Deutschland liefert Leopard 2 an die Ukraine: Was macht den Kampfpanzer so besonders?

Berlin - Am Dienstag hat Bundeskanzler Olaf Scholz (64, SPD) nach langem Hin und Her grünes Licht für die Lieferung von Leopard-2-Kampfpanzern an die Ukraine gegeben und damit eine kontroverse Debatte beendet. Doch was kann der deutsche Panzer eigentlich?

Der Leopard 2A6 kombiniert Feuerkraft, Mobilität und Schutz. Der deutsche Kampfpanzer besitzt weltweites Ansehen und kommt künftig in der Ukraine zum Einsatz.
Der Leopard 2A6 kombiniert Feuerkraft, Mobilität und Schutz. Der deutsche Kampfpanzer besitzt weltweites Ansehen und kommt künftig in der Ukraine zum Einsatz.  © KMW

Grün-braune Äste und Zweige tarnen die 120-Millimeter-Glattrohrkanone des Leopard 2A6, während der Panzer mit einem Kampfgewicht von 60 Tonnen durch Schlamm und Matsch manövriert.

1500 Pferdestärken geballte Ingenieurskunst des deutsch-französischen Rüstungsunternehmens "KMW" rollen künftig mit einer Höchstgeschwindigkeit von 68 Kilometern pro Stunde über die Schlachtfelder an der ukrainischen Front.

Mit einem fortschrittlichen Waffen-Stabilisierungssystem, mit dem sich in der neuesten A7V-Version des Panzers tatsächlich eine Maß Bier auf dem Kanonenrohr balancieren lässt, wird die Effizienz bei der Verteidigung gegen die russischen Angreifer verstärkt.

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4000 Meter Schuss-Reichweite, eine Treffer-Wahrscheinlichkeit von 90 Prozent, Minenschutz für die Besatzung; mit all diesen Daten und Informationen präsentiert die deutsche Bundeswehr ihr bestes Stück - unter anderem in aufwendig inszenierten YouTube-Videos.

Doch wird der Leopard 2 auch die entscheidende Wende für die Rückeroberung der Ukraine bringen?

Auch Leopard-2-Panzer können zerstört werden: Militärhistoriker dämpft Euphorie

Ralf Raths (46) ist Militärhistoriker und Direktor des Deutschen Panzermuseums in Munster. Er verweist darauf, dass der Leopard 2 bisher in keinem "richtigen" Krieg zum Einsatz gekommen ist.
Ralf Raths (46) ist Militärhistoriker und Direktor des Deutschen Panzermuseums in Munster. Er verweist darauf, dass der Leopard 2 bisher in keinem "richtigen" Krieg zum Einsatz gekommen ist.  © Philipp Schulze/dpa

Der Leiter des Deutschen Panzermuseums in Munster, Ralf Raths (46), betont in einem Interview mit der Tagesschau, dass der Leopard 2 kein "unverwundbarer Gamechanger" im Ukraine-Konflikt sein wird.

Der Hersteller KMW vermarkte seinen Panzer als "optimale Kombination aus Schutz, Mobilität, Führbarkeit und Feuerkraft". Auch Raths verweist zwar auf diese kombinierten Stärken, versucht aber dennoch die Euphorie ein wenig zu bändigen.

Der deutsche Kampfpanzer habe zwar einen "ausgezeichneten Ruf", aber dafür kaum Kampferfahrung, so der Militärhistoriker. Nur von den Kanadiern und Türken sei er in Afghanistan und Syrien eingesetzt worden.

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Die Ausbildung der ukrainischen Streitkräfte zur Bedienung des Leopards sei zwar "keine Raketenwissenschaft", dennoch wurde die Öffentlichkeit aus Sicht Raths noch nicht genug dafür sensibilisiert, dass auch einige Leopard-2-Panzer in der Ukraine vernichtet werden können.

"Einen Schritt näher am Dritten Weltkrieg": Deutsche Panzerlieferung in der Kritik

Mithilfe des Leopard 2A6 soll die Ukraine erfolgreich verteidigt und zurückerobert werden. Dennoch gibt es auch Kritik an dem Einsatz deutschen Kriegsgeräts.
Mithilfe des Leopard 2A6 soll die Ukraine erfolgreich verteidigt und zurückerobert werden. Dennoch gibt es auch Kritik an dem Einsatz deutschen Kriegsgeräts.  © KMW

Ob Leopard 2A4 oder A5 aus Polen oder der A6 aus Deutschland - die russischen Streitkräfte sehen sich künftig weiterer westlicher Schlagkraft ausgesetzt. Auch die Amerikaner denken über eine Lieferung ihres M1-Abrams-Panzers nach.

Die Frage, die sich im Zuge der Panzerlieferung stellt, ist jedoch nicht die Frage nach der Qualität der Kampffahrzeuge, obwohl die Ausstattung der Bundeswehr schon des Öfteren für Überraschungen gesorgt hat.

Vielmehr stellt sich die Frage, inwieweit die Lieferung schweren Kriegsgeräts aus Deutschland zur De- oder Eskalation des Ukraine-Konflikts beiträgt. Zwar wurden bereits andere Waffensysteme zur Unterstützung der Ukraine geliefert, dennoch stellt der Leopard 2 einen neuen Maßstab dar.

Während ein Großteil der Parteien die Panzerlieferungen befürworten, sehen AfD und Linke in der Entscheidung von Olaf Scholz eine direkte Beteiligung Deutschlands am Krieg, die Auslöser eines noch viel schlimmeren Krieges in Europa sein könnte.

Offensichtlich ist man auch in Russland nicht von den Panzerlieferungen begeistert. "Solche Lieferungen verheißen nichts Gutes für die Zukunft der Beziehungen", verkündet der Kremlsprecher Dimitri Beskow.

Titelfoto: KMW

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