Toter "Timmy" an Land gezogen: Ansteckungsgefahr!

❤️
😂
😱
🔥
😥
👏

Von Julia Wäschenbach, Svenja-Marie Kahl

Anholt (Dänemark) - Lange passierte nichts, doch am Samstag wurde der vor der dänischen Insel Anholt liegende Kadaver des "Timmy" genannten Buckelwals an Land gezogen.

Am Samstagmorgen wurde der Kadaver des Wals an Land gezogen.
Am Samstagmorgen wurde der Kadaver des Wals an Land gezogen.  © NEWS5 / Tobias Grabow

Der Wal-Kadaver soll am kommenden Donnerstag auf Anholt untersucht werden. "Die Obduktion wird am Nachmittag beginnen und etwa sechs Stunden dauern", sagte Morten Abildstrøm vom dänischen Amt für Naturverwaltung der Deutschen Presse-Agentur.

Am Samstagmorgen hatten laut NEWS5 mehrere Arbeiter damit begonnen, den ungefähr 13 Tonnen schweren Wal mithilfe eines Unimogs und einem Seil zu ziehen.

Im Sand hinterließ der aufgeblähte Kadaver eine riesige Furche. "Alles ist nach Plan verlaufen", kommentierte Abildstrøm die etwa zweistündige Aktion. "Jetzt werden sich Tierärzte und Experten um die Untersuchung des Wals kümmern."

Transportversuch gescheitert: Buckelwal "Timmy" bleibt vorerst an Ort und Stelle
Ostsee Transportversuch gescheitert: Buckelwal "Timmy" bleibt vorerst an Ort und Stelle

Die dänische Umweltbehörde rief Einheimische und Badegäste dazu auf, sich dem Wal nicht zu nähern - es besteht Ansteckungsgefahr.

Mit Flatterband wurde im Abstand von wenigen Metern eine Absperrung um das verwesende Tier herum errichtet, das inzwischen stark stinkt.

Wal-Obduktion: Herausfinden, woran das Tier starb

Der Kadaver des Buckelwals liegt nun am Strand der dänischen Insel Anholt, nächste Woche soll die Obduktion beginnen.
Der Kadaver des Buckelwals liegt nun am Strand der dänischen Insel Anholt, nächste Woche soll die Obduktion beginnen.  © Marcus Golejewski/dpa

"Weil das Tier so lange in der Sonne gelegen hat, wird es stark stinken", sagte der Wal-Forscher Peter Teglberg Madsen, der in Dänemark seit 25 Jahren Wal-Obduktionen begleitet.

"Das wird ziemlich überwältigend, wenn man es nicht gewohnt ist."

Es gehe vor allem darum, herauszufinden, woran das Tier starb, sagte Madsen - "denn in der Diskussion ging es ja viel darum, ob der Wal gerettet werden konnte oder nicht".

Wal-Forscher: Rettungsversuch war "reine Tierquälerei"

Erste vorbereitende Maßnahmen zur Bergung des Tieres hatten schon am Freitag begonnen.
Erste vorbereitende Maßnahmen zur Bergung des Tieres hatten schon am Freitag begonnen.  © Marcus Golejewski/dpa

Der Forscher nimmt derzeit an, dass das Tier von vornherein keine Chance hatte. "Das war ganz offensichtlich ein krankes, entkräftetes Tier, das nicht gerettet werden konnte, und man hätte es einfach in Frieden lassen sollen."

Stattdessen habe man ein Tier, das noch nie in Gefangenschaft gelebt habe, tagelang in einer Metallkiste eingesperrt über das Meer bugsiert.

"Es wurde von den Wellen hin und her geschmissen, dem Lärm der Motoren ausgesetzt, um dann einfach ins Meer gekippt zu werden - das muss höllisch stressig und beängstigend für das Tier gewesen sein."

Die Aktion sei "reine Tierquälerei" gewesen.

Spurensuche am Wal: Starb er durch Fischernetze?

Die dänische Umweltschutzbehörde und das dänische Strandungsnetzwerk warnen auf einem Schild am Strand davor, sich dem toten Wal zu nähern.
Die dänische Umweltschutzbehörde und das dänische Strandungsnetzwerk warnen auf einem Schild am Strand davor, sich dem toten Wal zu nähern.  © Marcus Golejewski/dpa

Tierärzte, Behördenvertreter und Experten werden zum Beispiel nach Resten von Fischernetzen und Plastik im Darm und in der Speiseröhre des Tiers suchen.

"Bei vier der letzten sechs gestrandeten Buckelwale in Dänemark haben Fischernetze nachweislich eine Rolle bei ihrem Tod gespielt", sagte Wal-Forscher Madsen. Bei den beiden anderen sei das zumindest eine Möglichkeit gewesen, man könne es nur nicht mit Sicherheit sagen.

"Aber anstatt so viele Ressourcen auf den Versuch zu verwenden, ein einzelnes Tier zu retten, sollten wir dafür sorgen, dass Tiere nicht in solche Situationen geraten."

Erstmeldung: um 8.14 Uhr, zuletzt aktualisiert: um 12.25 Uhr.

Titelfoto: Marcus Golejewski/dpa

Mehr zum Thema Ostsee: