Vetternwirtschaft-Vorwürfe in der AfD: Fliegt jetzt das erste Mitglied?
Von Christopher Kissmann
Magdeburg - Die Debatte um Vetternwirtschaft-Vorwürfe in der AfD könnte für den Bundestagsabgeordneten Jan Wenzel Schmidt (34) weitere Konsequenzen haben.
Wie die dpa aus Parteikreisen erfuhr, gibt es Überlegungen, Schmidt aus der AfD-Bundestagsfraktion auszuschließen. Dafür plädierten in einer Schalte mehrheitlich die Spitzen des Bundesvorstands und der Landesvorstände. Ob die Fraktion dem Vorschlag folgt, ist offen.
Gegen Schmidt läuft bereits ein Parteiausschlussverfahren. In der AfD heißt es, der ehemalige Generalsekretär der AfD in Sachsen-Anhalt habe sein Bundestagsmandat ausgenutzt, um privat Geschäftsbeziehungen etwa nach China aufzubauen. Obendrein wird ihm angelastet, Parteimitglieder unter Druck gesetzt zu haben.
Schmidt weist diese Vorwürfe zurück. Er erhob stattdessen selbst Vorwürfe der Vetternwirtschaft an seine Parteikollegen in Sachsen-Anhalt.
Inzwischen sieht sich die AfD bundesweit mit Vorwürfen der Vetternwirtschaft in den eigenen Reihen konfrontiert. Es werden immer mehr Fälle bekannt, in denen Familienangehörige von AfD-Politikern bei anderen Abgeordneten beschäftigt worden sind.
AfD-Eklat um Überkreuz-Einstellungen: Konfliktvermittlung verläuft im Sand
Vor wenigen Tagen hatte Schmidt seine Vorwürfe gegenüber den Parteikollegen wiederholt. Er sprach in einem Interview des Nachrichtenportals "Nius" von einer "Beutegemeinschaft".
Es würden Mandate hin- und hergeschoben, Anstellungen untereinander ausgemacht und Gelder abgefasst, sagte Schmidt. Er kritisierte sowohl den Umfang der Anstellungen als auch die Höhe von Gehältern.
Der stellvertretende Bundesvorsitzende Kay Gottschalk (60) wollte in dem Konflikt vermitteln. Er sagte der dpa, er habe Gespräche mit den Beteiligten in Sachsen-Anhalt angeboten, dann aber festgestellt, "dass die Standpunkte so weit auseinanderliegen, dass ich sagen muss, dass ich eine sachgerechte Lösung nicht hinkriegen kann".
Gottschalk fügte hinzu: "Ich habe wirklich nichts dagegen, wenn Familienmitglieder angestellt werden, das muss aber in Zukunft transparenter gehandhabt werden, damit wir keine Angriffsfläche bieten."
Die AfD Sachsen-Anhalt hat den Vorwurf der Vetternwirtschaft zurückgewiesen. Landeschef Martin Reichardt (56) hat gleichzeitig angekündigt, dass eine "Kommission für Verhalten im parlamentarischen Betrieb" eingesetzt wird.
Titelfoto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

