München - Der Tierschutzverein München e. V. kritisiert das Panda-Projekt von Markus Söder (59, CSU) und fordert echte Hilfe für den Tier- und Artenschutz.
Ab 2028 sollen zwei Riesenpandas in den Tierpark Hellabrunn ziehen, hatte der Ministerpräsident zuletzt verkündet.
Derweil sitzt im Münchner Tierheim ein völlig vergessener "Pandabär", der dringend Unterstützung bräuchte. Carlos, ein schwarz-weißer American Staffordshire Terrier, gehört zu den am schwersten zu vermittelnden Tieren der Organisation.
Seit fünf Jahren wartet der Hund mit den schwarzen Augenflecken auf seine Menschen. Da er erfahrene Halter braucht und in Bayern als Listenhund geführt wird, ist seine Vermittlung stark eingeschränkt. Ein Zuhause könnte er nur außerhalb des Freistaats finden. Listenhunde wie Carlos machen fast ein Viertel aller Vermittlungshunde aus, berichtet der Tierschutzverein.
"Wir lieben alle Tiere, natürlich auch Pandas – aber Millionen für die Zurschaustellung zweier armer Geschöpfe, während Hunderttausende Euro jährlich für die Pflege unserer schwer vermittelbaren Hunde fehlen, sind aus unserer Sicht völlig fehlgeleitet", erklärt Claus Reichinger, der stellvertretende Vorsitzende des Tierschutzvereins.
Mit dem Geld, das für den Bau des Geheges und den Unterhalt der Pandas draufgeht, könnten all die Dauersitzer in bayerischen Tierheimen vernünftig und sicher versorgt werden, so Reichinger.
Pandas als PR-Stunt? Tierschutzverein fordert echte Hilfe für heimische Tiere
Konkret kosten die Pandas wohl einmalig 18 Millionen Euro und müssen dann jährlich mit geschätzt einer halben bis einer Million Euro versorgt werden. Dem gegenüber stehen die chronisch unterfinanzierten Tierheime.
"Exotische Tiere in fremden Klimazonen in kleine Gehege zu sperren, um Besucherzahlen zu steigern, hat wenig mit echtem Artenschutz zu tun", betont der Tierschutzverein. Um den Artbestand zu schützen, wäre eine Förderung der Population in ihrem natürlichen Habitat in China sinnvoller.
"Echte Tierliebe zeigt sich nicht bei PR-Tieren. Sie beginnt bei denen, die jeden Tag hier auf Hilfe angewiesen sind und leider keine lukrative Fanbase haben", findet die Pressesprecherin des Tierschutzvereins, Kristina Berchtold. Tiere wie Carlos könnten mit nur einem Bruchteil des Geldes ein gutes Leben führen.
Wer heimischen Tieren in Not helfen möchte, kann dies mit einer Patenschaft beim Tierschutzverein tun. Jeder monatliche Beitrag sichert Futter, medizinische Versorgung, Training. Zudem können regionale Artenschutzprojekte und Auffangstationen für heimische Wildtiere Unterstützung immer gebrauchen.
Die Wildtierstation des Münchner Tierheims rettet jedes Jahr ohne öffentliche Gelder rund 4000 bayerische Wildtiere.