tat", nur einen Steinwurf von der Uni entfernt, "raubt uns die Leichtigkeit des Daseins", sagte der Uni-Prediger Andreas Schöne. "Es hätte ein guter Tag werden können, dann dieser Riss." Die Rektorin Eva Inés Obergfell richtete dankende Worte vor allem an die Ersthelferinnen und Ersthelfer, die "getröstet, beigestanden und andere versorgt haben".

Die Universitätskirche St. Pauli war während der Andacht bis auf den letzten Platz belegt.  © Jan Woitas/dpa

5. Mai, 13.35 Uhr: Laut OB Jung "niemand mehr in Lebensgefahr"

Am Rande der Gedenkveranstaltung im Paulinum teilte Oberbürgermeister Jung mit, dass sich keine der am Montag schwer verletzten Personen mehr in Lebensgefahr befinde: "Wir müssen jetzt nicht befürchten, dass es weitere Todesopfer gibt."

Auch ein "sehr schwer verletzter" Mann aus Spanien sei inzwischen in Sicherheit. "Ich hoffe, dass ich ihn besuchen kann in den nächsten Tagen", so der SPD-Politiker.

5. Mai, 13.19 Uhr: Oberbürgermeister Jung legt Trauerkranz am Augustusplatz nieder

Nach seinem Eintrag in das für die nächsten zwei Wochen im Neuen Rathaus ausliegende Kondolenzbuch hat sich Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung auf den Weg zum Augustusplatz gemacht.

Dort legte er inmitten der zahlreichen Blumen und Kerzen nahe des Uni-Gebäudes und damit auch unweit des Tatortes einen großen Kranz mit der Aufschrift "In tiefer Trauer" ab.

Burkhard Jung (68, SPD) auf dem Augustusplatz.  © EHL Media

5. Mai, 12.12 Uhr: Amokfahrer hielt sich bis zuletzt in Psychiatrie auf

Wie TAG24 vom sächsischen Sozialministerium erfuhr, hatte sich der Amokfahrer kürzlich freiwillig in stationäre psychiatrische Behandlung begeben. Nach einem "kurzen Aufenthalt" sei er Ende April entlassen worden, es hätten keine "medizinischen Gründe" vorgelegen, den Mann gegen seinen Willen in der Klinik festzuhalten.

Während seines Aufenthalts sei von dem 33-Jährigen keine Eigen- oder Fremdgefährdung ausgegangen. Bezüglich der genauen Therapie beruft sich das Ministerium auf die ärztliche Schweigepflicht. Nach TAG24-Informationen soll es sich bei der Einrichtung um das Sächsische Krankenhaus Altscherbitz handeln.

Der MDR hatte zuvor berichtet, dass sich der Amokfahrer bis Sonntag in einer Psychiatrie aufgehalten habe. Dies hatte die Polizei gegenüber TAG24 dementiert.

Der 33-jährige Amokfahrer soll bis zuletzt in einer nordsächsischen psychiatrischen Klinik in Behandlung gewesen sein.  © EHL Media

5. Mai, 11.56 Uhr: Kommunen sagen, Städte können nicht zu Festungen ausgebaut werden

Der Deutsche Städte- und Gemeindebund hat nach der Amokfahrt in Leipzig auf den Konflikt zwischen Sicherheit und Offenheit in Städten verwiesen und betont, dass sich solche Taten trotz Sicherheitskonzepten nie vollständig verhindern lassen.

"Es gibt sogenannte Zufahrtssperren, das sind diese Betonblöcke oder ähnliche Hindernisse, die eben solche Taten verhindern sollen", sagt Pressesprecher Alexander Handschuh. Doch hundertprozentige Sicherheit werde es trotz Sicherheitskonzepten in Städten und Gemeinden und auch bei Veranstaltungen nie geben können. "Wir können die nicht zu Festungen ausbauen."

Dem stimmte auch OB Burkhard Jung zu: Städte müssten Orte des Miteinanders und der Begegnung bleiben und würden Sicherheitsvorkehrungen daher sehr genau abwägen, sagte er am Dienstag. Nun müsse geprüft werden, wo Barrieren und Poller für besseren Schutz sinnvoll sind.

Die Amokfahrt führte vom östlichen Rand der Grimmaischen Straße bis hin zur Thomaskirche auf der westlichen Seite.  © TAG24

5. Mai, 11.45 Uhr: Leipziger Hort richtet Sprechstunde für Kinder ein

Angesichts der tragischen Ereignisse am Montag hat der Hort der Addis-Abeba-Schule in Leipzig eine Sprechstunde für seine Kinder eingerichtet.

Die Schützlinge des Hortes würden dieser Tage besonders achtsam begleitet und Fragen altersgerecht beantwortet, um ihnen Sicherheit zu geben und darauf zu achten, dass sie sich wohl und geschützt fühlen, hieß es in einer Mitteilung, die TAG24 vorliegt.

Das Hort-Team hat Eltern zudem darum gebeten, auch zu Hause offen über Ängste zu sprechen, zuzuhören und Kinder zu beruhigen.

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