Hat er Putin mit seinen Wagen beleidigt? Moskau setzt Prozess gegen Karnevalslegende Tilly fort
Von Ulf Mauder
Düsseldorf/Moskau - Die russische Justiz hat im umstrittenen Strafverfahren gegen den deutschen Bildhauer Jacques Tilly (62) unter anderem wegen Beleidigung von Kremlchef Wladimir Putin (73) für diesen Donnerstag (9 Uhr) einen neuen Prozesstermin angesetzt.
Richter Konstantin Otschirow hatte im Januar zwar in Anwesenheit einer Pflichtverteidigerin die Anklage verlesen lassen, dann aber die Verhandlung erneut unterbrochen, weil Zeugen fehlten. Sie werden nun erwartet.
Unklar ist, wann ein Urteil gesprochen wird. Der Prozess findet in Abwesenheit des Angeklagten statt.
Er sei noch immer nicht von der russischen Justiz über das Verfahren informiert worden, sagte Tilly auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Gleichwohl beobachten Diplomaten der deutschen Botschaft in Moskau das Verfahren mit seiner Kenntnis.
Tilly hatte Karnevalswagen für den Düsseldorfer Rosenmontagszug mit Karikaturen von Putin gebaut. Laut Gericht muss sich Tilly nun wegen Verunglimpfung der russischen Staatsorgane verantworten, dazu gehört neben der russischen Armee auch Präsident Putin.
Karnevalswagen von Jacques Tilly sorgen weltweit für Schlagzeilen
Nach diesem Gesetz drohen dafür eine Geldstrafe oder Freiheitsentzug bis zu zehn Jahren. Nach solchen Anschuldigungen sind in Russland schon viele Kriegsgegner der von Putin befohlenen Invasion der Ukraine verurteilt worden. Die Entscheidungen stehen international als Unrechtsurteile der russischen Willkürjustiz in der Kritik.
Tilly ist für seine bissig-satirischen Mottowagen im Düsseldorfer Rosenmontagszug bekannt. Seine Motive erscheinen in den Tagen nach Karneval regelmäßig auf Titelseiten der deutschen und internationalen Presse. Bereits mehrfach hatte er seine Mottowagen Putin gewidmet - in diesem Jahr auch mit Blick auf den Prozess in Moskau.
Titelfoto: Bildmontage: Oliver Berg/dpa, Federico Gambarini/dpa
