Gartenarbeit oder Ruhezeit? Was ein milder Winter für den Garten, Pflanzen und Tiere heißt
Fans von Schnee werden häufig enttäuscht: Lange, kalte und weiße Winter sind längst nicht mehr die Norm. Welche Folgen - abgesehen von der fehlenden Winterlandschaft und von freien Straßen - hat das? Wie wirkt sich ein milder Winter eigentlich auf den Garten samt Tieren und Pflanzen aus?
Weitere Ratgeber dazu findest Du unter: Tier- und Pflanzenschutz im Garten.
Grüne Wiesen statt dicke Schneedecken - als Folge des Klimawandels werden Winter zunehmend milder und kürzer. Gleichzeitig wird das Wetter im Winter unbeständiger, was weiterhin plötzliche und heftige Wintereinbrüche zulässt.
Erkennbar ist das an den Durchschnittstemperaturen, die nicht selten über dem langjährigen Mittel liegen, während die Zahl der Tage mit Frost und Schnee sinkt.
Verkürzt wird der Winter durch einen früher einsetzenden Frühling. Das ist unter anderem an Zeigerpflanzen wie Haselblüten erkennbar. Diese zeigen sich oft bereits früher als erst im Februar oder März.
Wie wirkt sich dieses Winterklima weiterhin aus - nicht nur auf Pflanzen, sondern auch auf Tiere? Gibt es für Gärtnerinnen und Gärtner etwas zu beachten?
Welche Auswirkungen hat ein milder Winter im Garten?
Während einzelne Wetterumschwünge nur wenig Einfluss auf die Natur haben, können sich anhaltende und jährlich milde Winter als Folge des Klimawandels auf Tiere und Pflanzen auswirken.
Wie wirkt sich ein milder Winter auf Pflanzen aus?
Vorzeitige Blüte
Bei frühlingshaften Temperaturen beginnen Pflanzen früh auszutreiben. Folgt kurz daraufhin Kälte, ist der Austrieb pausiert. Bleibt es jedoch länger mild, entwickeln sich die Knospen weiter. Dann werden Spätfröste gefährlich: Die empfindlichen Jungtriebe drohen zu erfrieren und anhaltende Schäden zu erleiden.
Insbesondere bei heimischen Pflanzen ist auch das noch nicht fatal. In der Regel können sie dank Energiereserven erneut austreiben. Dieser zweiter Austrieb ist dann allerdings meist schwächer, nicht ganz so widerstandsfähig und anfälliger bei Wetterumschwüngen oder Schädlingsbefällen.
Schlechtere Ernte
Auch Früchte sind gefährdet. Aufgrund von Blütenschäden können die Erträge später im Jahr geringer ausfallen.
Krankheitsrisiko
Gleichzeitig besteht auch ohne später einsetzenden Frost ein weiteres Risiko: Pflanzen sind bei dem Klima anfälliger für Pilzerkrankungen, da diese es warm und feucht bevorzugen.
Schädlinge
Und nicht nur das. Die Gartensaison kann durch milde Winter auch mit beispielsweise mehr Schnecken oder Blattläusen beginnen, die bei eisigen Temperaturen normalerweise absterben würden, aber den Winter zunächst überstanden haben.
Einfluss milder Winter auf Tiere
Insekten
Da Insekten wechselwarm sind, werden sie bei milden Temperaturen aktiv und fallen bei sinkenden Temperaturen wieder zurück in eine energiesparende Kältestarre.
Einige Arten, die die Kälte nicht überstehen würden, überleben bei anhaltenden milden Temperaturen den Winter. Andererseits sind auch sie bei warmen feuchten Bedingungen anfälliger für Pilze und Krankheiten.
Zudem können ihre Nahrungsquellen im Frühling begrenzt sein, wenn Pflanzen durch einen frühen Austrieb bereits zu früh Pollen und Nektar zur Verfügung gestellt haben, bevor die Insekten aus dem Winter erwacht sind und die Energie brauchten.
Winterschläfer
Winterschläfer wachen nicht erst auf, wenn ihre innere Uhr sagt, dass es Frühling ist. Auch, wenn ihre Energiereserven aufgebraucht sind und sie erneut auf Futtersuche gehen müssen sowie in Wärmeperioden werden sie aktiv.
Besonders kritisch kann daher ein häufiger Wechsel zwischen Wärmephase und Kälteeinbruch sein, denn zusätzlich zu einem hohen Energieverbrauch durch das Aufwachen kann sich die Nahrungssuche schwer gestalten.
Einzelne warme Tage reißen sie jedoch noch nicht aus dem Schlaf.
Amphibien
Auch Amphibien werden bei längeren Wärmephasen aktiv. Ein plötzlicher Wintereinbruch kann dann gefährlich werden, wenn sie sich nicht rechtzeitig eingraben können und erfrieren.
Was gibt es im milden Winter im Garten zu tun?
Ohne Schneeschicht lässt sich der Garten gut im Auge behalten. Das sollte man nutzen und ihn regelmäßig auf unter anderem Schädlinge, Unkraut und Trockenheit kontrollieren. Auch wie folgt kann man bereits im Winter aktiv werden.
Winterschutz entfernen
Bei milden Temperaturen benötigen die eingewinterten Pflanzen keinen Frostschutz mehr. Damit es unter dem Vlies oder der Haube nicht warm und feucht wird, und kein Schimmel entsteht, sollte man den Winterschutz abnehmen, jedoch weiterhin bereithalten.
Pflanzen bewässern
Ganz wichtig ist es, die Pflanzen auch im Winter zu gießen. Gehe sicher, dass die Erde bereits trocken ist und gieße dann vorsichtig - bestenfalls vormittags bis mittags, falls es zur Nacht wieder frostig wird. Staunässe darf dabei jedoch nicht entstehen.
Boden bearbeiten
Bei stark verdichtetem Boden mit Staunässe sollte man den Boden mit Sand oder Kompost bearbeiten, sodass einem Sauerstoffmangel sowie Wurzelfäule vorgebeugt werden kann.
Außerdem kann man Beete mulchen, um sie vor Temperaturschwankungen zu schützen. Auch Samen von Unkräutern können bei den Temperaturen austreiben. Daher kann man im milden Winter schon früh Unkraut jäten, um sich die Arbeit im Frühjahr zu sparen oder zu verkürzen.
Bei anhaltenden Plusgraden von mindestens sechs bis zehn Grad Celsius darf sogar bereits der Rasen gemäht werden. Zu kurz - unter vier Zentimeter - sollte er dabei jedoch nicht geraden.
Gehölze schneiden
In milden Wintern kann man auch einige Gehölze wie Obstbäume, Beerensträucher, aber auch Weiden oder Ahorngewächse vor ihrem Austrieb schneiden. Im Frühjahr bluten sie zu stark, weshalb die kühleren Monate vor dem Austrieb besser geeignet sind.
Übrigens: Mit insektenfreundlichen Gärten sorgt man in milden Wintern für Nahrungsquellen für nicht nur Vögel, sondern auch für erwachte Igel. Sind sie geschwächt oder wirken unterernährt, kann man Igel auch füttern.
Fazit
Expertinnen und Experten erwarten bei kurzen, wärmeren Phasen in der Regel keine schwerwiegenden Konsequenzen oder Schäden für Tiere und Pflanzen. Anhaltende sowie auch langfristig immer wieder auftretende warme Winter beeinträchtigen sie jedoch.
In milden Wintern lohnt es sich daher, seinen Garten in den Augen zu haben und nach Auswirkungen Ausschau zu halten.
Titelfoto: 123rf/leddamarita