Von David Nau
Stuttgart/Tübingen - Boris Palmer (53, parteilos) ist einer der bekanntesten Politiker Deutschlands. Bekommt Tübingens Oberbürgermeister nach der Wahl in Baden-Württemberg ein Amt in Stuttgart?
Darüber will Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir (60) erst nach einem möglichen Sieg bei der Landtagswahl am 8. März entscheiden. Auf die Frage, ob er sich Palmer in seinem Kabinett wünschen würde, sagte er: "Das Fell des Bären wird nicht vor der Wahl verteilt."
Er müsse erst einmal die Wahl gewinnen und Ministerpräsident werden, sagte Özdemir am Rande eines gemeinsamen Wahlkampfauftritts mit Palmer in Tübingen.
Wenn er die Wahl gewinne, sei für ihn klar, dass er mit Leuten arbeiten wolle, die Pragmatiker seien und das verkörperten, was er im Wahlkampf verspreche.
Palmer äußerte sich zurückhaltend zur Frage nach einem Wechsel nach Stuttgart.
"Das Gerücht, dass ich jetzt auch im Winter bei offenem Fenster schlafe, um den Ruf aus Stuttgart nicht zu überhören, ist nachweislich falsch", sagte der parteilose Oberbürgermeister von Tübingen, der früher Mitglied der Grünen war.
Mehr als ein Drittel wünschen sich Amt für Palmer im Land
Hintergrund ist eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur, wonach sich mehr als ein Drittel der Menschen im Südwesten wünscht, dass Palmer nach der Landtagswahl eine Rolle auf Landesebene spielt.
39 Prozent gaben an, Palmer solle nach der Wahl ein Amt in der Landespolitik bekommen. Dagegen sprachen sich 18 Prozent der Befragten aus, 21 Prozent hatten keine Meinung, und weitere 21 Prozent kannten Palmer nicht.
Palmer war zu Beginn seiner Karriere Landtagsabgeordneter und ist seit 2007 Oberbürgermeister von Tübingen. Er war bereits als möglicher Nachfolger von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (77, Grüne) gehandelt worden, bevor er 2023 nach mehreren Skandalen bei den Grünen austrat.