Boris Palmer nennt Aogo einen "schlimmen Rassist": Fliegt er aus der Partei?

Tübingen - Boris Palmer (48, Grüne) ist bekannt für seine kontroversen Kommentare auf Facebook. Diesmal hat er sich zu den Differenzen zwischen Dennis Aogo (34) und Jens Lehmann (51) geäußert und Aogo als "schlimmen Rassist" bezeichnet. Ist er diesmal endgültig zu weit gegangen?

Oberbürgermeister von Tübingen Boris Palmer (48) ist bekannt für seine scharfen Äußerungen.
Oberbürgermeister von Tübingen Boris Palmer (48) ist bekannt für seine scharfen Äußerungen.  © Sebastian Gollnow/dpa

Dennis Aogo postete ein WhatsApp-Verlauf, bei dem Jens Lehmann (51) ihn als "Quotenschwarzen" bezeichnete. Vermutlich eine versehentliche an ihn adressierte Nachricht.

Jens Lehmann entschuldigte sich öffentlich und Aogo nahm die Entschuldigung an, doch damit sollte die Sache nicht erledigt sein.

Lehmann wurde aus dem Aufsichtsrat von Hertha BSC geschmissen und wird nicht mehr für Sky tätig sein.

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Aogo ist vorerst ebenfalls nicht mehr als Sky-Experte tätig, weil er die Formulierung "Trainieren bis zum Vergasen" bei einem TV-Auftritt genutzt hat.

Am Donnerstagabend äußerte sich nun auch der Oberbürgermeister von Tübingen dazu. Unter einem Artikel, den er an @cancel culture (unter dem politischen Schlagwort wird ein übermäßiges Ausschließen von Personen verstanden, die sich rassistisch oder diskriminierend geäußert haben) adressierte, schrieb der Politiker:

"Lehmann weg. Aogo weg. Ist die Welt jetzt besser? Eine private Nachricht und eine unbedachte Formulierung, schon verschwinden zwei Sportler von der Bildfläche. Nun schaue ich mir das nie an und vielleicht sind Sportler auch nicht immer die besten Kommentatoren".

Weiter schreibt der Oberbürgermeister von Tübingen:

"Aber der Furor, mit dem Stürme im Netz Existenzen vernichten können, wird immer schlimmer. Cancel culture macht uns zu hörigen Sprechautomaten, mit jedem Wort am Abgrund. Ich will nicht in einem solchen Sprachjakobinat leben."

Palmer rechtfertigt sich mit Ironie

Grüne Jugend fordert Rauswurf von Palmer

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Michael Bloss führt Beschluss von letztem Jahr an, in dem Palmer mit seinen Äußerungen gegen Werte der Partei verstößt

Kostet Boris Palmer der Kommentar die Parteizugehörigkeit?

Screenshot der Facebook-Kommentare unter dem Post von Boris Palmer.
Screenshot der Facebook-Kommentare unter dem Post von Boris Palmer.  © Screenshot: https://www.facebook.com/ob.boris.palmer/posts/4357400734299425

In den Kommentaren fragt ein User den Oberbürgermeister: "Na mal wieder Rassismus relativieren?" und die Antwort lässt nicht lange auf sich warten:

"Der Aogo ist ein schlimmer Rassist. Hat Frauen seinen Negerschwanz angeboten", schreibt Palmer.

Auf das Entsetzen eines Nutzers will Palmer seine Antwort mit Ironie und einer "absurden Provokation" relativieren. Aogo soll laut eines Facebook-Kommentars einer Frau auf Mallorca vor vielen Jahren angeboten haben, seinen "dicken Negerschwanz" zu gönnen. Beweise dafür gibt es keine.

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Palmer rechtfertigt sich am Samstag für seine Äußerungen: "Ich habe also einen absurden Rassismusvorwurf soweit ins Groteske gesteigert, dass unmittelbar ersichtlich sein sollte, wie abwegig das ist."

Inzwischen werden schon Forderungen nach einem Rausschmiss aus der eigenen Partei laut. So schreibt Timon Dzienus (24) von der Grünen Jugend: "Boris Palmer gehört endlich aus der Grünen Partei geworfen."

Auch Michael Bloss (34) , Abgeordneter des Europäischen Parlaments verweist auf einen Beschluss, demnach Palmer systematisch gegen die Partei agiert und gegen politische Werte verstößt.

Die Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock (40) kritisiert Palmer mit den Worten: "Die Äußerung von Boris #Palmer ist rassistisch und abstoßend. Sich nachträglich auf Ironie zu berufen, macht es nicht ungeschehen. Das Ganze reiht sich ein in immer neue Provokationen, die Menschen ausgrenzen und verletzen" und die Partei will weitreichende Konsequenzen ziehen:

"Boris Palmer hat deshalb unsere politische Unterstützung verloren. Nach dem erneuten Vorfall beraten unsere Landes- und Bundesgremien über die entsprechenden Konsequenzen, inklusive Ausschlussverfahren."

Baerbock kritisiert Palmer

Ob die Lehmann-Aogo-Diskussion nun auch noch Konsequenzen für Palmer hat? Kritik hagelt es jedenfalls aktuell von allen Seiten.

Titelfoto: Sebastian Gollnow/dpa

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