Hamburg - Am Donnerstag haben in Hamburg rund 22.000 Menschen gegen sexualisierte Gewalt an Frauen demonstriert. Anlass der Kundgebung waren die schweren Vorwürfe, die Collien Fernandes (44) gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen (50) erhoben hat. Neben der Moderatorin selbst kamen auch viele Aktivistinnen zu Wort, die nicht nur besseren Schutz für Opfer und echte Konsequenzen für Täter forderten, sondern auch die jüngsten Aussagen von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU, 70) scharf kritisierten.
Dieser hatte am Mittwoch mit seiner Rede im Bundestag die Debatte weiter angeheizt. Er warnte vor einer "explodierenden Gewalt in der Gesellschaft – sowohl im digitalen als auch im analogen Raum" und betonte, dass auch die Ursachen der Gewalt untersucht werden müssten.
"Ein beachtlicher Teil der Gewalt kommt aus der Gruppe der Zuwanderer", so Merz. Das gehöre zur Vollständigkeit dazu und solle das Problem nicht relativieren.
"Unser Bundeskanzler, der 1997 gegen die Strafbarkeit von Vergewaltigungen in der Ehe gestimmt hat, 2006 gegen das Gleichbehandlungsgesetz und 2024 gegen die Reform des Paragrafen 218 – der will uns jetzt weismachen, dass er an das Wohl von Frauen denkt?", fragte Zara Canbay vom Bundesverband der Migrantinnen bei der Demo am Donnerstag.
Und weiter: "Die Sicherheit von uns Frauen ist für Merz und die Bundesregierung nur so interessant, wie sie die für rassistische Hetze und rückschrittliche Rollenbilder benutzen kann." Canbay machte deutlich, dass der Schutz von Frauen und Mädchen kein politisches Instrument sein dürfe: "Wir fordern echten Schutz vor Gewalt, echte Unabhängigkeit und ein Ende des Täterparadieses."
Demo in Hamburg: "Der gefährlichste Ort für Frauen ist und bleibt das eigene Zuhause"
"Ich will keine Debatte mehr darüber führen, dass das alles ja ein importiertes Problem sei", betonte auch Alexandra Zykunov (41), Kolumnistin und Autorin, am Donnerstag.
"Zum allerletzten Mal für all die Friedrichs in den hintersten Reihen: Das Kriminalamt selbst wird nicht müde zu erwähnen, dass mehr als zwei Drittel aller Sexualstraftäter eine deutsche Staatsangehörigkeit haben."
Eine Sprecherin der Initiative "Nur ja heißt ja" erinnerte zudem nochmal an die weitreichende Wirkung des Falls Fernandes/Ulmen: Seit der Berichterstattung hätten viele Betroffene ihre eigenen Erfahrungen geteilt – über Missbrauch im Freundes-, Familien- und Kollegenkreis.
"Der gefährlichste Ort für Frauen ist und bleibt das eigene Zuhause, eben, auch wenn Ehemänner Christian oder Dominik heißen. Was wir brauchen, ist systematischer Wandel", so die Aktivistin.