Kommentar: Weckruf-Watschn für CSU-Chef Söder! Ein grüner Rathaus-Boss in München

München - Dass München traditionell den Gegentrend zur CSU-lastigen Landesregierung stellt, ist Tradition. TAG24-Redakteur Marco Schimpfhauser geht einen Schritt weiter: Was am Sonntagabend passiert ist - ein Grüner als Oberbürgermeister -, darf man auch als öffentliche Ohrfeige für Landesvater und Bratwurst-Influencer Markus Söder (59, CSU) sehen.

Der Mann der Stunde: Mit Münchens neuem Oberbürgermeister Dominik Krause (35) zieht der erste Grüne auf den Rathaus-Chefsessel.  © Sven Hoppe/dpa

Vor ein paar Jahren noch hätte man wohl jede Wette auf den SPD-Mann Reiter gewonnen. Ein Job beim FC Bayern und ein geistesabwesend daher gesagtes N-Wort-Zitat als Stolperdraht?

Man wagt ja fast zu behaupten, dass ihm das früher noch ein paar Prozente extra gebracht hätte. Hashtag: Flugblatt. Doch diese Zeiten sind wohl um.

Der Rote lag vor der Stichwahl noch vorne. Dann hat die CSU eine Wahlempfehlung ausgesprochen und - zack - Vize.

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Und nun?

Nun wird Partei-Boss Markus Söder - berühmt für seine Anti-Grünen-Bierzeltreden - bei der nächsten Wiesn brav lächelnd und dankend nickend den Maßkrug von Münchens Oberbürgermeister Dominik Krause (35) entgegennehmen.

Der Gipfel des CSU-Protests - ausgerechnet in der politisch wichtigsten Stadt Bayerns. Das Ende des "Weiter so"-Gedankens und des Amts-Bonus, das sich durch den gesamten Freistaat zieht. Denn besonders abseits der Städte, auf dem Land, erlebt die Partei ein absolutes Debakel.

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CSU verliert reihenweise den einst vererbten Zuspruch

Verpennt er die Trendwende im Mindset seiner Wähler? Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (59, CSU) muss die Partei-Pleiten auch mit seiner eigenen Arbeit in Verbindung bringen - ähnlich wie bei den Erfolgen.  © Malin Wunderlich/dpa

Der größte Hingucker dabei: Freie-Wähler-Kandidat Marc Sturm gewinnt im Landkreis Aichach-Friedberg mit - bitte anschnallen - 50,02 zu 49,98 Prozent gegen Peter Tomaschko von der CSU. Das sind 22 Stimmen Unterschied - bei gut 100.000 Wahlberechtigten.

Vor allem für die Freien Wähler war der Stichwahl-Sonntag ein Erfolg. Die Zahl der Landräte von 14 auf 28 verdoppelt - teilweise mit knapp 80 Prozent Stimmen. Außerdem gibt es jetzt vier FW-OBs.

Die Politologin Ursula Münch bezeichnet die Wahlergebnisse in Bayern 2026 als "ein ganz massives Warnzeichen" für die Christsozialen. Das bis zuletzt unhinterfragte Vertrauen in die CSU war einmal.

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Was bedeutet das auf Landesebene? Den erhofften Rückenwind für die nächsten Wahlen kann sich Söder schon mal abschminken. Spätestens jetzt ist klar: Die "Die haben wir schon immer gewählt"-Generation ist kein Faktor mehr.

Jetzt müssen leere 10.000-Wohnungs-Versprechen, Anti-Cannabis-Kampagnen, Kernkraft-Wahn und Anti-Grünen-Propaganda langsam weggeräumt werden. Die Leistungen seiner Vorgänger sind nicht mehr abrufbar - Söder muss jetzt zeigen, ob er wirklich ein Mann ist, der für die Bürger und ihre Zukunft arbeitet.

Vielleicht gelingt es ja bei einem kurzen Glückwunsch-Besuch beim ersten grünen Oberbürgermeister der Stadt München. Gemeinsame Ziele sollten sich schnell finden lassen - wenn man das möchte.

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