Kuwait-Stadt/Leipzig - 15.000 Kilometer zu Fuß von Leipzig nach Singapur in etwas mehr als zwei Jahren: Das war der Plan des Leipzigers Robert Friedrich (35). Bis Ende 2025 lief alles wie am Schnürchen. Dann begannen im Iran die Proteste gegen das Regime, und er musste seine Route komplett ändern. Mit Ausbruch des Iran-Krieges sitzt er nun in Kuwait fest. Wir sprachen mit dem Sachsen über die Lage im kleinen Emirat am Persischen Golf und wie es mit seiner Reise weitergehen soll.
"Ich bin sehr gut bei einer Familie in Kuwait City aufgehoben und fühle mich entsprechend sehr wohl. Es wird rund um die Uhr für mich gesorgt, und mein zunächst dreitägiger Aufenthalt kann, solange es nötig ist, hier verlängert werden", beruhigt Robert Friedrich.
Mehrmals am Tag schicke er eine Nachricht an Familie und Freunde, lade regelmäßig Updates auf Social Media hoch. "Ich schildere die wirkliche Lage vor Ort und appelliere einfach, dass die Ruhe bewahrt wird."
Nach seinem ursprünglichen Plan würde er jetzt noch den Iran erkunden. Drei Monate hatte er sich dafür vorgenommen, wollte auch Touren für interessierte Follower anbieten.
Doch mit den zunehmenden Protesten und der gewaltvollen Niederschlagung durch die iranische Regierung zu Beginn des Jahres musste er alles canceln.
"Ich bin froh, dass durch die frühzeitigen Absagen und Stornierungen meinerseits keine Person in irgendeiner Art in Gefahr gebracht oder einem Risiko ausgesetzt wurde. Keine Reise ist es wert, diese mit womöglich schlimmsten Folgen für Leib und Leben zu bezahlen", sagt Robert Friedrich rückblickend.
Aber: "Aufgeschoben ist nicht aufgehoben, und mein Weg wird mich früher oder später dorthin führen", ist er sicher.
Flugverkehr seit Iran-Eskalation eingeschränkt
Seine Ausweichroute führte ihn schließlich in den vergangenen zwei Monaten von Erbil nach Süden durch den Irak. Stationen waren Bagdad, Babylon, Kerbala und Mossul. Vor zwei Wochen traf er in Kuwait ein.
Am 28. Februar griffen Israel und die USA schließlich den Iran an. Der Flugverkehr wurde eingeschränkt. Eine sichere Weiterreise ist seitdem schwierig.
So harrt der Leipziger erst einmal in Kuwait aus. "Ich finde mich mit der Situation ab, da ich sie nicht ändern kann - ein klarer Fortschritt in meinem Mindset durch meine bisherige Reise. Vor zwölf Monaten wäre ich womöglich verrückt geworden", sagt er.
Und er ist sich bewusst: "Ich bin nicht der Nabel der Welt. Es gibt viel Wichtigeres und Größeres als 'meine' Reise - denken wir nur an all jene, die das Geschehen nicht einfach so verlassen können", gibt er zu bedenken.
"Ich hoffe, dass keine Unschuldigen zu Schaden kommen und das Leben für alle Betroffenen hinterher ein besseres sein wird."
Friedrich: "Es bleibt das größte Abenteuer meines bisherigen Lebens"
Er selbst bekomme vom Krieg im Nachbarland bisher nur wenig mit. "Da es keinerlei kriegerische Kampfhandlungen am Boden oder zur See gibt, beschränken sich die Wahrnehmungen auf Sirenen und abgefangene Drohnen/Marschflugkörper", erzählt er.
Die Regierung in Kuwait habe zudem Vorkehrungen getroffen. So wurden Visa automatisch verlängert. Regierungs(-nahe) Einrichtungen seien zudem nur zur Hälfte besetzt, um die Infrastruktur zu entlasten und im Ernstfall die Gefahr von kollateralen Schäden zu minimieren, erzählt Friedrich. "Die meiste Zeit ist es ruhig und der ganz normale Alltag findet ungestört statt."
Doch wie geht es nun mit seiner Reise weiter? "Ich werde Anpassungen und Umplanungen vornehmen und das gesamte Gebiet weiträumig meiden. Es wird, sobald möglich, nach Indien gehen", erzählt er.
So möchte er, sobald die Flugrouten nach Osten wieder sicher sind, direkt nach Kochi in Südindien fliegen und dann den Subkontinent und Nepal erkunden. "Es bleibt das größte Abenteuer meines bisherigen Lebens."